Am Ende eines langen Bürotages fällt mir Ludmila im ukrainischen Czernowitz ein, eine der ersten Überlebenden in unserem Patenschaftsprogramm – eine Frau mit einer fast adligen Würde, obwohl seit vielen Jahren blind. Sie wurde auf der Flucht vor den Deutschen im Kaukasus geboren. Auch sie verlor ihren Vater, aber konnte mit ihrer Mutter nach dem Krieg in ihre Heimatstadt zurückkehren. „Auf Wolken bin ich nicht geschwebt in meinem Leben, ich habe sehr auf der Erde gelebt,“ musste Ludmila zugeben, als wir sie das erste Mal besuchten. Das heißt für sie auch, mit ca. einem Zehntel einer deutschen Rente auskommen zu müssen, während die hohen Lebensmittelpreise selbst einen deutschen Gast überraschen.

Ich erinnere mich, dass ich die Mobilnummer ihrer Enkelin gespeichert habe. Auch wenn ich lieber persönlich bei ihr wäre – ich versuche es, sie zu erreichen.

„Oi, oi, meine Liebe! Ich habe gar keine Worte vor lauter Aufregung!“ ist Ludmilas erste Reaktion. „Ich könnte vor Freude in die Luft springen! Ich bin dir so dankbar, dass du mich nicht vergisst!“

Wir sprechen eine ganze Weile miteinander. Am Schluss ist nicht mehr klar, wer den anderen mehr ermutigt hat. „Jeden Morgen bete ich für dich“, sagt Ludmila. „Das vergesse ich nie! Ich bin dem Allmächtigen so dankbar, dass wir uns kennenlernen durften. Manchmal ist es so schwer, so leer in der Seele. Aber ich hoffe auf Ihn, nur auf Ihn. Mit deinem Anruf hast du mir so eine Freude gemacht! Mir ist, als hätte ich eine ganze Flasche Medizin ausgetrunken!“

Im Namen von Ludmila und den vielen anderen Überlebenden gebe ich diese Dankbarkeit gern an Sie, unsere treuen Spender, weiter. Ihre Hilfe kommt weiterhin an und ist wertvoller als je zuvor.

 

Autorin: Anemone Rüger

 

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