Es gibt Bibeltexte, die sind im Blick auf Israel einfach „der Hammer“. Einige dieser „Hammertexte“ stellt Pastor Tobias Krämer vor. Heute Jesaja 49,5+6 (Luther 21):

Gott spricht zu seinem Knecht: „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht der Nationen gemacht, damit du mein Heil bis an das Ende der Erde bringst.“ (V. 6)

Im Buch Jesaja gibt es die sogenannten Gottesknechtslieder. Das sind Texte, in denen von einer besonderen Figur die Rede ist. Diese Figur wird Gott dienen und Gott wird sie in besonderer Weise gebrauchen. Weil diese Figur „Knecht Gottes“ (eved Jahwe) genannt wird, heißen diese Texte Gottesknechtslieder. Jesaja 49 ist so ein Lied.

Es spricht von der Wiederherstellung Israels. Der Gottesknecht soll „Jakob zu Israel bekehren, damit Israel nicht weggerafft wird“ (V. 5). In V. 7 wird Gott sogar als „Erlöser Israels“ vorgestellt. Das ist eine starke Aussage! Wir Christen wissen von Gott viel – dass er gnädig, barmherzig, liebevoll und treu ist – und nun erfahren wir, dass er auch der Erlöser Israels ist. Es ist eine interessante Erfahrung, ihn im Gebet einmal eine Zeitlang so anzusprechen: „Danke, Erlöser Israels, für diesen guten Morgen…“

V. 12+13 spricht dann von den vielen Juden, die Alijah machen werden, also nach Israel einwandern. Aus aller Herren Länder wird Gott sein Volk heimholen. Das wird für Freude und Jubel sorgen! Große, weltumspannende Verheißungen werden hier über Israel ausgesprochen. Und doch ist all das „zu wenig“, wie es in V. 6 heißt. Die Adressaten des Buches Jesaja, die Juden, werden überrascht aufhorchen. Was könnte man denn mehr wollen, was könnte es Größeres geben? Der Text aber ist klar: „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten….“

Die zweite Vershälfte setzt mit „sondern“ ein. Was wird jetzt wohl kommen? „Sondern ich habe dich auch zum Licht der Nationen gemacht, damit du mein Heil bis an das Ende der Erde bringst.“ Der Gottesknecht soll nicht nur Israel wiederherstellen. Er soll zum Licht der Völker werden und Gottes Heil in der ganzen Welt verbreiten. Das ist für die Juden, die Gottes erwähltes Volk sind, eine ungeheure Aussage. „Mind blowing“ könnte man das nennen.

Für die Juden damals war es krass, dass das Heil Gottes nicht nur Israel wiederherstellen soll, sondern bis ans Ende der Erde reichen wird. Für uns heute ist es vielleicht umgekehrt. Wir finden es erstaunlich, dass das Heil nicht nur auf der ganzen Erde wirken soll, sondern auch Israel wiederherstellen wird. So oder so, beides gehört zusammen, beides ist Aufgabe des Gottesknechts. Aus christlicher Sicht ist der Gottesknecht Jesus. Jesus stellt Israel wieder her und er breitet das Heil über die ganze Erde aus. An beiden Projekten arbeitet er. Schon jetzt. Auch heute.

Von: Tobias Krämer

Kennen Sie schon unseren Podcast „Frag Pastor Tobias“? Hier stellt sich Tobias Krämer Fragen zum Thema Christen & Israel. Jahrelang war er als Pastor und Dozent für Systematische Theologie in Stuttgart tätig. Seine Leidenschaft ist es, komplexe Zusammenhänge aufzuschlüsseln und sie so zu vermitteln, dass sie leichter zugänglich und verständlich sind. Stellen Sie uns gerne Ihre Fragen zum Thema Christen & Israel unter: podcast@csi-aktuell.de.