Der Abbas-Eklat im Kanzleramt war nur der Auftakt für den nächsten, sich anbahnenden Skandal. Der fünfzigste Jahrestag des palästinensischen Terrorattentats gegen das israelische Team bei den Münchener Sommerspielen von 1972 droht ein Desaster zu werden.

 

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Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat bei seinem jüngsten Berlin-Besuch die Aufmerksamkeit und den Unmut der Weltöffentlichkeit auf sich gezogen. Nach seinen Holocaust-revidierenden Aussagen ist er in Berlin zu Recht Persona non grata. Doch Olaf Scholz, der in der Situation schwieg und Abbas die Hand schüttelte, bevor er sich erst am nächsten Tag empört zeigte, ließ seinen Worten keine Taten folgen. Nur drei Tage später verkündete das Auswärtige Amt die Zahlung von 340 Millionen Euro in Richtung der Palästinenser, die schon vorher zugesagt waren. Echte Empörung sieht anders aus.

In dem allgemeinen Trubel um den Eklat ging ein weiterer Skandal fast unter. Abbas‘ unsägliche Aussagen zu „50 Holocausts“ kamen nämlich als Antwort auf die Frage, ob er plane, sich anlässlich des 50. Jahrestages als Präsident für den „Angriff auf die Olympischen Spiele in München 1972“ bei Israel und Deutschland zu entschuldigen. Nicht nur, dass Abbas sich nicht entschuldigte, in seiner Antwort legitimierte er den palästinensischen Terror gar! Wen nimmt das Wunder, wenn er laut dem Drahtzieher der damaligen Anschläge, Abu Daoud, Finanzier der Terror-Aktion war?

Mit solch einer palästinensischen Führung ist Versöhnung oder gar Frieden nicht zu machen.

Doch auch auf deutscher Seite droht der fünfzigste Jahrestag des palästinensischen Terrorattentats gegen das israelische Team bei den Münchener Sommerspielen von 1972 ein Desaster zu werden. Vieles deutet darauf hin, dass DIE Möglichkeit zur Versöhnung aufgrund deutschen Unvermögens ungenutzt bleiben könnte. Ein Jammer! Nicht nur reiht sich ein antisemitischer Skandal mit freundlicher Unterstützung der Bundesregierung an den nächsten, man denke etwa an die Documenta, die Holocaust-Relativierungskonferenz „Hijacking Memory“ in Berlin oder besagte Abbas-Episode im Kanzleramt. Nein, nur wenige Tage vor dem Jahrestag scheinen die Gräben zwischen unsensibel agierenden deutschen Behörden und den Hinterbliebenen der getöteten israelischen Sportler unüberbrückbar.

Letztere boykottieren die offizielle Gedenkveranstaltung mittlerweile offen.

Noch ist nicht einmal klar, ob am 5. September in München überhaupt irgendein Israeli zugegen sein wird, geschweige denn Präsident Jitzchak Herzog, der in der Woche Deutschland besuchen und im Bundestag sprechen wird! Die deutsche Seite war zwar stets bemüht, aber gut gewollt ist noch nicht gut gemacht. Die Vorwürfe der israelischen Hinterbliebenen, die deutsche Regierung habe durch die Ablehnung israelischer Spezialeinheiten und den dilettantischen Befreiungsversuch Mitschuld am Tod ihrer Verwandten, sind nicht aus der Luft gegriffen. Zudem ließen Behörden im Nachgang die überlebenden Geiselnehmer frei und begannen mit Zahlungen in Richtung PLO-naher Organisationen. Hingegen wurden die israelischen Hinterbliebenen im Dunkel gelassen und mit geringen Entschädigungszahlungen abgespeist! Ein echter Hohn! Es wäre an der Zeit für die Bundesregierung, sämtliche Dokumente zu den damaligen Vorgängen zu veröffentlichen, offen eigene Fehler einzugestehen, die Hinterbliebenen um Entschuldigung zu bitten und sie angemessen zu entschädigen. Außerdem müssten die palästinensischen Täter und ihre heutigen Gesinnungsgenossen geächtet, nicht finanziert werden. Zu all dem fehlt uns Deutschen allerdings bislang die Größe.

Dabei waren die Sportler der israelischen Delegation echte Botschafter der Versöhnung, als sie nach dem Holocaust zu Olympischen Spielen auf deutschem Boden fuhren. Sie taten diesen bewussten Schritt vor dem Hintergrund der vorangegangenen deutschen Sommerspiele, die 1936 in Berlin Adolf Hitler ein Podium vor der Weltöffentlichkeit geboten hatten. Für ihre Entscheidung, im Land der Täter an der Sportveranstaltung teilzunehmen, wurden die Athleten zu Hause vehement kritisiert. Elf israelische Sportler bezahlten diese Entscheidung mit ihrem Leben.

Doch die deutschen Behörden hätten wissen können, wie hoch die Bedrohung für die israelischen Sportler in München tatsächlich war. Vorboten gab es zur Genüge. In den zwei Jahren vorher hatte es antisemitische Attentate auf jüdische und israelische Ziele in Deutschland gegeben. Ausgeführt von deutschen Linksradikalen wie Dieter Kunzelmann und Fritz Teufel und deren Verbündeten der PLO unter Palästinenserführer Jasser Arafat. Doch man wollte „heitere Spiele“ und ignorierte mit einem offenen Sicherheitskonzept die aufziehenden dunklen Wolken. Der Rest ist traurige Geschichte. Und in seiner Hybris und Instinktlosigkeit leider auch Beschreibung des Ist-Zustandes deutscher Politik.

Den einzigen Lichtblick in einer trüben Zeit boten die gerade beendeten Leichtathletik-Europameisterschaften in München, wo der Marathon-Lauf in einen deutsch-israelischen Freudentaumel mündete. Richard Ringer holte Gold für Deutschland vor den beiden Israelis Marhu Teferi und Gashau Ayale. In der Mannschaftswertung wiederum lagen die Israelis vor den Deutschen und die Reihenfolge auf dem Siegerpodest war umgekehrt. Das Spielen beider Nationalhymnen und der ausgelassene Jubel der Münchener Zuschauer für Sportler beider Nationen waren der dringend notwendige Balsam, der auf politischer Ebene noch immer Fehlanzeige ist.

Mit einem herzlichen Grüß Gott und Schalom aus Berlin!

Von: Josias Terschüren