Seit vielen Jahren sind Avischai und Rachel Tevet Partner auf israelischer Seite im Terror-Opfer-Hilfsprogramm von „Christen an der Seite Israels“ (CSI). Dieses Jahr im Mai verstarb Avischai im Alter von 73 Jahren. Wer war der Mann, der so vielen Israelis in den Tiefzeiten ihres Lebens beistand?

Von: Delly Hezel

Unsere Kommunikation war sehr begrenzt, da Avischai kaum Englisch sprach und ich kein Hebräisch. Verstanden haben wir uns trotzdem – mit einer Kommunikation, die über Worte hinausging. Und genau das war es, was Avischai ausgezeichnet hat. Er hat nicht viel geredet und doch so viel gesagt!

Avischai Tevet – hier zusammen mit seiner Frau Rachel – starb im Mai 2021 im Alter von 73 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Foto: privat

Avischai war einer, der da war, oft in den schwersten Situationen, die einen Menschen treffen können. Einer, der viel Hilfe durch Avischai erfahren hat, ist Juval. Er erzählte mir, dass er auf der Trauerwoche für den Verstorbenen, der sogenannten Schiva, die Söhne von Avischai fragte, ob sie den Ansagetext vom Anrufbeantworter des Handys ihres Vaters wüssten. Als sie dies verneinten sagte er ihnen den Text: „Hallo, ich bin Avischai, ich bin für dich da!“

Für Juval war Avischai einer, der für jeden, zu jeder Zeit zur Verfügung stand. Er habe so viele Leben von Soldaten gerettet, erzählte Juval weiter. Er selbst wüsste nicht, ob er ohne Avischai noch am Leben wäre. Avischai kümmerte sich um verwaiste Soldaten. Er leitete Sommercamps für Betroffene und Verwundete von Krieg und Terror.

Bei der israelischen Armee war Avischai einer der ehrenamtlichen Ansprechpartner nach Anschlägen, Konflikten und Krisen. Dadurch hatte er Kontakte zu Terror-Opfern. Zusammen mit seiner Frau Rachel hat er Israelis vermittelt, die für ein Erholungsprogramm über CSI zu Gastfamilien nach Deutschland kamen. Ehrenamtlich töpferte Avischai zudem mit behinderten Kindern und brachte ihnen die Mosaikkunst bei.

Seine Beerdigung und die Trauerwoche waren ein Zeichen der Wert- schätzung von Menschen aus ganz Israel. Mehr als eintausend Personen kamen zur Beisetzung und in der Woche danach noch Hunderte zur Schiva, um die Familie zu trösten und ihren Dank auszusprechen. Unter ihnen waren auch Oron und Ran Gelband die in Re’im im Süden Israels leben (in Ausgabe 124 unserer Zeitung Israelaktuell berichteten wir auf Seite 8 über die Familie). Sie fuhren nach Gan Schmuel, dem Kibbutz in dem Avischais Frau Rachel und seine Söhne mit ihren Familien zu Hause sind.

Avischais Vorbild lebt weiter

Avischai hatte auch Ran begleitet, der durch sehr traumatische Erlebnisse ging und jetzt unter einem posttraumatischen Belastungssyndrom leidet. Viele Therapien und Arztbesuche hat er hinter sich. Wie oft war Avischai an seiner Seite und hat ihm die Hand gehalten. In Gan Schmuel lernten Ran und Oron Avischais Sohn Netzer kennen. Auf Anhieb verstanden sie sich gut mit ihm. Nur wenige Tage später, als Israel mit tausenden Raketen aus dem Gazastreifen angegriffen wurde, und vor allem der Süden und somit auch Re’im unter höchster Bedrohung war, war es Netzer der sich bei den Gelbands meldete und sie als Familie einlud, bei ihnen in Nordisrael Schutz zu suchen. Das Vorbild Avischais lebt weiter. Avischai war das was im Jiddischen, „Mentsch“ genannt wird. Er war von edlem Charakter!

Das schrieben Israelis, die durch Avischai Hilfe erfahren haben:

„Lieber Avischai, du bist in diesem Moment in unser Leben getreten, der der Schwerste unseres bisherigen Lebens war. Es war im Oktober 2000, als uns mitgeteilt wurde, dass unser Sohn Adi, zusammen mit seinen zwei Kameraden Benni und Omer, in den Libanon entführt wurde. In den dreieinhalb Jahren der Ungewissheit, ob wir unseren Sohn jemals wieder lebend sehen würden, warst du wie ein Engel für uns, wurdest Teil unserer Familie. Du warst so viel mit uns zusammen, hast uns ausgehalten in unseren Ängsten und unserer Hilflosigkeit.

Gemeinsam mit dem Militär hast du um die Rückgabe unserer Söhne gekämpft. Auch am 29. Januar 2004 warst du da, als Adi, Benni und Omer nach Hause kamen, um hier in Frieden zu ruhen. Wir dachten du gehst jetzt zurück zu deiner Familie. Aber was geschah? Wir wurden zu einer Familie. Die Jahre gingen ins Land und wir haben sie gemeinsam erlebt. Wann immer wir Hilfe brauchten, auf dich konnten wir zählen.

In den vergangenen Monaten bist du durch eine schwere Krankheit gegangen. Niemand hat gedacht, dass es so enden würde. Aber vielleicht braucht oben im Himmel jemand deine Hilfe oder deinen Rat. Ruhe in Frieden!“ Familie Avitan

 

„Das erste Mal habe ich Avischai getroffen, als ich die Nachricht erhielt, dass mein Ehemann Amir erschossen wurde. Dies war so ein schrecklicher Moment, der sich mir so tief eingegraben hat. Avischai war in unserem Kibbutz verantwortlich für die Familien, die jemanden verloren haben. Er besuchte uns und war ab diesem Tag immer für uns da. Über all die Jahre, und es sind inzwischen zwanzig, hielt er den Kontakt zu meinen Kindern und zu mir.

Als für meine Kinder die Armeezeit begann, war Avischai in besonderer Weise für sie da und hat sie darauf vorbereitet und sich persönlich um sie gekümmert. Avischai hat mir geholfen meine drei Kinder großzuziehen. Er war für mich, wie auch für meine Kinder, wie ein Vater. Avischai konnte nachempfinden, wie sich Menschen in Ausnahmesituationen fühlen. Für Avischai waren Menschen in schwierigen Situationen sehr wichtig, manchmal hat er sich selbst darüber vergessen. Wir sind sehr traurig, dass er nicht mehr hier ist. Er fehlt uns. Seinen Platz in unserem Leben kann niemand füllen.“ Orly mit Asaph, Alon und Tamar

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 125. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen: https://csi-aktuell.de/israelaktuell.