Von: Koen Carlier, übersetzt von Anemone Rüger, Christen an der Seite Israels

Die südukrainische Stadt Cherson ist befreit – die Bilder und Berichte waren übers Wochenende in den Nachrichten zu verfolgen. Wir waren zu dem Zeitpunkt gerade mit einer Gruppe jüdischer Flüchtlinge aus der Ukraine auf dem Weg nach Moldawien.

Lage in Cherson

Natürlich ist die Nachricht der Befreiung der Stadt Cherson am Schwarzen Meer zunächst eine gute Nachricht. Aber der Abzug der russischen Truppen bringt auch den wahren Zustand der Stadt ans Tageslicht. Cherson ist eine große Stadt, vor dem Krieg zählte sie ungefähr 300.000 Einwohner. Wie viele von ihnen sich noch in der Stadt befinden, weiß niemand. Cherson ist seit Wochen komplett abgeschnitten von der Außenwelt. Es gab keine Internetverbindung, keine Mobiltelefonverbindung – niemand wusste, wie es den Einwohnern geht.

Die Infrastruktur der Stadt ist zielgerichtet zerstört worden. Cherson ist nun praktisch ohne Strom. Das bedeutet nicht nur, dass die Wohnungen kalt sind. Das heißt auch: Es gibt kein Wasser, die Abwasserentsorgung ist zusammengebrochen. Es ist zu befürchten, dass es lange dauern wird, die Versorgungsdienste wiederherzustellen. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass sich dort eine humanitäre Katastrophensituation zusammenbraut.

Hilferuf

Inzwischen hat uns ein Hilferuf von der jüdischen Gemeinde in Cherson erreicht. Es werden Lebensmittelpakete gebraucht – so bald wie möglich. Natürlich möchten wir sofort reagieren. Aber es ist im Moment noch sehr schwierig, in die Stadt zu kommen. Cherson war acht Monate lang besetzt, und auch jetzt ist es noch nicht wieder vollständig in ukrainischer Hand. Ein Teil der Stadt befindet sich auf dem anderen Dnepr-Ufer. Dort haben sich die russischen Truppen verschanzt. Große Teile der Stadt und der umliegenden Gebiete sind minenverseucht. Es ist sehr gefährlich, sich in dieses Gelände hineinzuwagen.

Man benötigt eine Sondergenehmigung, um in die Stadt zu kommen und humanitäre Güter zu bringen. Wir bemühen uns jetzt um die notwendigen Papiere, sodass wir uns einem Hilfskonvoi der jüdischen Gemeinde anschließen und eine große Ladung Lebensmitteltüten in die dort verbliebene jüdische Gemeinschaft bringen können, die zu einem großen Teil aus Senioren besteht.

Inzwischen haben wir schon vorgepackt – 500 Lebensmitteltüten stehen bereit und warten darauf, dass wir grünes Licht bekommen. Zunächst soll die Fahrt nach Odessa gehen, von dort aus werden dann die weiteren Abschnitte der Hilfslieferung organisiert.

Hand in Hand mit der jüdischen Gemeinschaft

Wir sind in ständigem Kontakt mit unseren Partnern in der jüdischen Gemeinde, die sich zum Teil außerhalb der Stadt befinden. Die Lage ist sehr angespannt – viele Bewohner sind völlig im Ungewissen, wie es ihren Lieben geht; und auch außerhalb der Stadt machen sich viele Angehörige Sorgen um diejenigen, die in Cherson zurückgeblieben sind. Nun hat sich das Blatt erst einmal gewendet, doch die Probleme treten jetzt erst richtig zutage.

Unsere Priorität ist jetzt, die notleidende jüdische Gemeinde in Cherson so schnell wie möglich mit Lebensmitteln zu versorgen. Natürlich können wir nicht alle Bedürfnisse abdecken, aber wir wollen alles in unserer Macht Stehende tun, um den Bedürftigen dort zu Hilfe zu kommen. Sicherlich wird es auch eine Anzahl von Menschen geben, die in der eskalierten Lage nun doch die Stadt verlassen und Alijah machen möchten.

Sehen Sie hier in einem kurzen Video ein Update von Koen Carlier vor Ort.

 

 

Bitte helfen Sie mit!

Unser Team in der Ukraine braucht Ihre Hilfe und Ihr Gebet. Vor Ort sind die Prioritäten jetzt: zeitnahe Lebensmittelhilfe, Evakuierung und Heimkehr nach Israel. Jetzt, da der Winter vor der Tür steht, zählt für die Bedürftigen jede Lebensmitteltüte. Eine Tüte enthält Grundnahrungsmittel im Wert von 15 Euro. Helfen Sie mit? Jede Spende ist willkommen.