Vor mehr als 80 Jahren wurden in Deutschland die heiligen Bücher der Juden vernichtet. Heute möchte „Christen an der Seite Israels“ ein Zeichen setzen und dabei helfen, dass in unserem Land die heiligen Bücher der Juden wieder hergestellt werden. Unsere Mitarbeiterin Delly Hezel hat zudem mit einem deutschen Zeitzeugen der Reichspogromnacht gesprochen.

Vermutlich wäre am 9. November 1938 auch diese hebräische Bibel der Reichspogromnacht oder der Verbrennung jüdischer Bücher zum Opfer gefallen. Fast täglich liest Georg Löb mir einen Abschnitt daraus vor. Bei einem meiner Besuche erzählte mir der heute 93-Jährige was er als 10-jähriger Junge in Gießen am Tag nach dieser schrecklichen Nacht erlebte, als in Deutschland 1.400 Synagogen in Brand gesetzt wurden. Am 10. November 1938 fand an den Schulen in Gießen kein Unterricht statt. Die Stadt war in Aufruhr und so kam es, dass Löb in der Fußgängerzone war und sah, wie SS-Leute jüdische Geschäfte zerstörten. Sie schlugen Scheiben ein, plünderten und versetzten die Menschen in Angst und Schrecken. Löb sah, wie sie die Metzgerei Rosenbaum aufbrachen. Die alte Frau Rosenbaum flehte die SS-Leute an, aufzuhören. Doch diese beschimpften sie und schleuderten eine Wurst nach ihr.

Auch im Stoffgeschäft Zwang brachen die SS-Männer mit bestialischer Gewalt ein und warfen die Stoffballen auf die Straße. Familie Zwang kaufte bei Löbs Vater Kohle. Es waren sehr freundliche Menschen. Und dann gab es da noch seinen Freund David Feldan. Mit ihm spielte Löb oft im Park. Eines Tages war Feldan nicht mehr da. Löb hatte auch mitbekommen, wie die jüdische Bevölkerung im Umkreis von rund 65 Kilometern auf offenen Lastwagen nach Gießen transportiert wurde. Sie alle wurden in den Keller des Kreisamtes, des heutigen Landratsamtes, gepfercht. Noch immer höre er das Gemurmel, das damals aus den offenen Fenstern drang, erzählt mir Löb. Heute weiß er, dass es das „Schma Israel“ war, das die Juden dort beteten – ihr höchstes und heiligstes Gebet. Ab diesem Tag mussten sie den gelben Stern tragen.

„Geboren für eine Zeit wie diese!“

Unsere tragische deutsche Geschichte ist mir nach solchen Gesprächen einmal mehr sehr nah und präsent. Und wie sehr empfinde ich es als ein Vorrecht, was gerade jetzt passiert: Gerade jetzt kam „Christen an der Seite Israels“ in Kontakt mit Shlomo Raskin, dem Rabbiner eines jüdischen Altenheims in Frankfurt. Gerade jetzt lässt er eine neue Tora-Rolle schreiben. Gerade jetzt haben wir die Möglichkeit, uns als Christen an der Seite Israels daran zu beteiligen. Gerade jetzt dürfen wir mit unserer Unterstützung ein Zeichen setzen, dass wir jüdisches Leben in Deutschland schätzen. Und vielleicht gilt der Vers aus Esther 4,14 ein bisschen auch uns: „Geboren für eine Zeit wie diese!“ | Von: Delly Hezel

Der auf hebräisch verfasste Text der Tora wird von einem ausgebildeten Schreiber, dem „Sofer“, von Hand geschrieben. Hierfür werden Gänsekiele und Tinte verwendet. Das Schreiben einer Tora-Rolle dauert etwa ein Jahr. Foto: Spaceboyjosh/Wikipedia

5.000 Euro für Abschnitte einer neuen Tora-Rolle

An der Herstellung einer Tora-Rolle für das jüdische Altenheim in Frankfurt wird sich „Christen an der Seite Israels“ mit einer Spende von 5.000 Euro beteiligen. Der CSI-Vorsitzende Luca Hezel sagte dazu: „Unsere Botschaft ist diese: Vor mehr als 80 Jahren wurden jüdische Bücher in unserem Land zerstört. Heute wollen wir als ‚Christen an der Seite Israels‘ einen Teil dazu beitragen, dass in Deutschland jüdische, heilige Bücher wieder hergestellt werden.“ Ob eine Spende von Christen überhaupt zur Herstellung einer Tora-Rolle angenommen werden darf, musste Rabbi Raskin erst mit seinem Oberrabbiner klären. Nach Prüfung hat dieser die Spendenaktion für koscher erklärt. Die Herstellung einer ganzen Tora-Rolle kostet übrigens zwischen 30.000 und 50.000 Euro. | (Redaktion)