Viktoria und Ksiusha Korotkowa in Mariupol, Ukraine, im September 2021, an dem Tag, als Ksiusha nach Israel ging. Foto: Alina Gryadchenko

Von: Sue Surkes, The Times of Israel, aus dem Englischen übersetzt von Dana Nowak

Eine ukrainische Familie in Mariupol, einer Stadt, die massiv bombardiert wurde und seit Tagen kaum Kontakt zur Außenwelt hat, riskierte alles, um an einen Ort zu fahren, an dem es noch Telefonempfang gibt, um ihrer 14-jährigen Tochter in Israel die Nachricht zu übermitteln: „Wir leben noch!“.

Am Dienstag rief Viktoria Korotkova, die zusammen mit ihrem Mann und ihrer jüngeren Tochter Sofia Zuflucht gefunden hat, „Christians for Israel“ an. Die Organisation mit Hauptsitz in den Niederlanden unterstützt Juden bei der Einwanderung nach Israel und ist auch in der Ukraine tätig.

Es war „Christians for Israel“, die im September einen Flug nach Israel für Viktorias Tochter Ksiusha im Rahmen des Naale-Programms der israelischen Einwanderungsorganisation „Jewish Agency“ für Schüler aus der ehemaligen Sowjetunion und anderen Ländern finanziert hatten.

Ksiusha Korotkova zeigt das israelische Visum, das sie im September 2021 am Flughafen in Kiew erhielt. Foto: Alina Gryadchenko

Ksiusha lernt derzeit an einer Schule in Jerusalem. Alina Gryadchenko, Außendienstmitarbeiterin bei „Christians for Israel“, berichtete der „Times of Israel“ davon, was Korotkova ihr am Telefon erzählt hat: „Wir leben in völliger Isolation, in Angst, Gefahr und ohne jede Hoffnung auf Besserung. Es gibt kein Licht und kein Wasser, keine Heizung, keinen Telefonanschluss.“ Weiter habe sie gesagt: „Dies ist der einzige Ort, an dem es noch möglich ist, ein Signal zu empfangen. Unter Einsatz unseres Lebens sind wir dorthin gefahren, um ein oder zwei Anrufe zu tätigen und unseren Freunden mitzuteilen, dass wir noch am Leben sind. Wir laden unser Telefon über den laufenden Motor des Autos auf, solange wir genug Diesel haben. Wenn der ausgeht, haben wir nicht einmal mehr die Möglichkeit, mit der Welt in Kontakt zu bleiben. Wir sind schmutzig, jeder sieht aus wie ein Bettler, wir bekommen Wasser aus dem Meer. Es hat mehrere Tage lang geschneit, und die Menschen sammeln Schnee, um Wasser zum Trinken zu bekommen. Die Läden sind leer, es gibt nichts zu essen und es ist die ganze Zeit kalt.“

Mariupol im Südosten der Ukraine ist ein wichtiges russisches Ziel. Die Einnahme der Stadt würde Moskau helfen, die 2014 eroberte Krim mit den von Russland unterstützten Separatistenregionen Donezk und Luhansk zu verbinden. Die Stadt, die zehntgrößte der Ukraine, wird seit dem 24. Februar belagert und ständig bombardiert. Seit dem 28. Februar ist sie ohne Strom-, Gas- und Internetanschluss.

Russen und Ukrainer haben sich dreimal darauf geeinigt, einen humanitären Korridor einzurichten, durch den die Bewohner von Mariupol die Stadt verlassen können, doch jedes Mal setzten die russischen Streitkräfte den Beschuss fort, so die Ukraine.

„Wir haben Angst zu gehen, da wir nicht darauf vertrauen, dass wir nicht getötet werden.“

Viktoria Korotkowa sagte: „Mariupol liegt in Trümmern. Das Stadtzentrum ist zerstört. Es ist nichts mehr übrig. Mariupol existiert nicht mehr, es ist tot.“ Sie fügte hinzu: „Jeden Tag wird uns ein Korridor versprochen, aber nichts passiert. Wir haben Angst zu gehen, da wir nicht darauf vertrauen, dass wir nicht getötet werden. Die Lastwagen mit Vorräten und humanitärer Hilfe waren auf dem Weg nach Mariupol, mussten aber umkehren und nach Saporosche zurückfahren. Ich weiß nicht, wie lange das dauern wird und ob wir die Blockade überleben werden.“

Alina Gryadchenko, die sich während des Gesprächs Notizen machte und fließend Englisch spricht, sagte: „Da die Internetverbindung sehr schwach ist, bat mich Viktoria, ihrer Tochter eine Nachricht zu schicken, dass sie noch am Leben sind. Das habe ich auch getan. Es war wie ein Geschenk zum Frauentag. Wenn wir doch nur mit Blumen und Kuchen hätten feiern können.”

Mit freundlicher Genehmigung der israelischen Tageszeitung „Times of Israel“, in der dieser Artikel zuerst erschien.

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