Die Ferien sind vorüber, die Kinder strömen wieder in den Unterricht. Im Norden und Süden Israels eröffnen die Schulen teils zum ersten Mal seit dem Terrormassaker.
Für mehr als 2,6 Millionen Kinder hat am Dienstag das neue Schul- und Kindergartenjahr begonnen. Rund 180.000 Kinder kamen in die erste Klasse. Das Schuljahr beginnt in Israel traditionell am 1. September.
Im Süden und im Norden öffneten die Schulen teils zum ersten Mal seit dem Terrormassaker vom 7. Oktober 2023. Das gilt etwa für die Grundschule HaNadiv in Metula mit 36 Schülern bis zur sechsten Klasse.
Metula war stark von den Angriffen der Terrormiliz Hisbollah betroffen. Inzwischen seien 65 Prozent der Einwohner zurückgekehrt, sagte ein Sprecher der Stadt. Die Regierung versucht zudem, den Zuzug von Lehrkräften zu fördern: Wer sich entscheidet, in den Norden Israels zu kommen, erhält ein Darlehen von umgerechnet rund 17.200 Euro.
Finanzielle Mündigkeit als Fach
Das neue Schuljahr hält einige Neuerungen parat. So erhalten Neuntklässler erstmals „finanzielle Erziehung“: Sie sollen Dinge wie Haushaltsausgaben und Investitionen erlernen, um als Erwachsene besser mit Geld umzugehen.
Darüber hinaus ist dem Bildungsministerium der Fokus Lehrinhalte wichtig, die die Herkunft und Identität vermitteln sollen. Auch Künstliche Intelligenz soll zum Unterricht gehören. Ziel sei es, den Schülern ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit zu geben und ihnen zugleich Werkzeuge für den Umgang mit einer sich wandelnden Welt auf den Weg zu geben.
Erinnerung an ein vermisstes Mädchen
Der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) besuchte aus Anlass des neuen Schuljahres Erstklässler in einer Schule in Ramle, die nach seinem Vater Benzion Netanjahu benannt ist. Im Irankrieg 2025 hatte eine Rakete das Gebäude beschädigt.
Staatspräsident Jizchak Herzog zeigte sich an zwei Schulen im Norden Israels, in Ein HaMifraz nahe der Küstenstadt Akko und in der arabischen Stadt Scheich Danun. Auch diese Region war vom Beschuss durch die Hisbollah betroffen. Herzog erklärte, es sei für ihn besonders bewegend, dass die Schüler im Norden in die Schulen zurückkehrten.
Er und die Schüler erinnerten auch an die seit nunmehr zweieinhalb Jahren vermisste Haymanut Kasau. Die Tochter äthiopischer Einwanderer hätte heute in die sechste Klasse kommen sollen. Eine Mitschülerin bat darum, Haymanut nicht zu vergessen.
Problembehaftetes System
Bei allem Enthusiasmus angesichts des neuen Schuljahres kämpft das Bildungssystem mit einer Reihe von Problemen. Laut Statistikamt fehlen rund 31.000 Lehrer, besonders in den Fächern Hebräisch, Mathe und Englisch.
Die Israelis geben dem Schulsystem nur vier von zehn möglichen Punkten. Die Zahlen veröffentlichte die Organisation „Israel100“, die sich für eine Besserung der Lebensqualität durch lokale Initiativen bis zum 100-jährigen Jubiläum Israels im Jahr 2048 einsetzt.
Die Organisation beklagt unter anderem, dass aufgrund mächtiger Lehrergewerkschaften auch viele ungeeignete Lehrkräfte im Amt bleiben. Die Initiative fordert mehr Befugnisse für die einzelnen Schulen.
Vandalismus an neuer Schule
Zum Auftakt des Schuljahres kam es auch zu Protestaktionen. Am Montagabend randalierten einige Ultra-Orthodoxe an einer neuen säkularen Schule im Jerusalemer Stadtteil Kiriat HaJovel. Sie schrieben an die Wände „Stoppt die Unanständigkeit“ und klebten Sticker mit Sprüchen gegen die Wehrpflicht an die Fenster. Am Eingang ließen sie Müll zurück.
Die Schule teilte den Eltern mit, dass die Polizei noch am Montagabend angerückt ist. Sie und die Sicherheitskräfte würden das Gelände auch am Dienstag absichern.
Protest gegen Einreisebeschränkungen
Indes ließen private Schulen in Ostjerusalem den Unterricht ganz ausfallen. Damit protestierten sie laut der Nachrichtenseite „Times of Israel“ gegen den erschwerten Zugang von Lehrkräften aus dem Westjordanland seit dem Terrormassaker. Es gebe erhebliche Restriktionen bei der Erneuerung der Einreisegenehmigungen.
Die betroffenen Schulen befinden sich meist in kirchlicher Trägerschaft, die städtischen Schulen öffneten hingegen wie vorgesehen. Ein im Februar verabschiedetes Gesetz verbietet die Einstellung von Lehrkräften mit Abschlüssen an palästinensischen Hochschulen. Allerdings dürfen bereits angestellte Lehrkräfte weiter unterrichten.
In Schulen unter Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde beginnt das Schuljahr eine Woche später als in Israel, am 6. September. Das teilte das Bildungsministerium Mitte August mit. (Israelnetz)
