Siegfried und Oliver Fietz singen „Von guten Mächten“ in der Gedenkhalle von Yad Vashem. Foto: YouTube/Screenshot CSI

Siegfried Fietz hat sein Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ mit dem Text von Dietrich Bonhoeffer in seiner Karriere wohl einige tausendmal in Kirchenschiffen und Veranstaltungshallen gesungen. Besonders eindrücklich in Erinnerung ist dem Liedermacher und Künstler aber eine minimalistische Darbietung vor kleinem Publikum.

Am 27. April hat Siegfried Fietz sein wohl bekanntestes Lied gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Oliver Fietz in der „Halle der Erinnerung“ der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vorgetragen: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Die Zeilen stammen aus der Feder des Theologen Dietrich Bonhoeffer.

„Das war ein heiliger Moment“, erinnert sich Fietz an die Darbietung in kleinem Kreis. Kein Mikrofon, keine Verstärkeranlage, keine Lautsprecher. Nur eine handvoll Zuhörer einer Delegation der Weltweiten und Europäischen Evangelischen Allianz unter der Leitung von Thomas Schirrmacher, Yad-Vashem-­Offizieller und Vertreter des Internationalen Jüdischen Komitees für interreligiöse Konsultationen (IJCIC).

Siegfried und Oliver Fietz singen leise, aber fest, eine Strophe des Lieds auf Englisch, dann den Chorus auf Hebräisch. Eine weitere Strophe. Noch einmal den Chorus in der Landessprache. Bonhoeffers Verse prallen harsch und hart, mit den Klängen der Gitarre und aufgeladen durch die tonnenschweren Erinnerungen des millionenfachen Mordes an den Juden, von den Betonflächen der Gedenkstätte zurück. So schildern es Teilnehmer gegenüber Israelnetz.

Emotional herausfordernder Auftritt

Der lutherische Theologe Bonhoeffer hatte sich als Pfarrer der Bekennenden Kirche am Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Adolf Hitler beteiligt. Dafür wurde er am 9. April 1945, nur vier Wochen vor Kriegsende, im Konzentrationslager Flossenbürg gehenkt. Das Gedicht „Von guten Mächten“ hatte er in seinem letzten Brief vom 19. Dezember 1944 seiner Verlobten als Weihnachtsgruß geschrieben. Als er die Zeilen aufschrieb, war er Gefangener der Geheimen Staatspolizei in den berüchtigten Kellerverliesen im Gestapo-Hauptsitz der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin.

„Wir haben uns auf Yad Vashem vorbereitet“, erklärt Oliver Fietz im Gespräch mit Israelnetz. „Uns wurde klar, dass wir starr in eine Ecke blicken müssen, nicht auf die Anwesenden, schon gar nicht auf die Namen der Konzentrationslager auf dem Boden. Sonst bekommst du einen Kloß in den Hals und kannst keinen Ton singen.“ Daran taten sie gut, denn selbst der jüdischen Delegation wurden bei dem Chorus auf Hebräisch die Augen feucht.

Pflicht zur Verantwortung

Fietz hat den Refrain von einem Israeli in die Sprache übertragen lassen. Weil er selbst kein Hebräisch spricht, klebte er sich in Jerusalem die Zeilen in lateinischer Schrift auf seine Gitarre. Auch das Tablet, das Oliver bei der Darbietung hält, dient dazu, beim Vortrag der hebräischen Zeilen Sicherheit zu geben. Der Text in der Sprache Bonhoeffers, die aus Respekt vor den Opfern in Yad Vashem verpönt ist, und die Melodie, sind dem Künstler längst in Fleisch und Blut übergegangen.

 

Siegfried Fietz ist an Versöhnung mit Israel viel gelegen. Oft hat er das Land bereist. In seinen Werken geht es immer wieder um das hebräische „Schalom“ – den von Gott verheißenen Frieden. „Wir haben eine heilige Pflicht, Verantwortung zu übernehmen für diesen Teil der Geschichte“, sagt der Liedermacher, und weiter: „Wir können zwar nichts dazu, aber wir müssen heute mithelfen, die Brücken zu bauen, dass Verletzungen heilen können.“ Dazu braucht es „gute Mächte“ auf christlicher wie auf jüdischer Seite. (Norbert Schäfer/Israelnetz)