Der „Jerusalem-Tag“ (Jom Jeruschalajim) erinnert an die Wiedervereinigung der Davidstadt 1967 und die damit verbundene Möglichkeit des Zugangs zur Klagemauer. Damals, also vor 54 Jahren, hatte Israel Ostjerusalem im Sechs-Tage-Krieg erobert und die beiden getrennten Stadtteile wieder vereint. In diesem Jahr fiel der Feiertag, der nach dem jüdischen Kalender am 28. Ijar stattfindet, auf den 10. Mai. Die Festlichkeiten wurden durch gewaltsame Ausschreitungen überschattet.  

Junge Israelis feierten am Vorabend des 10. Mai 2021 den Jerusalem-Tag an der Westmauer in der Davidstadt. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

 

Die Feiern begannen bereits am Vorabend mit einer traditionellen Gebetsveranstaltung vor der Klagemauer. In diesem Zug gedachten Israelis erneut der Opfer des Unglücks am Berg Meron. Außerdem wurden Dankesgebete gesprochen, weil Israel die Corona-Pandemie offenbar überstanden hat. Anwesend waren unter anderen die beiden Oberrabbiner, Rabbi Jitzchak Josef und Rabbi David Lau, der für die Klagemauer zuständige Rabbi Schmuel Rabinovitz, sowie der Jerusalemer Bürgermeister, Mosche Leon (Jeruschalajim Schelanu). Die Veranstaltung wurde auf YouTube live übertragen.

Geöffnete Museen und Stadtführungen

Rund um den Jerusalem-Tag gibt es zudem viele weitere Aktionen. Museen und historische Stätten öffneten ihre Türen. Darunter sind beispielsweise die Davidszitadelle, die Tunnel der Klagemauer oder das Herzl-Museum. Viele Hotels bieten spezielle Preise an. Das Jerusalemer Forschungsinstitut Jad Ben Zvi bietet überdies eineinhalbstündige Stadtführungen an. Am Abend des 10. Mai 2021 findet ein traditioneller Flaggentanz statt.

Dieses vielfältige Angebot soll dafür sorgen, dass alle Israelis und nicht nur nationalistisch-religiöse Gruppen einen Zugang zu den Feierlichkeiten finden, erklärte der Generaldirektor des Jerusalem-Ministeriums, Avi Cohen. In den vergangenen Jahren war der Jerusalem-Tag vermehrt mit einem Marsch durch den arabischen Teil der Stadt aufgefallen. Von arabischen Bewohnern war dieser als Provokation angesehen worden.

Anteil der jüdischen Bevölkerung sinkt

Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung zeigt sich ein verändertes Bild der Bevölkerung: Waren 1967 noch 74,2 Prozent der Menschen in Jerusalem jüdisch, so sind es 2021 nur noch 62 Prozent. Der Anteil der arabischen Bevölkerung ist gestiegen. Heute sind 38 Prozent der Jerusalemer arabisch, 1967 waren es 25,8 Prozent. Dies zeigt eine neue Studie des Jerusalemer Instituts für politische Forschung. Insgesamt hat Jerusalem etwa 936.000 Einwohner.

Gewaltsame Ausschreitungen

Bereits seit dem Freitag zuvor, dem letzten Freitag des diesjährigen Ramadan (7. Mai 2021), kam es auf dem Tempelberg zu Unruhen, bei denen Palästinenser Steine warfen und Brandsätze auf Polizeikräfte vor Ort schossen. Bei den Protesten wurden 17 Polizisten verletzt. Die Polizei reagierte mit Maßnahmen zur Aufstandsbekämpfung, zahlreiche Demonstranten erlitten Verletzungen. Die Unruhen setzen sich auch an den folgenden Tagen fort und überschatteten den Jerusalem-Tag.  Dabei kam es auch zu Gewalt im Westjordanland und dem Abschuss von Raketen und Brandballons aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet.

Israels Regierung betonte, dass die Religionsfreiheit in Jerusalem für alle Gruppen und Religionen beibehalten und sichergestellt wird, dass Muslime, Juden und Christen an den kommenden Feiertagen weiterhin beten können. Israel werde weiterhin die Bewohner und Besucher Jerusalems schützen und keine Zusammenstöße und Störungen in der Stadt zulassen.

Premierminister Benjamin Netanjahu sagte am 9. Mai 2021 bei der Kabinettssitzung: „Wir werden nicht zulassen, dass extremistische Elemente die Stille in Jerusalem untergraben. Wir werden Recht und Ordnung wahren – energisch und verantwortungsbewusst. Wir werden weiterhin die Religionsfreiheit für alle Glaubensrichtungen wahren, aber wir werden keine gewalttätigen Störungen zulassen.“ (Israelnetz/Außenministerium des Staates Israel/Amt des Premierministers/Redaktion)