Der Nahost-Konflikt ist für die Menschen in der Region zum Teil ihres Alltags geworden. Der aktuelle Krieg hat die Situation noch einmal verschärft. Das gilt leider auch für die Schulen, die kurzfristig auf die Sicherheitslage reagieren müssen. Keine leichte Aufgabe, wie die christlich-arabische Hilfsorganisation Seeds of Hope in Jericho berichtet. Und doch gibt es auch immer wieder Anlass zu Dankbarkeit und Zuversicht.
Von Seeds of Hope und Anja Weippert
Die Stadt Jericho hat in ihrer Jahrtausende langen Geschichte schon so manche Kriege und Konflikte überdauert. Auch jetzt ist das Leben in der in den palästinensischen Autonomiegebieten gelegenen Stadt vom derzeitigen Krieg in der Region beeinträchtigt.
Davon berichtet auch Seeds of Hope, ein lokaler Projektpartner von Christen an der Seite Israels (CSI). Die christlich-arabische Organisation setzt sich durch Bildungsprogramme für die Versöhnung von Arabern und Juden ein. Eine wichtige Säule dafür ist eine Schule, die Kindern aus christlichen und muslimischen arabischen Familien Zugang zu qualitativer Bildung ermöglicht. Beim Lernen sollen die Kinder Vorurteile abbauen und Gemeinsamkeiten entdecken können.
Vorbereitet durch Corona
Während der Corona-Pandemie musste die Schule für 40 Tage schließen. Doch das Lernen ging weiter. „Unsere Mission ist es, einen Ort des Lernens und Wachsens zu bieten, selbst in Zeiten der Unsicherheit“, erklärte Jessica Hatter, Leiterin des Bildungsprogramms. „Wir sind stolz darauf, zeigen zu können, wie unsere Gemeinschaft sich nicht nur angepasst, sondern herausragende Leistungen erbracht hat.“
Dank der Infrastruktur, die während der Pandemie aufgebaut werden konnte, waren die Lehrer in der Lage, schnell auf Online-Klassenzimmer umzustellen und interaktive Lektionen, Gruppendiskussionen und Aktivitäten zu gestalten, die die Schüler motivierten und miteinander in Kontakt hielten.

Jede Unterrichtsstunde wurde aufgezeichnet, so dass Schüler, die zu Hause mit Internet-Unterbrechungen zu kämpfen hatten, den Anschluss nicht verlieren konnten. Was eine turbulente Zeit hätte werden können, wurde so zu einem eindrucksvollen Beispiel für die Widerstandsfähigkeit der Schüler und Mitarbeiter, so Jessica Hatter. „Die Online-Phase war für uns als Schulleitung eine Offenbarung. Sie bot einzigartige Einblicke in jedes einzelne Klassenzimmer und hob das unglaubliche Talent unserer Lehrkräfte sowie die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Schüler hervor.“
Dass alle Schüler ihre Lernziele für das Schuljahr erreichen konnten, erfüllt Schüler wie Lehrer mit großer Freude und Stolz.
Vorbereitungen für noch mehr Schüler
Mit großer Spannung sieht Seeds of Hope dem neuen Schuljahr ab September entgegen. Da soll erstmals eine neunte Klasse starten, was einen Zuwachs von 32 Schülern bedeutet. Dafür werden sieben neuen Container ausgebaut, in denen Klassenräume für die neunte Klasse, Büros, Toiletten und ein Aktivitätsraum untergebracht werden. Sie sollen überdies so gestaltet werden, dass sie weiterhin ein liebevolles und förderliches Lernumfeld bieten, in dem sich die Kinder optimal entwickeln können.
Das übergeordnete Ziel von Seeds of Hope bleibt es, Familien in Jericho weiterhin Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu ermöglichen. Kinder sollen lernen dürfen, und zwar unabhängig von der politischen Situation.
An der Seite Israels zu stehen, bedeutet für uns auch, die arabischen Menschen und Perspektiven im Blick zu behalten. Mit unserem arabisch-christlichen Projektpartner Seeds of Hope in Jericho investieren wir in Bildungs- und Versöhnungsprogramme zwischen Arabern und Juden. Hier erfahren Sie mehr über diesen Bereich unserer Arbeit.
