Kommentar: Freiheit nur für die eigene Agenda?

Kommentar: Freiheit nur für die eigene Agenda?

Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel
Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel wurde für ihre Teilnahme am Israeltag Berlin Brandenburg von verschiedenen Medien kritisiert. Foto: AC

Im Nachgang zum erfolgreichen 6. Israeltag Berlin-Brandenburg am 20. Februar mit mehr als 400 Teilnehmern, den Christen an der Seite Israels (CSI) gemeinsam mit vielen Partnerorganisationen und -gemeinden veranstaltet hat, gab es negative Berichterstattung. Einem verunglimpfenden taz-Artikel folgte ein Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Beide Autoren nahmen die Teilnahme der Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel zum Anlass ihrer Kritik. Bei der Polizei ging unterdessen die Anfrage eines Journalisten nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) ein. Laut diesem hat jeder Bürger gegenüber den Behörden des Bundes voraussetzungslosen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen.

Von Josias Terschüren

Christen glauben an die Bibel. Das klingt banal, ist aber die Grundlage ihres Glaubens. Die Heilige Schrift – Altes und Neues Testament – enthält klare Verheißungen an das jüdische Volk: Das Land Israel als bleibendes Erbteil (zum Beispiel 1. Mose 12,7; 13,15; 15,18; 17,8; 5. Mose 1,8; Hesekiel 36–37; Sacharja 12–14; Apostelgeschichte 1,7). Der Gott der Bibel offenbart sich selbst als der „Gott Israels“ und gibt bei seinen Propheten seine unwiderrufliche Erwählung Israels zu Protokoll. Und er belässt es nicht bei bloßen Worten: Über den Verlauf von tausenden Jahren und hunderten Bibelseiten demonstriert Gott eine erstaunliche Bündnistreue gegenüber dem jüdischen Volk – in guten wie in schlechten Zeiten.

Wer diese Texte ernst nimmt, kann in der Rückkehr der Juden nach Israel und der Gründung israelischen des Staates 1948 nur wenige Jahre nach der Schoah, dem Zivilisationsbruch der Moderne, nicht nur ein politisches Ereignis sehen, sondern auch die Erfüllung biblischer Prophetie. Und er erkennt die Handschrift seines Gottes darin. Genau das tun wir als Christen an der Seite Israels.

Christlicher Zionismus – Bereicherung, keine Gefahr

Christlicher Zionismus ist nicht in erster Linie politische Ideologie, sondern theologische Konsequenz aus der Bibel. Er wurzelt in der Erkenntnis, dass Gottes Bund mit Abraham und seinen Nachkommen bleibend gilt. In Deutschland hat diese Haltung eine besondere moralische Dimension: Nach der Schoah und dem Versagen vieler Christen in der NS-Zeit ist Solidarität mit Israel ein Akt der Umkehr und Verantwortung.

CSI lebt diese Solidarität konkret: Auf der Grundlage der Bibel und der deutschen Geschichte stehen wir mit Herz und Hand an der Seite Israels und des jüdischen Volkes. Wir tun das auf eine leidenschaftliche und deutlich wahrnehmbare Art und Weise: Wir predigen, beten, referieren, schreiben und sprechen über Israel. Wir spenden für soziale Projekte, organisieren Reisen ins Heilige Land sowie Events in kirchlichen Räumen und außerhalb. Diese Haltung ist weder extrem noch gefährlich, sondern schlicht gelebtes Christentum im Rahmen des Grundgesetzes. All das sollte niemanden aufregen – würde man meinen.

Empörungsjournalismus als Gesinnungspolizei

Für Hanno Fleckenstein von der taz und Julia Hauser von der FAZ ist es dennoch skandalträchtig. Beide waren beim Israeltag nicht vor Ort, ließen sich davon aber nicht abhalten, basierend auf reiner Online-Recherche scharf zu urteilen. Fleckenstein titelt provokant: „From the river to the sea (Anm. d. Red. „Vom Fluss bis zum Meer“) – mit dem Segen der Polizei“. Er empört sich darüber, dass die Polizeipräsidentin als Ehrengast auftrat – schließlich vertrete CSI seiner Lesart nach die Position, dass Gott das Land „vom Fluss bis zum Meer“ dem jüdischen Volk zugesprochen habe, und unterstützte in der Vergangenheit Projekte in Judäa und Samaria.

Für Fleckenstein ein Sakrileg. Er wirft CSI sogar vor, „das Existenzrecht von Palästinenser*innen infrage zu stellen“ – eine haltlose These. Damit bedient er zwei Lieblingsfeindbilder der taz: Polizei und bibelgläubige Christen. Da der Zweck offenbar die Mittel heiligt, werden Christen kurzerhand mit Antisemiten und ihrem modernen Schlachtruf „From the river to the sea“ verglichen.

Was Fleckenstein Kopfschmerzen bereitet, scheinen nicht die aggressiv brüllenden und zuweilen auch prügelnden Mobs aus radikalen Linken und Muslimen zu sein, die für sprunghaft angestiegene Kennzahlen antisemitischer Straftaten hierzulande (über 6000 im Jahr 2024, weitere Höchststände 2025) verantwortlich sind. Über deren Spur der Verwüstung von Unigebäuden und Innenstädten bis zur Gewalt gegen Polizisten verliert er kein kritisches Wort. Friedfertige, gesetzestreue Christen hingegen, die in ihren eigenen Räumlichkeiten beten, singen und biblischen Impulsen lauschen, machen ihn schreibwütig.

Julia Hauser argumentiert in ihrem FAZ-Gastbeitrag „Auch Christen wünschen sich Israel größer“ im gemäßigteren Ton, bleibt aber in der gleichen Spur. Sie spricht von „evangelikalen Bekehrungsphantasien“, die angeblich die Nahostpolitik „nachhaltig beeinflussen“, und davon, dass christliche Zionisten von einem „Greater Israel“ (Großisrael) träumen. Sie nennt CSI in einem Atemzug mit den US-amerikanischen Ministern Marco Rubio und Pete Hegseth. Letzteren verknüpft sie aufgrund eines Tattoos mit Kreuzrittern und Maltesern.

Besonders absurd ist die Kritik an der Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel. Sie erschien bei einer Veranstaltung, auf der für die Berliner Polizei gebetet wurde – in einer Zeit, in der Polizisten bei pro-palästinensischen Demonstrationen regelmäßig angegriffen werden. Wie sagte schon Martin Luther? „Die Welt schändet immer, was man loben soll, und lobt, was man schänden soll.“

Mediale Skandalisierung der Glaubensfreiheit

Beide Texte skandalisieren, dass Christen ihrer Bibel glauben, daraus politisch-moralische Konsequenzen ziehen und es gar wagen, für ihre Überzeugung einzustehen. Diese Skandalisierung ist nicht nur einseitig, sie ist mit dem Geist unseres Grundgesetzes nicht vereinbar. Es garantiert in Artikel 4 die unantastbare Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Religionsausübung.

Wer bibelgläubige Christen als Bedrohung darstellt, nur weil sie ihre heiligen Schriften ernst nehmen, stellt damit die grundgesetzlich zugesicherte Freiheit selbst an den Pranger. Das ist kein Journalismus, das ist Gesinnungspolizei. Eine Demokratie, die das Bekenntnis zur Bibel als Skandal brandmarkt, hat ihre eigenen Wurzeln und Werte vergessen.

Christen unter der Lupe, bei Islamisten trübe Linse

Die Doppelmoral wird besonders deutlich beim Vergleich mit islamischen Akteuren. Weder Fleckenstein noch Hauser haben vergleichbare Schärfe gezeigt, wenn muslimische Verbände oder Imame mit Politikern und Polizeipräsidenten zusammentreffen. DITIB, eng mit dem türkischen Staat und dessen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan verbunden, lädt regelmäßig umstrittene Redner ein, selbst solche aus terroristischen Milieus – ohne vergleichbare Empörung von Fleckenstein und Hauser.

Eine Suche in den Archiven beider Autoren zeigt: Es gibt keine vergleichbar anklagenden Texte zu Treffen von DITIB, Zentralrat der Muslime oder Islamrat mit hochrangigen Politikern. Trotz dokumentierter Probleme mit Antisemitismus, Scharia-Nähe und ausländischer Einflussnahme bleibt die journalistische Lupe getrübt. Das ist selektive Empörung mit dem Ziel, unliebsame Meinungen zu marginalisieren.

Das Grundgesetz schützt nicht nur Mehrheitsmeinungen, sondern auch solche, die davon abweichen. Empörungsjournalismus, der selektiv skandalisiert, untergräbt Vertrauen in die Medien und polarisiert die Gesellschaft weiter. CSI wird sich davon nicht beirren lassen. Als „stramm christlicher Verein“ (Fleckenstein) steht die Organisation weiterhin mit Gebet, Tat und klarer Stimme an der Seite Israels – ob das taz und FAZ gefällt oder nicht. Wer die Glaubensfreiheit nur für die eigene Agenda gelten lässt, hat sie bereits abgeschafft.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 145. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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