Mitarbeiter von Christen an der Seite Israels (CSI) besuchen in der Ukraine regelmäßig Juden, die den Holocaust überlebt haben, sowie deren Angehörige. CSI ist es ein Herzensanliegen, diese Menschen zu erreichen und ihr Leben durch kleine Gesten etwas leichter zu machen. Von einer besonderen Begegnung berichtet an dieser Stelle CSI-Mitarbeiterin Anemone Rüger.

CSI-Mitarbeiterin Anemone Rüger (l.) zu Besuch bei Michail und Alexandra in der Ukraine. Foto: CSI

März 2021. Wir treten in den vermüllten Hausflur eines Wohnblocks aus den 1970ern im ukrainischen Cherson, einer Hafenstadt am Schwarzen Meer, und suchen den Fahrstuhl. Kaputt. Der Aufstieg durch die Stockwerke ist abenteuerlich. Eine gute Adresse ist das hier nicht. Ein paar Junkies kommen uns entgegen; wir biegen vorsichtshalber kurz ab. Unsere mitgebrachte Lebensmitteltüte wird schwer. Am Ende eines langen dunklen Ganges öffnet sich eine Tür – Alexandra strahlt, als sie uns sieht. Die Wohnung scheint nicht viel größer als zehn Quadratmeter zu sein; das Wohnzimmer dient gleichzeitig als Schlafzimmer.

Der Eingang zum Haus, in dem sich die kleine Wohnung von Alexandra und Michail befindet. Foto: CSI

Michail und Alexandra gehören zur zweiten Generation der Holocaust-Überlebenden, sie sind kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Für sie gibt es keine Hilfs-Programme, und doch ist die Last, die sie tragen, oft kaum leichter als die der Überlebenden selbst. Als Alexandra, deren Familie in den Wirren der Oktoberrevolution 1917 nach Sibirien geflohen war, hier in der Heimatstadt ihrer Eltern Arbeit in einer Nähfabrik findet, muss sie sich anhören „noch so eine Schidowka“ – abfällig für Jüdin. Michail hat sein Leben lang in einer Mähdrescherfabrik gearbeitet. Dabei hat er sich umgerechnet 70 Euro Rente pro Monat verdient. Beide haben Krebsoperationen hinter sich – die medizinische Versorgung muss aus der Tasche bezahlt werden; Medikamente werden importiert und haben westliche Preise, so wie auch Lebensmittel und Energiekosten. Seit ihrer schweren Corona-Erkrankung sind beide nicht mehr so richtig auf die Füße gekommen. Michail hat solche Rückenschmerzen, dass er nicht mehr auf dem Schlafsofa liegen kann. Alexandra hat ihm mit einer alten Obstkiste eine Art Fußstütze für den 40 Jahre alten Sessel gebaut.

Alexandra ist dankbar für eine Tüte mit Lebensmitteln. Foto: CSI

Michail ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Foto: CSI

September 2021. Die jüdische Gemeinde in Cherson informiert uns, dass unsere Sonderspende für Alexandra und Michail in ein neues Bett und einen Schlafsessel umgesetzt wurde – beides passt genau in die Sofaecke des winzigen Wohnzimmers. Unsere beiden jüdischen Senioren, so berichtet uns der Gemeindeleiter, haben Tränen in den Augen und sagen: „Wenn es auf der Welt einen Gott gibt, dann hat Er uns besucht und unser Leben leichter gemacht!“

Dank Spenden an CSI konnten für Michail und Alexandra ein neues Bett und ein Schlafsessel gekauft werden. Foto: CSI

Danke, dass Sie, liebe CSI-Freunde, es möglich machen!

Von: Anemone Rüger

Weitere Informationen über unsere Arbeit in der Ukraine, zum Beispiel über unser Patenschaftsprogramm für Holocaust-Überlebende, finden Sie hier. Kontaktieren Sie uns gerne, falls Sie Fragen zu unserer Arbeit haben, unter: info@csi-aktuell.de.