Begleitete die Kanzlerin auf Israel-Reisen: Ex-Regierungssprecher Seibert soll Deutschland nun als Botschafter in Israel vertreten. (Archivbild) Foto: Gregor Fischer | re:publica 2012, flickr | CC BY 2.0 Generic

Der ehemalige Regierungssprecher Steffen Seibert wird laut Medienberichten deutscher Botschafter in Israel. Er wäre ein diplomatischer Quereinsteiger – aber nicht der erste dieser Art auf dem Posten in Tel Aviv.

Manch einer rieb sich verwundert die Augen: Steffen Seibert soll deutscher Botschafter in Israel werden? Das hatte am vergangenen Mittwoch zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb später, die Berufung könne „als sicher gelten“, auch wenn sich die Regierung bislang in Schweigen hüllt. Seibert hat Journalismus gelernt und sprach seit 2010 für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein Diplomat aber ist er nicht. Laut SZ soll sich die Kanzlerin bei ihrem Nachfolger persönlich für Seiberts weitere Verwendung eingesetzt haben.

Doch so überraschend die Personalie für den ein oder anderen kam und auch wenn Berufsdiplomaten es nicht gerne sehen: Ganz neu ist es nicht, dass ehemalige Regierungsvertreter ihre Karriere als Quereinsteiger im diplomatischen Dienst fortführen. Das gilt ganz allgemein, aber auch im Speziellen für den Botschafterposten in Israel, der heute zu den hoch besoldeten zählt (Stufe B9).

Versorgungsposten für Sozialdemokraten

Den ersten Quereinsteiger im Tel Aviver Botschafteramt gab es im Jahr 1971: Damals machte Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) seinen Parteifreund Jesco von Puttkamer zum obersten deutschen Vertreter in Israel. Wie Seibert war Puttkamer ursprünglich Journalist: Während ersterer fürs ZDF gearbeitet hat, stand Puttkamer als Chefredakteur in Diensten des sozialdemokratischen Parteiblatts „Vorwärts“. Er blieb bis 1974 im Amt.

1977 rückte ebenfalls ein Quereinsteiger aus der Sozialdemokratie auf den Tel Aviver Posten vor, dieses Mal allerdings ein waschechter Politiker: Klaus Schütz war seit 1967 Regierender Bürgermeister von Berlin gewesen. Wegen Problemen im Kabinett war 1977 Schluss für ihn, im April trat er zurück. Noch im selben Jahr durfte Schütz dann den Botschafterjob in Tel Aviv antreten, wo er bis 1981 verblieb.

Auch im Jahr 2000 war es ein Sozialdemokrat, der den Quereinstieg auf dem diplomatischen Parkett in Israel wagte: SPD-Sozialpolitiker Rudolf Dreßler war bei der Vergabe von Ministerposten im rot-grünen Kabinett Schröder, das nach der Bundestagswahl von 1998 ins Amt kam, leer ausgegangen. Dafür wurde er nach Israel abgeschoben, nachdem er zuvor offenbar noch beteuert hatte, er lasse sich „weder ent- noch versorgen“.

Obwohl Dreßler bereits zuvor als Leiter der Arbeitsgruppe Israel die Israel-Politik der Sozialdemokraten mitgestaltet hatte, leistete er sich noch vor Amtsbeginn einen Fehltritt: Gegenüber einer deutschen Zeitung sinnierte er über die uralte Idee, Jerusalem unter internationale Kontrolle zu stellen. Die israelische Seite zeigte sich empört: Jerusalems Bürgermeister Ehud Olmert polterte, Dreßler habe eine „totale Dummheit“ geäußert und sei „nicht zum deutschen Botschafter in Israel geeignet“. Er wurde es dennoch und blieb es bis 2005.

Seibert folgt auf eine erfahrene Karrierediplomatin

Mit Seibert ist dieses Mal ein CDU-Mitglied und -Diener an der Reihe. Israel und die deutsch-israelische Diplomatie hat er als Begleiter bei zahlreichen Besuchen der Kanzlerin kennengelernt. Mit einem Fauxpas à la Dreßler dürfte bei ihm auch deswegen nicht zu rechnen sein, weil er als Regierungssprecher eingeübt hat, seine Worte vorsichtig zu wägen und im Zweifelsfall ganz zu schweigen.

Mit der diplomatischen Erfahrung der noch im Amt befindliche Botschafterin Susanne Wasum-Rainer kann Seibert aber kaum mithalten. Wasum-Rainer machte ein viertel Jahrhundert Karriere im höheren Dienst des Auswärtigen Amtes, bevor sie erstmals Botschafterin wurde. Sie ist seit 2018 im Amt, hatte aber bereits in den 1990er Jahren schon einmal als Kulturattachée an der Tel Aviver Botschaft gearbeitet. So konnte sie bereits ihre erste Videoansprache als Botschafterin in Hebräisch vortragen.

Seibert wird wohl noch ein bisschen üben müssen, wenn er es seiner Vorgängerin gleich tun will. Er soll mindestens Englisch, Französisch und Spanisch sprechen. Von Hebräisch-Kenntnissen ist bislang jedoch nichts bekannt. (Sandro Serafin, Israelnetz)