In Altensteig, einem kleinen Ort im Schwarzwald, haben sich nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 an insgesamt 110 Sonntagen Dutzende Menschen auf dem Markplatz versammelt, um ihre Solidarität mit den entführten israelischen Geiseln zu bekunden. Für diese Treue hat CSI Ende April mit einer besonderen Veranstaltung Danke gesagt, gemeinsam mit jüdischen und israelischen Gästen.
Von Dana Nowak
„Der größte Teil der anwesenden Gäste hat regelmäßig in der Öffentlichkeit einen Stand für Israel eingenommen. Heute wollen wir als Christen an der Seite Israels diejenigen ehren, die um Zions willen nicht geschwiegen haben, bis die letzte Geisel zurückgekommen ist. Wir sprechen euch unsere tiefe Hochachtung und unseren Respekt aus. Dieser Abend gehört in erster Linie euch“, begrüßte der CSI-Vorsitzende Luca Hezel die rund 130 anwesenden Gäste in den Räumen des befreundeten Vereins ZEDAKA in Bad Liebenzell. „Doch wir feiern nicht nur euch, sondern auch Israel, das heute 78 Jahre jung und 3000 Jahre alt wird“, ergänzte Hezel. Er verwies zudem auf ein Ehepaar, das besondere Treue gezeigt hat und an 109 von 110 Sonntagen zur Israelkundgebung gekommen war.
Unter den Gästen war auch Rabbi Mordechai Mendelsohn aus Karlsruhe. An einigen Sonntagen war er selbst in Altensteig vor Ort gewesen und fand am Dankes-Abend bewegende Worte: „Es war eine Ehre für mich, christliche deutsche Bürger zu sehen, die sich jeden Sonntag getroffen haben – auch, wenn es kalt war –, um ihre Liebe zum Volk Israel zu zeigen. Das hat vielen Menschen in Israel Kraft gegeben. Wenn ich in Israel war, habe ich den Menschen dort immer wieder gesagt: ,Ihr seid nicht allein, ihr habt in Deutschland viele Freunde, auf die ihr euch verlassen könnt.‘ In Jesaja heißt es ‚Tröstet, tröstet mein Volk‘. Wir sind getröstet, weil es CSI gibt, weil es Christen gibt, die für uns beten.“
Rabbi Mendelsohn: „Gott liebt eure Gebete“
Bei ihrem Überfall auf Israel hätten die Hamas-Terroristen keinen Unterschied gemacht, sondern sowohl säkulare als auch religiöse Juden ermordet. „Ich spreche als gläubiger Jude zu Ihnen. Hitler hat die Familie meines Großvaters vergast, auch er hat keinen Unterschied gemacht. Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr wir Ihre Unterstützung schätzen.“ Er sei von Israel nach Karlsruhe gekommen, um Juden ihren Gott wieder näher zu bringen. „Und hier habe ich so viele Christen kennengelernt, die Israel lieben. Ich wusste nicht, dass es solche Menschen gibt. Gott liebt eure Gebete.“

Die sonntägliche Solidaritätskundgebung wurde ehrenamtlich von CSI-Mitarbeiterin Delly Hezel initiiert, die dabei von zwei weiteren Frauen unterstützt wurde. CSI-Vorstandsmitglied Markus Neuman erklärte in seiner Danksagung: „Es braucht Mut und Zielstrebigkeit, um das durchzuziehen, was ihr auf die Beine gestellt habt. Bis die letzte Geisel zurück ist – ich weiß nicht, ob ihr die Kundgebungen so wöchentlich geplant hättet, wenn ihr am Anfang gewusst hättet, was dieser Satz bedeutet: nämlich 110 Sonntag aufzustehen. Aber ihr habt Treue gezeigt und dafür gilt euch unser herzlichster Dank.“

Delly Hezel sagte, für sie sei dieser Abend wie ein großes Freundes- und Familientreffen. „Es ging bei unseren Kundgebungen nicht um rechts oder links, es ging um Dunkelheit und Licht. Wir durften ein starkes Signal für Israel und gegen Antisemitismus setzen. Das war es wert, ich würde es wieder tun.“
An dem Dankesabend waren auch Gäste aus Israel zugegen. Sie zeigten sich überwältigt von der Solidarität und Treue der anwesenden Christen und genossen den Austausch bei Wein und Häppchen. „Ich habe nie gedacht, dass es außerhalb Israels und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft Menschen gibt, die an der Seite Israels stehen“, erklärte Roschel, ein junger Mann, gerührt.
„Ihr gebt uns Kraft“
Avishai, ein Überlebender des Hamas-Massakers, der für eine Auszeit mit seiner Familie im Rahmen des CSI-Terror-Opferhilfsprogramms in den Schwarzwald gekommen war, betonte: „Menschen wie ihr geben uns die Kraft weiterzumachen und für die Wahrheit zu kämpfen. Hört nicht auf zu tun, was ihr tut. Ihr steht auf der richtigen Seite der Geschichte.“
Einen besonderen Dank von CSI erhielt an diesem Abend zudem die Schauspielerin und Synchronsprecherin Esther Brandt. In einem gemeinsamen Video-Projekt von CSI mit dem Autor Ahmad Mansour und dem Verein WerteInitiative hatte sie die Präsentation von Inhalten zum Nahostkonflikt übernommen. Luca Hezel lobte die Schauspielerin für ihren Mut, für die Videos vor die Kamera zu treten.
Für die CSI-Freunde bot sich in Maisenbach noch eine Überraschung: Der designierte Nachfolger des CSI-Vorsitzenden Luca Hezel, Christian Frach, hatte an diesem Abend seinen ersten Auftritt im neuen Amt. Seine ersten Worte in ein CSI-Mikrofon sprach er auf Hebräisch und löste damit Begeisterung vor allem bei den anwesenden Israelis aus.
