Das Rote Meer mit der israelischen Stadt Eilat. Foto: Canva

Von: Rabbi Dajan Raphael Evers

Am siebten Tag des Passahfestes lasen wir von der Rettung des jüdischen Volkes am Roten Meer. Dies war die erste Etappe ihrer wunderbaren Reise nach Israel. Was war dem vorausgegangen? Die Juden hatten Ägypten verlassen. Nach sieben Tagen standen sie am Schilfmeer. Sie konnten nicht weitergehen und gerieten in Panik (2 Mose 14,1-15).

Wissen, wer Gott ist

Gott wollte, dass sie ihr Lager am Meer aufschlagen, denn dann würde der Pharao sagen, sie seien in der Wüste verloren und eingeschlossen. Der Pharao würde sie zurückholen wollen, wodurch Gott mit der gesamten Armee des Pharaos kurzen Prozess machen könnte. Gott versprach Mose, dass er das Herz des Pharaos verstocken und dieser sie dann verfolgen würde: „Dann werde ich auf Kosten des Pharaos und auf Kosten seiner ganzen Armee geehrt werden, damit die Ägypter wissen, dass ich Gott bin.“

Als der Pharao und sein Heer näherkamen, bekamen die Israeliten große Angst, sie schrien zu Gott und sagten zu Mose: „Gab es denn keine Gräber in Ägypten, dass du uns zum Sterben in die Wüste gebracht hast? Wie konntest du uns das antun, als du uns aus Ägypten herausgeführt hast? Haben wir das nicht in Ägypten zu euch gesagt? Lasst uns in Ruhe, lasst uns den Ägyptern dienen? Denn es ist besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.“

Gott wird für dich kämpfen

Aber Mose sagte zum Volk: „Fürchtet euch nicht, bleibt standhaft, seht das Heil Gottes, das er heute für euch wirken wird! Denn die Ägypter, die ihr heute seht, werdet ihr ewig nicht mehr sehen. Gott wird für dich kämpfen, und du musst still sein.“ Da sagte Gott zu Mose: „Sprich zu den Israeliten und sag ihnen, sie sollen aufbrechen.“

Die Überlieferung lehrt uns, dass die Juden zuerst ins Meer gehen mussten und erst dann das Wunder der Teilung des Roten Meeres geschah. Gott ließ einen gewaltigen Wind wehen und das Wasser wurde auseinandergeblasen. Dadurch entstand ein Weg im Meer, den das Volk Israel beschritt. Die Ägypter folgten den Israeliten. Doch der Wind legte sich und das Wasser kam zurück, sodass sie ertranken.

Eine Glaubensprüfung

Die Tora berichtet uns, dass das jüdische Volk in Panik geriet, als die Armee des Pharaos hinter ihm stand. Es betete zu Gott, aber Gott sagte zu Mose, dass dies nicht die Zeit sei, um zu beten, dass jetzt etwas anderes getan werden müsse, um die Rettung herbeizuführen: „Was schreist du zu mir? Sprich zu den Israeliten und sag ihnen, sie sollen aufbrechen!“

Anstatt zu beten, hätte Mose dem jüdischen Volk befehlen sollen, ins Meer zu gehen. Nur dann würde Gott sie retten. Das ist unverständlich! Ist das Gebet nicht immer angebracht? Schauen wir in Zeiten der Not nicht immer zu Gott auf?

Bis jetzt waren die Juden passiv gewesen. Gott hatte alles getan. Nun forderte Er das jüdische Volk auf, zu beweisen, dass es Ihm vollkommen vertraute. Würden sie Seine Befehle vollständig und ohne zu murren ausführen, in das tosende Wasser des Roten Meeres steigen und darauf vertrauen, dass Er ein Wunder vollbringen würde? Es war eine Glaubensprüfung. Bis jetzt hatten sich die Israeliten nicht bedingungslos an das höchste Wesen gebunden. Nun mussten sie aktiv handeln und Gottes Geboten blind folgen. Die Phase der „nicht Worte, sondern Taten“ war in vollem Gange.

Dort, auf der anderen Seite des Meeres, warteten viele weitere Prüfungen auf sie. Aber diesen ersten Test hatten sie mit Bravour bestanden. Das Meer teilte sich erst, als die Juden ihre bedingungslose Treue zu Gottes Wort zeigten. So begann die Reise der Israeliten durch die Geschichte. Sie zeigt uns: Wir müssen oft mehr tun als „nur“ zu beten.

Rabbi Dajan Raphael Evers war Oberrabbiner in Düsseldorf. Im Sommer 2021 wanderten er und seine Frau nach Israel aus. Foto: Jan Feldman

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 129. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen: https://csi-aktuell.de/israelaktuell. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.