Vom Israel-Touristen zum Mitgestalter – Simons Weg in seine Berufung

Vom Israel-Touristen zum Mitgestalter – Simons Weg in seine Berufung

Gruppenbild vor Meer
Vor Jahren hat Simon Schauer (vorne rechts) auf einer Israel-Reise ein Stück Herz an das Land verloren – heute leitet er selbst Reisen für junge Christen in das Land der Bibel. Foto: JCSI

Es begann mit geistlichem Hunger nach mehr, wurde zur persönlichen Leidenschaft und führte Simon Schauer schließlich über ehrenamtliches Engagement zu einer Teilzeitstelle im Bereich „Junge Generation“ bei Christen an der Seite Israels (CSI). Im Interview erzählt er, warum Israel für ihn mehr ist als ein Reiseziel, wie Verantwortung und Krisen ihn geprägt haben – und weshalb diese Arbeit für ihn nicht nur Beruf, sondern Berufung ist. Die Fragen stellte Dina Ehrhardt.

Von Dina Ehrhardt

Dina: Wenn du dich in zwei bis drei Sätzen beschreiben müsstest: Wer bist du – und was treibt dich an?

Simon: Ich bin ein aufgeschlossener, fröhlicher Mensch und bringe andere gerne zum Lachen. Was mir im Lauf meines Lebens wichtig geworden ist: Dass mehr Christen Jesus als ihren jüdischen Messias kennenlernen und erleben. Das habe ich mir irgendwann als Leitsatz ausgearbeitet. Die Frage ist für mich immer: Dient das, was ich gerade tue, diesem Ziel? Aktuell erlebe ich das sehr stark – besonders in meiner Arbeit bei JCSI (Junge Christen an der Seite Israels).

Wie ist deine Leidenschaft für Israel entstanden?

Das begann etwa 2011/12 in meiner Gemeinde, genauer gesagt in meinem Hauskreis. Dort gab es jemanden, der regelmäßig Lehrnachmittage angeboten hat, um Glaubensfragen zu vertiefen. Die Themen dieser Nachmittage waren sehr vielfältig: Heiliger Geist, Endzeit, Offenbarung, Taufe … Was aber immer vorkam, war der Bezug zu Israel und zum Judentum. Das kannte ich so aus meiner Gemeinde nicht. Für 2012 organisierte dieser Leiter eine Israelreise; ich war gerade 18 geworden. Also bin ich mitgefahren und habe in Israel ein Stück meines Herzens verloren – und im Gegenzug eine große Leidenschaft mitgenommen. Ab da hat mich das Thema immer beschäftigt.

Inzwischen war ich schon elf Mal dort. 2017 für drei Monate als Volontär. Durch das Hören von Israel kam der Hunger nach mehr und durch die Reise wurde dieses Bedürfnis richtig befeuert. Als ich einmal mit Freunden in Israel war, die dem Staat kritisch gegenüberstanden, ist meine romantische Israel-Blase erstmal geplatzt. Daraufhin habe ich mich intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt. Mir wurde klar: In Israel lässt sich nichts voneinander trennen. Was für mich zuvor separate Felder waren – Bibel hier, Politik dort –, begann sich zu überlappen und zu einem Gesamtbild zu werden. Seitdem begleiten mich Medien wie Israelnetz oder Israel Heute täglich.

Wie bist du auf CSI gestoßen?

Ich war zwischen 2016 und 2019 mehrfach privat in Israel. Nach dem fünften Mal habe ich gemerkt: Ich kenne die klassischen Orte, aber ich will mehr sehen und andere Perspektiven kennenlernen. Und so kam ich auf den Gedanken, mal wieder an einer Gruppenreise teilzunehmen.

2022 hat dann eine Reise von JCSI (damals noch unter dem Namen Israel Connect) zeitlich perfekt gepasst. Trotz der vergleichsweisen hohen Kosten war das für mich eine tolle Möglichkeit. Gleichzeitig hatte ich die Hoffnung, dass etwas passieren würde und sich daraus vielleicht mehr ergeben könnte. Ich habe lange darauf gewartet, mich irgendwo für Israel engagieren zu können, aber zwischen 2017 und 2022 wollte nirgendwo so richtig eine Tür aufgehen.

Nach der Reise haben wir dich angesprochen, ob du in unser Team kommen möchtest. Gab es eine Hemmschwelle? Oder warst du sofort begeistert?

Tatsächlich habe ich euch zuerst angesprochen. Und zwar schon am zweiten Tag der Reise. Ich habe direkt gesagt, dass ich mir vorstellen kann, als Reiseleiter oder Mitarbeiter bei JCSI mitzumachen.

Nimm uns mit auf deinen ersten Einsatz bei uns: Wie hast du dich gefühlt?

Mein erster Einsatz war die Junireise im Jahr 2023, bei der ich als Mitarbeiter dabei war. Es war total schön, mein Wissen anzuwenden, die Teilnehmer in meine eigene Begeisterung für Israel mit hineinzunehmen und Teil des Reiseleitungsteams zu sein. Es war auch ermutigend zu merken, dass mein Wissen für die gestellten Fragen reicht und es gar nicht unbedingt die offizielle Bezeichnung „Guide“ braucht, um für andere junge Christen ein tolles und einzigartiges Erlebnis zu schaffen.

Es war aufregend, aber auch sehr stimmig. Israel wurde immer mehr Teil meines Alltags und war nicht mehr nur ein touristisches Reiseziel. Mein Netzwerk wuchs – auch durch eine „Multiplikatoren-Reise“ von einigen JCSI-lern gemeinsam mit dir. Für mich ging ein persönlicher Traum in Erfüllung: echte Kontakte in Israel zu haben und nicht nur über das Land zu sprechen oder die aktuelle Situation allein aus den Medien zu kennen.

Hast du dich durch das Ehrenamt verändert? Was hast du fachlich und menschlich dazugelernt?

Vieles ist organisch gewachsen. Es gab weniger große „Meilensteine“, sondern eine kontinuierliche Entwicklung. Fachlich habe ich durch die Mitarbeit auf Reisen, die Teilnahme an der CSI-Israel-Akademie und die ersten Sprechertermine natürlich sehr viel dazugelernt. Ich würde sagen, dass sich mein Bibelwissen und mein historisches Verständnis stark vertieft haben. Prägend war auch, Menschen persönlich zu begegnen, die ich zuvor nur aus Medien kannte: etwa Josias Terschüren oder Journalisten vor Ort.

Generell ist das besondere Gefühl präsent, nach vielen Jahren des Inputs endlich Output geben zu dürfen. Seit 2017 hatte ich mich fast täglich über Israel informiert – jetzt darf ich dieses Wissen weitergeben. Für die Israelarbeit ist es auch sehr wichtig, Emotionen von Fakten zu trennen, was ich ebenfalls immer besser lerne. Gleichzeitig hat sich durch mein Engagement mein Gottesbild verändert, weil ich den Gott, an den wir glauben, bewusst als Gott Israels kennenlernen durfte.

Männer im Gespräch an Stehtisch auf Konferenz
Sprecherdienste und die Betreuung von Informationsständen auf Veranstaltungen gehören zu den Aufgaben von Simon Schauer (r.) bei CSI. Foto: Klaus Werner | CSI

Was war der bisher herausforderndste Moment in deiner Laufbahn bei uns?

Der herausforderndste Tag war der 13. Juni 2025. Darüber habe ich im Artikel „Bibelbunker bittersüß“ auch schon geschrieben. Das war während des überraschenden Zwölf-Tage-Krieges gegen den Iran, als wir gerade mit einer Reisegruppe in Jerusalem waren. Ich trug zusammen mit meinem Co-Leiter Stephan Mannl die Gesamtverantwortung für die Gruppe. Das war extrem und vermutlich der herausforderndste Moment meines Lebens – menschlich, organisatorisch und geistlich.

Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass Gott mich über Jahre auf diesen Moment vorbereitet hatte – als Leiter, als Mensch, als Persönlichkeit. Erst kürzlich bekam ich dazu ein schönes Feedback: Eine Teilnehmerin dieser Reise sagte mir, sie habe ruhig bleiben können, weil ich so viel Ruhe ausgestrahlt habe. Innerlich war ich damals alles andere als ruhig. Gleichzeitig waren wir dankbar für unsere Kontakte in Israel, die uns in dieser Situation Sicherheit gegeben haben. Auch als Reiseleitungsteam hatten wir einen starken Zusammenhalt.

Was war für dich die größte Umstellung beim Wechsel vom Ehrenamt zur Festanstellung?

Die größte Umstellung war, dass ich meinen normalen Job nicht mehr hatte. CSI war vorher eines von mehreren Ehrenämtern, neben Feuerwehr und meinem Engagement in der Kirche. Durch den Minijob wurde das Ehrenamt teilweise zum Beruf. Interessanterweise hatte ich dadurch sogar wieder etwas mehr Freizeit. Und die nutze ich aktuell für ein weiterführendes Studium.

Gleichzeitig wurde mir neu bewusst, dass das nicht nur ein Job, sondern Berufung ist. Als Ehrenamtler dachte ich oft, ich lebe meine Berufung schon voll aus. Dass ich das jetzt beruflich tun darf, ist ein riesiges Privileg. Natürlich bringt das auch Verantwortung, Professionalität und die Notwendigkeit von Seelenhygiene mit sich. Leidenschaft kann auch „Leiden schaffen“ – deshalb ist es wichtig, bewusst Pausen zu machen. Und mir persönlich hilft es, dass ich neben meiner Teilzeitanstellung bei CSI noch ein Studium verfolgen und eine Selbstständigkeit ausüben darf, um mich nicht in meiner Leidenschaft zu „verlieren“.

Wie geht es dir denn nach einem Jahr mit 50 Prozent bei uns im Bereich Junge Generation?

Mir geht es sehr gut. Die Arbeit ist einfach schön. Natürlich wird man professioneller mit der Zeit. Die anfänglichen Glückshormone haben sich etwas abgebaut und der Alltag ist eingezogen. Die Phase des Vorstandswechsels, in der wir uns gerade mit CSI befinden, ist sehr spannend. Anfangs dachte ich: „Schon wieder Veränderung!” Auf den ersten Blick schien das unangenehm, da mein Weg bei CSI eigentlich durchgehend von Veränderung geprägt ist: Vom ehrenamtlichen Teammitglied bei Israel Connect ins Leitungsteam von JCSI, hin zum Minijob im Bereich Social Media und dann zur Teilzeitanstellung wieder bei JCSI …

Ich bin glücklich, CSI unter Luca Hezels Führung kennengelernt haben zu dürfen und meine Rolle gefunden zu haben. Teil des Kernteams der CSI-Mitarbeiterschaft zu sein, macht den Leitungswechsel etwas entspannter für mich.

Warum sollten sich junge Christen bei JCSI engagieren?

Wer eine Liebe zu Israel hat und tiefer einsteigen möchte, ist bei JCSI genau richtig. Man wächst biblisch, geschichtlich und persönlich und entwickelt eine gesunde Israeltheologie. Außerdem erlebt man starke Gemeinschaft mit anderen jungen Israelfreunden. Das Engagement ist sehr vielseitig und aufregend: Reisen nach Israel, Projekte und Konferenzen in Deutschland, Begegnungen mit Israelis, deutschlandweite Vernetzung. Es ist definitiv kein normales Ehrenamt – auch weil man viel durch Online-Meetings Verbindung hält und sich nur projektweise sieht. Dafür kann jeder mitmachen, egal wo er oder sie in Deutschland lebt.

Was würdest du deinem früheren Ich sagen?

Ich würde sagen: Geh auf jeden Fall nach Israel. Und zwar nicht nur kurz. Auch ein längeres Volontariat wäre gut gewesen. Ich war früher sehr technisch geprägt und dachte, ich müsse Karriere machen und schnell studieren. Heute denke ich: Lieber vor dem Alter von 27 ein Volontariat machen.

Außerdem würde ich meinem früheren Ich raten, mich früher bei JCSI oder woanders zu engagieren und nicht nur allein nach Israel zu reisen. Gruppenreisen sind großartig, weil man andere Perspektiven bekommt und Dinge sachlich gut eingeordnet werden.

Was ist deine schönste Erinnerung bis jetzt?

Eine Szene werde ich nie vergessen, als wir während der oben erwähnten Reise im Bunker saßen und gemeinsam „Our God is an awesome God“ gesungen haben. Diese Inbrunst, mit der die Teilnehmer das gesungen haben, war unglaublich. Trotz Raketen aus dem Iran … Auch die Ausreise über Ägypten war sehr prägend. Viele Teilnehmer haben mir danach gesagt, wie dankbar sie für diese Reise waren – trotz oder gerade wegen der Umstände.

Ich merke einfach immer wieder: Ja, wir bauen als Team von JCSI das Gerüst unserer Arbeit. Wir planen die Projekte und die Reisen. Aber was vor Ort dann passiert, macht der Heilige Geist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 144. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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