„Wie soll man in diesem Land keinen hohen Blutdruck bekommen?!“, hört man oft in der Ukraine von Menschen, die ihr ganzes Leben da verbracht haben und die Unwägbarkeiten des alltäglichen Lebens an ihrer eigenen Gesundheit spüren.

Eine von ihnen ist Jeanna in Belaja Zerkow südlich von Kiew, wo es einmal 18 Synagogen und Gebetshäuser gab. Ihre Kindheit war geprägt von den Schrecken der Flucht vor der herannahenden Wehrmacht, von Luftangriffen, Hunger und Krankheit. Doch ihre Familie überlebte.

„Schaut euch dieses Foto an“, sagt Jeanna bei einem unserer Besuche in ihrer alten Sowjetwohnung. „Es wurde am 3. September 1940 aufgenommen. Wir waren noch ganz klein, mein Bruder und ich. Papa war von der Roten Armee eingezogen worden und hat an der Grenze mit Weißrussland gedient. Er hat den ganzen Krieg mitgemacht, von Anfang an. Und Mama hat dieses Foto machen lassen, damit er uns drei immer sehen kann. Papa hat dieses Foto die ganze Zeit in seinen Soldatenstiefeln mit sich herumgetragen.“

Jeanna ist eine von hunderten von jüdischen Überlebenden, die in der politisch zerrissenen und wirtschaftlich eingebrochenen Ukraine als Rentner wieder neu ums Überleben kämpfen. Dabei wird sie jedoch unterstützt durch eine Patenschaft von Christen an der Seite Israels e.V.

Kürzlich rief sie ganz aufgeregt an. Sie hatte soeben über das Programm ein neues Blutdruckmessgerät bekommen.

„Ich bin euch so dankbar“, sagte Jeanna unter Tränen. „Was ihr für uns tut, ist mit Worten nicht zu beschreiben! Das Mitgefühl, das ihr uns zeigt, ist so aufrichtig. Dass es solche Menschen auf der Welt gibt, ist für mich ein Wunder!“

 

Autorin: Anemone Rüger

 

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