Es gibt Bibeltexte, die sind im Blick auf Israel einfach „der Hammer“. Einige dieser „Hammertexte“ stellt Pastor Tobias Krämer vor. Heute Hosea 14,6:

„Ich werde für Israel wie der Tau sein. Blühen soll es wie die Lilie und es soll seine Wurzeln schlagen wie die Zedern des Libanon.“

Hosea ist ein kerniger Prophet. Er ist mit einer krassen Aktion in Erinnerung. Denn Hosea hat eine Hure geheiratet – als prophetisches Zeichen für die „Hurerei“ Israels (Hosea 1,2). Das war keine romantische Hollywood-Hochzeit, wo die Braut in vollendeter Schönheit und weißen Schleiern der Nobelkarosse entsteigt. Diese Hochzeit war ein prophetisches Statement. Nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, würde ich sagen, aber zu Hoseas Zeit in geradezu schmerzlicher Weise eindrucksvoll. 

Hinter dem Stichwort Hurerei steht das Bild einer Ehe – und eines Ehebruchs. Der Ehemann steht für Gott, die Ehefrau für Israel. Die Tragik: Israel bricht die Ehe mit Gott. Wie macht Israel das? Indem es Götzendienst betreibt: „Sie huren von ihrem Gott weg.“ (Hosea 4,12) Diese Tatsache führt Hosea mit seiner ungewöhnlichen Hochzeit drastisch vor Augen. Hosea ist deshalb ein Buch voller Spannungen und Konflikte, kein schönes Buch. 

Überraschend ist dann aber das Ende. Gott verheißt, dass er selbst Israels Abtrünnigkeit (den Götzendienst bzw. Ehebruch) „heilen“ wird (Hosea 14,5). Diese schwere Sünde, die eigentlich hart gestraft werden müsste, wird hier wie eine Krankheit gesehen, an der Israel leidet. Eine Krankheit braucht jedoch keinen Richter, sondern einen Arzt. Und Gott selbst ist jener Arzt. Gott heilt Israel, so dass die intime Einheit zwischen Gott und Israel wiederhergestellt wird. Diese Verheißung ist bis heute noch nicht in Erfüllung gegangen. Sie berührt mich aber und erfüllt mich mit Glauben und Hoffnung für Israel. 

Mit dieser Verheißung ändert sich die Atmosphäre im Text. Zarte Bilder werden verwendet. Sie bringen zum Ausdruck, wie gut Gott zu Israel ist: „Ich werde für Israel wie der Tau sein. Blühen soll es wie die Lilie und es soll seine Wurzeln schlagen wie die Zedern des Libanon.“ Gott ist wie der Tau, der leise auf das staubige Land herabsinkt und die Natur zum Blühen bringt. Denn Israel soll blühen wie eine Lilie – die Königsblume, die Blume der Reinheit und Unschuld. Und Israel soll Wurzeln schlagen. Israel soll fest stehen wie die Zedern des Libanon, jene Giganten, die ihre Wurzeln kraftvoll in die Tiefe treiben, so dass kein Sturm sie ausreißen kann. Was für ein Bild! 

Grazile Schönheit und monumentale Standfestigkeit sollen Israel auszeichnen. Das ist Gottes Vision für Israel. Und damit diese Vision in Erfüllung geht, kommt Gott herab auf Israel wie der Tau der kühlen Nacht. Sanft, unbemerkt, lebensspendend, segnend. Gott heilt Israel. Denn es ist sein geliebtes Volk.  

Von: Tobias Krämer

Kennen Sie schon unseren Podcast „Frag Pastor Tobias“? Hier stellt sich Tobias Krämer Fragen zum Thema Christen & Israel. Jahrelang war er als Pastor und Dozent für Systematische Theologie in Stuttgart tätig. Seine Leidenschaft ist es, komplexe Zusammenhänge aufzuschlüsseln und sie so zu vermitteln, dass sie leichter zugänglich und verständlich sind. Stellen Sie uns gerne Ihre Fragen zum Thema Christen & Israel unter: podcast@csi-aktuell.de.