Nach mehr als einem Jahr Corona-Zwangspause ist am 6. Juni erstmals wieder eine Reisegruppe aus Deutschland in Israel gelandet. „Am Flughafen in Tel Aviv teilten uns die Behörden mit, dass wir sogar die erste Reisegruppe aus Europa sind“, erzählt Werner Hartstock vom Reiseportal israelreise.de gegenüber „Christen an der Seite Israels“. Dass der Besuch im Heiligen Land möglich war, grenzt für den Sachsen an ein kleines Wunder: „Ich bin nicht gerade ein großes und wichtiges Unternehmen – und trotzdem haben wir es geschafft.“

Werner Hartstock (Mitte, mit Schild) und seine kleine Gruppe bei der Ankunft auf dem Flughafen in Tel Aviv. Erst drei Tage vor Abflug haben die Urlauber die Einreisegenehmigung für Israel erhalten. Foto: privat

 

Die neunköpfige Reisegruppe war Teil eines Pilotprojekts zur Wiederaufnahme des Tourismus in Israel. 20 Gruppen aus bestimmten Ländern durften sich für die Einreise zwischen Mitte Mai und Mitte Juni bewerben.

Nach mehr als einem Jahr des Wartens und Hoffens auf die Wiederaufnahme des Reisebetriebs war für Werner Hartstock klar: bei diesem Projekt wollte er dabei sein. Das Programm für eine neue Reise lag schon seit Monaten in der Schublade.

Testen, testen und nochmals testen

Nun galt es, Reiseteilnehmer zu finden und einen Berg an Bürokratie zu bewältigen. Die von Israel ausgegebenen Voraussetzungen für die Reise waren streng: Die Teilnehmer mussten vollständig gegen Covid19 geimpft sein. Vor Einreise musste ein aktueller negativer PCR-Test vorgelegt werden. Direkt nach Ankunft auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv standen weitere Tests auf dem Programm. Zudem mussten sich die Teilnehmer verpflichten, als Gruppe zusammenzubleiben. Bei Nichteinhaltung der Regeln, drohte ein einjähriges Einreiseverbot nach Israel.

„Ich habe 4.000 E-Mails an meine Stammkundschaft verschickt und die Reise angeboten. Nur eine Person hat sich daraufhin angemeldet. Der Rest waren alles Leute, die über die Sozialen Medien von der Reise erfahren haben und die ich – bis auf einen Teilnehmer – noch nie getroffen hatte“, erzählt Werner Hartstock.

Von den Teilnehmern waren Geduld und Flexibilität gefordert. Planungssicherheit habe es nicht gegeben. „Erst drei Tage vor Abflug haben wir die offizielle Einreisegenehmigung erhalten. Insgesamt war es ein bisschen so, wie beim Spiel ,Reise nach Jerusalem‘ – am Ende sind nicht alle angekommen. Aber wir haben zum Glück nicht jeden Tag Interessenten verloren.“ Letztlich kam eine neunköpfige Reisegruppe zustande, mit Teilnehmern unter anderem aus Sachsen-Anhalt, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Rheinland Pfalz.

Doch die früheren Reisen seien mit dieser nicht vergleichbar, erzählt Hartstock. Bevor die Reisenden den Flughafen verlassen durften, mussten sie sich einem weiteren PCR-Test unterziehen. Danach ging es für einen serologischen Test zum Nachweis von Antikörpern gegen COVID19 im Blut ins Krankenhaus. Anschließend stand Quarantäne in einem Tel Aviver Hotel auf dem Programm. Nun hieß es Warten.

Die Bereitschaft zu einem serologischen Test nach der Ankunft in Israel war Bedingung für die Einreise. Foto: privat

„Bürokratie vermischt mit orientalischem Lebensgefühl“

Die Testergebnisse lagen am nächsten Morgen vor und wurden direkt dem Gesundheitsministerium übermittelt. Vorgesehen war, dass dieses anschließend offiziell die Quarantäne aufhob. „Das hat aber nicht stattgefunden. Unser israelischer Reiseleiter hat dann telefoniert und nachgefragt. Wir wurden schließlich gebeten, auf der Seite vom Gesundheitsministerium ein hebräischsprachiges Formular auszufüllen und dort unsere pdf-Dateien mit den Testergebnissen anzufügen. Das war nicht wirklich touristenfreundlich“, erzählt Hartstock.

Zudem hätten sich die Formulare nicht ausfüllen lassen, die deutschen Telefonnummern seien dafür zu lang gewesen. „Das war Bürokratie vermischt mit orientalischem Lebensgefühl. Am Ende hat unsere Reiseagentur die ganzen Daten als Excel-Tabelle ans Gesundheitsministerium geschickt und ist dort einmal recht laut geworden. Schließlich erhielten wir telefonisch die Information, dass wir die Quarantäne verlassen dürfen. Eine entsprechende Bestätigungs-E-Mail sollte folgen.“ Doch die habe er bis heute nicht bekommen, erzählt Hartstock und lacht kopfschüttelnd.

„Hauptsache wir sind in Israel!“

Für seine Reiseteilnehmer hat er nur Lob übrig. „Die Leute haben das alles ertragen. Wenn ich solche Vorkommnisse auf einer normalen Reise gehabt hätte, hätte es großes Murren gegeben. Aber in unserer kleinen Gruppe waren alle einfach nur dankbar dafür, endlich wieder im Land sein zu dürfen.“ Und so habe die Gruppe dann auch, wann immer etwas schief ging, auf diesen Leitsatz zurückgegriffen: „Hauptsache wir sind in Israel!“

Doch nicht nur die besonderen Einreisebedingungen haben diese Reise für alle zu einem wohl unvergesslichen Erlebnis gemacht, sondern vor allem die Begegnungen mit den Menschen im Land. „Früher wurden wir Touristen in Israel auf allen möglichen Sprachen angesprochen, außer auf Hebräisch. Dieses Mal wurde man nur auf Hebräisch angesprochen, weil niemand damit gerechnet hat, dass Ausländer im Land sind“, erzählt Werner Hartstock. Eine Begegnung habe ihn besonders gerührt. So habe er in einem Jerusalemer Geschäft eine Kette gekauft. Als die Verkäuferin erfuhr, dass er aus Deutschland komme, seien ihr die Tränen gekommen:. „Du bist mein erster Kunde seit anderthalb Jahren, der nicht in Israel wohnt!“

„Mit Euch ist die Hoffnung zurück!“

Während das Leben in Israel auf den Straßen wieder in vollem Gange war und die Restaurants, Cafés und Geschäfte schon wieder weitestgehend ohne Einschränkungen besucht werden konnten, hatten viele Hotels noch geschlossen oder stellten sich gerade wieder auf eine Öffnung ein. Wie das Hotel Eschel HaSchomron in Ariel in Samaria. Es war seit anderthalb Jahren geschlossen und öffnete nun extra für die Gruppe aus Deutschland. Die Besitzer waren glücklich über den Neustart und begrüßten die Touristen mit den Worten: „Mit Euch ist die Hoffnung zurück!“

„Wir haben so viele Menschen einfach nur durch unser Erscheinen glücklich gemacht“, erzählt Werner Hartstock freudig. Der Staat Israel oder Juden weltweit erführen so viel Hass. Er erlebe immer wieder, dass sich viele Israelis freuten, über jeden der sage „wir mögen euch und wir kommen gerne“. Das wärme Israelis das Herz.

In der Grabeskirche die Vögel zwitschern hören

Auch wenn die fehlenden Touristen für Israel massive wirtschaftliche Einbußen bedeuten, ein bisschen genossen haben Werner Hartstock und die Gruppenteilnehmer es doch, dass an den berühmtesten Sehenswürdigkeiten kaum Menschen unterwegs waren. So war für Hartstock persönlich der Besuch der Grabeskirche einer der Höhepunkte der Reise. „Ich saß vor dem Grabhäuschen in der Kirche und das Grab und die Kirche waren leer. Das war für mich der Hammer. Ich bin kein Reliquienverehrer. Aber die Grabeskirche ist schon ein besonderer Ort, und den mal in vollkommener Stille zu erleben – man konnte die Vögel von draußen zwitschern hören – das war phänomenal.“

Mittlerweile ist das Einreise-Pilotprojekt beendet und wird nun ausgewertet. Ab wann wieder Gruppenreisen nach Israel möglich sein werden, ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nicht bekannt. Geplant ist, dass ab dem 1. Juli wieder Individualreisen nach Israel möglich sein sollen.

Von: Dana Nowak