„Ben & Jerry’s“ hält den Verkauf seiner Eiscreme in israelischen Siedlungen nicht mit seinen Werten vereinbar. Foto: Uziel302, Wikipedia | CC BY-SA 3.0

Der US-amerikanische Eiscreme-Hersteller „Ben & Jerry’s“ will künftig seine Waren nicht mehr in den „besetzten palästinensischen Gebieten“ verkaufen. Das teilte die Firma, die zu dem Konsumgüterkonzern Unilever gehört, am Montag auf seiner Website mit.

Der Verkauf in israelischen Ortschaften im Westjordanland sei nicht mit den Unternehmenswerten vereinbar. „Wir hören und erkennen auch die Bedenken unserer Fans und vertrauenswürdigen Partner an“, heißt es in der kurzen Stellungnahme weiter.

Die bisherige Kooperation für den Verkauf werde man Ende kommenden Jahres auslaufen lassen. In Israel selbst will „Ben & Jerry’s“ seine Produkte aber weiter verkaufen. Hierfür werde eine „neue Vereinbarung“ getroffen. Durch wen der Eisverkauf dann erfolgen soll, wurde nicht bekanntgegeben.

Scharfe Kritik aus Israel

Die israelische Regierung kritisierte den Boykott scharf. Premierminister Naftali Bennett warnte Unilever-Chef Alan Jope in einem persönlichen Gespräch vor „schwerwiegenden Konsequenzen in rechtlicher und anderer Hinsicht“. Israel werde vehement gegen jede Boykottmaßnahme vorgehen, die auf Zivilisten abziele, sagte Bennett laut einer Mitteilung seines Büros.

Das israelische Außenministerium forderte „Ben & Jerry’s“ dazu auf, diese „falsche Entscheidung zurückzunehmen“. Es warf dem Unternehmen „Kapitulation vor dem anhaltenden und aggressiven Druck extrem anti-israelischer Gruppen” vor. Die Entscheidung sei „unmoralisch und diskriminierend, da sie Israel ausgrenzt, sowohl Israelis als auch Palästinensern schadet und extremistische Gruppen ermutigt, die Mobbing-Taktiken anwenden“. Die Maßnahme fördere keinen Frieden, sondern stärke im Gegenteil diejenigen, die gegen eine Versöhnung von Israelis und Palästinensern sind und die Zerstörung des Staates Israel fordern.

Appell: „Ben & Jerry’s“ nicht in Israel boykottieren

Der Chef von „Ben & Jerry’s“ israelischem Lizenznehmer, Avi Zinger, sagte gegenüber dem israelischen Fernsehsender „Kan“, „Ben & Jerry’s“ dränge ihn schon seit Langem dazu, den Vertrieb in jüdischen Ortschaften in Judäa und Samaria einzustellen. Dies habe er jedoch abgelehnt.

Vor 35 Jahren hatte Zinger die Eismarke nach Israel gebracht und betreibt dort erfolgreich eine Produktionsstätte sowie einige Einzelhandelsläden mit rund 160 Beschäftigten. Nachdem „Ben & Jerry’s“ nun erklärt hat, die Lizenz Ende 2022 auslaufen zu lassen, hat Zinger die Bevölkerung in Israel dazu aufgerufen, sein Eis nicht zu boykottieren. Es sei wichtig zwischen den in Israel hergestellten Produkten und dem internationalen Konzern zu unterscheiden. (Times of Israel, Israelisches Außenministerium, Büro des israelischen Premierministers)

Von: Dana Nowak