Gott ist König – Gedanken über die Herrschaft Gottes und sein zukünftiges Reich

Von: Tobias Krämer

Gott ist König! Für das Alte Testament und die Juden ist diese Aussage selbstverständlich. Gott wird nicht König sein, sondern er ist es schon. Daran gibt es keinen Zweifel. Wenn man allerdings in die Welt schaut, dann vermisst man die Herrschaft Gottes an vielen Stellen.

Von Anfang an steht Gott der Schöpfung als Herrscher und König gegenüber. Und das hat sich nie geändert. „Der HERR ist König, darum zittern die Völker; er sitzt über den Cherubim, darum bebt die Welt“ (Ps 99,1). Es gibt so vieles, was Gott widerspricht! Es gibt Gottlosigkeit in den Nationen. Es gibt Ungehorsam in Israel. Es gibt große politische Systeme gegen Gott und es gibt Sünde, Teufel und Tod. Gott ist König, keine Frage, aber es gibt so vieles, was nicht zu Gottes Herrschaft passt. Wie ist das zu verstehen?

Gottes Herrschaft scheint im Verborgenen zu liegen. Sie ist nicht offensichtlich, aber real. So ist Gott in der Schöpfung und erhält sie. Tag für Tag, in großer Treue. Und er ist in der Geschichte und schreibt darin seine eigene Geschichte: die sogenannte Heilsgeschichte. Gott erhält die Welt und er führt sie zum Ziel. All das aber tut er „inkognito“. Im Glauben sieht man es, dem Ungläubigen aber bleibt es verborgen. Gottes königliches Herrschen sehen nur die, die ihn kennen und seine Handschrift lesen können. Das aber sind nicht viele und so wird Gott aktiv.

 

  1. Schritt: Die Gabe der Tora

Gott will seine Herrschaft überall aufrichten, wo sie noch nicht zu finden ist, und so fängt er mit Israel an. Gott erwählt Israel aus allen Völkern der Erde (5 Mo 7,6-8), damit die Nationen sehen, wie man mit Gott lebt. Auf diese Weise soll Israel zum Licht der Nationen werden (Jes 60,1-3). Zu diesem Zweck gibt Gott Israel die Tora, seine Weisungen und Ordnungen. Der Plan: Israel soll mit Gott leben und die Tora halten. Die Völker sehen das, sind begeistert und kommen dazu (Jes 2,1-5). Ganz einfach.

Doch leider scheitert dieser Plan. Israel bricht den Bund allzu oft und missachtet die Tora. Gott sendet Gericht, um Israel zur Umkehr zu bewegen, aber auch das hilft nicht viel. Israel merkt zunehmend: „Wir brauchen einen, der uns hilft. Einen Erlöser. Einen Mann, der uns tief in die Tora hineinführt, als Nation wiederherstellt und zum Licht der Nationen macht!“ Dieser Mann ist der Messias: der eine und größte Gesalbte, der am Ende der Tage kommen wird. Von ihm spricht bereits die Schrift. Also warten die Juden auf den Messias (Lk 2,21-39) – und viele fromme Juden tun das bis heute.

 

  1. Schritt: Der Messias und der Heilige Geist

Und tatsächlich: Der Messias kommt! Jesus aus Nazareth ist dieser Messias. So sagt es das Neue Testament. Als der Gesalbte tut Jesus seinen Dienst in der Kraft des Heiligen Geistes. Er heilt und befreit, er lehrt und erklärt die Schrift, er überführt von Sünde und vergibt sie und er tut große Wunder. Man sieht: Durch Jesus richtet Gott seine Herrschaft in Israel auf. Viele glauben an ihn, viele aber auch nicht. Am Ende scheitert der Messias am Widerstand in Israel und wird gekreuzigt.

Ist nun alles aus? Aber nein! Gott weckt Jesus von den Toten auf – Jesus lebt! Und nun geschieht etwas Entscheidendes. In zwei Schritten (vgl. Apg 2,32-36):

  • Gott holt Jesus zu sich in den Himmel. Jesus wird zur rechten Hand Gottes eingesetzt. Gott überträgt ihm die Herrschaft und macht ihn zum König, zum Herrn, zum Messias (alle drei Titel meinen dasselbe). Der Messias aber muss die Herrschaft Gottes auf die Erde bringen! Also ist klar: Jesus wird eines Tages wiederkommen und sein Werk vollenden. Er wird sichtbar vom Himmel herabkommen und dann werden alle ihre Knie vor ihm beugen.
  • Jesus sendet den Heiligen Geist auf die Erde. Jesus, der den Geist in Fülle hat, gibt ihn an die Menschen weiter. Das ist gewaltig! Durch den Heiligen Geist richtet Jesus seine Herrschaft auf der Erde auf. In seiner Gemeinde, aber auch durch sie in der Welt. Diese Herrschaft ist dynamisch. Sie verwandelt die Menschen, sie heilt und befreit und sie bricht dem Willen Gottes Bahn. Wie gut, dass wir den Geist bekommen haben.

Für die Christenheit ist mit Jesus eine neue Zeit angebrochen. Die Zeit, in der die Herrschaft Gottes durch den Heiligen Geist weltweit ausgebreitet wird. Stellvertretend für Israel ruft der Messias Jesus die Nationen und führt sie zu Gott – und Millionen folgen ihm. Für die Christenheit war dies ein so wichtiges Ereignis, dass sie sogar angefangen hat, die Jahre neu zu zählen. Jesu Geburt ist offiziell das Jahr 0. Deshalb sind wir heute am Anfang der 2000-er Jahre. Das Judentum aber sieht das anders. Es zählt weiterhin seit der Schöpfung und so befinden wir uns heute am Ende der 5700-er Jahre.

Wichtig ist: Diese neue Zeit ist nur eine Zwischenphase. Nach der Auferstehung Jesu hatten die Jünger damit gerechnet, dass Jesus sehr schnell wiederkommen würde. Sie glaubten, dass sie es noch erleben würden, wie Jesus zurückkehrt, Israel wiederherstellt (Apg 1,6) und die Welt in Ordnung bringt. Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Seit 2.000 Jahren herrscht Jesus aus dem Himmel herab durch den Heiligen Geist. Diese Form der Herrschaft ist dynamisch und kraftvoll, erfüllend und schön. Und sie ist uns Christen vertraut. Aber sie ist noch verborgen und unvollendet. Die Welt scheint noch immer dieselbe zu sein – das Ziel ist noch nicht erreicht.

Viele Christen bleiben an dieser Stelle stehen und sagen: „Ich bin ein Kind Gottes, ich habe den Heiligen Geist und werde nach dem Tod in den Himmel kommen.“ Das stimmt und das ist gut.

Die Geschichte geht aber weiter, denn das Beste kommt noch: das sichtbare, allumfassende, ewige Reich Gottes, das die ganze Welt verwandeln wird. Das Reich, auf das die Juden schon seit Jahrtausenden warten und das auch Jesus verkündigt hat. Das Reich des Friedens. Auf Erden (Jes 11,1-10; Lk 2,14).

 

  1. Schritt: Die Rückkehr Jesu und das Reich Gottes

Das Reich Gottes wird kommen. Zuvor kommt aber das Endgericht. Das Endgericht ist notwendig, denn es darf nichts Unreines oder Unheiliges ins Reich Gottes kommen (1 Kor 6,9+10). Alles Negative wird ausgeschieden und überwunden, so dass es nichts Böses mehr gibt – darauf kann man sich freuen! Durch das Endgericht setzt Gott seine Herrschaft auf der Erde durch und richtet sein Reich auf. Das Endgericht ist also gar nicht das Ende – es ist der Durchgang zum Reich Gottes. Am Ende steht das Reich! Darum geht es.

Im Endgericht wird entschieden, wer ins Reich Gottes kommen kann und wer nicht. Sünder kommen dort nicht hinein. Sie haben keinen Zutritt. Die Gerechten aber werden zugelassen und sie werden „leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich“ (Mt 13,40-43). Allerdings gibt es keine Gerechten, keinen einzigen. Das hat der Apostel Paulus eindrücklich gezeigt (Röm 3,9-20). Deshalb braucht es Jesus. Jesus macht rein, heilig und gerecht (1 Kor 1,30). Auf diese Weise rettet er vor einer Verurteilung im Endgericht. Die Frage ist: Wer wird gerettet? Die Bibel antwortet klar: Alle, die an ihn glauben (Apg 16,30; Röm 10,9) – und ganz Israel (Röm 11,26). Im Reich Gottes werden also Israel und die Gemeinde Jesu sein und für immer mit Gott zusammen leben. Auch darauf kann man sich freuen.

 

Gott macht seine Ansprüche als König geltend

Wenn das Reich kommt, macht Gott seine Ansprüche als König geltend. Er tritt sichtbar die Herrschaft an und setzt sie in der ganzen Welt durch. Dies geschieht vor aller Augen und niemand kann ihm widerstehen. Dann ist das Reich Gottes da. Das Reich Gottes hat Raum und Zeit. Der Raum ist die Welt (Israel eingeschlossen), die Zeit ist die Ewigkeit.

Das Reich Gottes wird hier aufgerichtet werden. Hier auf dieser Erde. Aber es wird ein ewiges Reich sein, das nie mehr vergeht (Dan 7,14). In Sach 14,9 heißt es dazu: „Und der HERR wird König sein über alle Lande. An jenem Tag wird der HERR der einzige sein und sein Name der einzige.“ Gott wird König über die ganze Erde sein und nur noch sein Name (JHWH) wird verehrt werden. Dieses Ziel steht hinter der Bitte: „Dein Reich komme!“ (Mt 6,10) und auch das ist ein Grund zur Freude.

Doch Gott führt den Kampf nicht selbst. Das muss ein anderer tun: der Messias. In 1 Kor 15,20-28 wird beschrieben, wie der Messias Jesus zurückkommt und alle feindlichen Mächte überwindet – am Ende sogar den Tod. So richtet er das Reich auf. Dann tritt er selbst zurück, übergibt das Reich dem Vater (V. 24) und ordnet sich Gott unter (V. 28).

Dabei kommt es auch zu einer Auferstehung der Toten. Alle, die zu Jesus gehören, werden auferweckt (V. 23). Sie bekommen einen neuen, ewigen Leib. Der Himmel ist für uns Christen also nur eine Zwischenstation. Am Ende werden wir mit Gott in seinem Reich auf dieser komplett erneuerten Erde sein und Gott wird „alles in allem“ sein (V. 28). Die Folge ist eine vollkommene Erlösung der ganzen Schöpfung (Röm 8,18-21). Dahin geht die Reise – ein weiterer Grund zur Freude.

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb 21,4)

Vielleicht wird nun klar, warum die große Hoffnung der frühen Christusgläubigen nicht nur „der Himmel“ ist, sondern vor allem die Rückkehr Jesu. Diese Hoffnung teilen sie mit den Juden, die genauso auf den Messias warten. Der Messias wird nicht nur Israel wiederherstellen, sondern die ganze Welt befreien und heilen. Er wird die Tyrannen dieser Welt vom Thron stürzen und Gottes ewiges Reich bringen. Gott wird seine Schöpfung wieder vollständig in Besitz nehmen. Dafür wird der Messias sorgen. Deshalb beten die Gläubigen: „Maranatha“, „komm, Herr Jesus!“ (1 Kor 16,22; Offb 22,20)

 

Biblische Perspektiven zurückgewinnen

Viele Christen haben das Problem, dass sie diese Perspektiven verloren haben. Das erkennt man daran, dass sie sich auf die Rückkehr Jesu nicht freuen, sondern Angst davor haben. Viele Christen freuen sich an der Gegenwart des Heiligen Geistes und auf das ewige Leben im Himmel, nicht aber auf das zweite Kommen Jesu. Das liegt an ihren Erwartungen. Wenn sie nach vorne schauen, dann sehen sie die „Endzeit“ kommen: Gerichte, Katastrophen, Chaos – und am Ende ein fürchterliches Endgericht. Danach das Ende der Welt und dann ist endlich alles vorbei.

Wenn man so denkt, kann man nur hoffen, dass Jesus noch lange nicht zurückkommt. Man kann nur hoffen, dass noch Zeit bleibt, um ein schönes Leben zu führen und rechtzeitig in den Himmel zu kommen, bevor die „Endzeit“ wirklich beginnt. So denken viele Christen. Zumindest in Deutschland.

Warum nur beteten die ersten Christen: „Komm, Herr Jesus“, und die Christen heute: „Lass dir Zeit, Herr Jesus“? Die Antwort ist einfach: Weil wir das Ziel aus den Augen verloren haben. Die Perspektive auf das Reich Gottes. Das sollten wir ändern.

Als Christen dürfen wir voller Hoffnung sein, dass eines Tages das Reich Gottes kommen wird und alles wiederhergestellt wird (Apg 3,21). Wir dürfen voller Sehnsucht sein, dass Jesus kommt, seinen Sieg auf der ganzen Welt aufrichtet und Gott alle Tränen abwischen wird (Offb 21,4). Und wir dürfen voller Gewissheit sein, dass die Geschichte dieser Welt ein Ziel hat und ein gutes Ende nimmt. Denn das Reich Gottes wird kommen. Die schwierigen Zeiten, in denen wir leben, sind nur Geburtswehen (Mk 13,8; Röm 8,22), und das Ende dieser (bösen) Welt ist nur der Durchgang zur erlösten Welt. Das letzte Wort aber wird Gott haben und Gott bringt sein Reich. Das steht fest.

Gott herrscht bereits jetzt im Verborgenen. Er erhält die Schöpfung, er schreibt Geschichte, er herrscht durch sein Wort, seinen Geist und seinen Sohn, den Messias. Dafür dürfen wir dankbar sein. Das Reich Gottes aber ist noch nicht da. Darauf warten wir. Die Perspektive auf das Reich Gottes gibt uns Hoffnung, Sehnsucht und Gewissheit auf eine vollkommene Erlösung – für Israel und die ganze Schöpfung. Halten wir uns das vor Augen und beten wir von Herzen: „Maranatha“, „komm, Herr Jesus! Komm, und bring alles in Ordnung!“ |

 

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 126. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen: https://csi-aktuell.de/israelaktuell. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.