Bei einer Massenpanik beim größten Fest Israels anlässlich des Feiertages Lag Ba’Omer sind 45 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 150 weitere Personen wurden teils schwer verletzt.

Während der Bergungsarbeiten nach der Massenpanik in der Nacht zum 30. April 2021 in Meron/Nordisrael. Foto: David Cohen/Flash90

 

Das Unglück ereignete sich in der Nacht vom 29. auf den 30. April 2021 in dem Wallfahrtsort Meron im Norden Israels. Dort hatten sich nach israelischen Medienangaben mehrere Zehntausend orthodoxe Juden versammelt. Die Behörden hatten die Teilnehmerzahl zuvor auf 10.000 begrenzt. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, auch Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Die Polizei versuchte das Gelände zu evakuieren und sperrte Zufahrtswege.

Wie es zu der Massenpanik kam, ist noch unklar. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Nach ersten Erkenntnissen begann die Massenpanik, als Feiernde auf einer abschüssigen Rampe ins Rutschen kamen und stürzten.

Ein Sprecher des Rettungsdienstes Magen David Adom sprach am 30. April 2021 von einer „unfassbaren Katastrophe“. Staatspräsident Reuven Rivlin schrieb auf Twitter, er verfolge die Berichte über die Tragödie und bete für die Verletzten. Premier Benjamin Netanjahu (Likud) zeigte sich bestürzt über das „schwere Unglück“ und sicherte den Rettungskräften Unterstützung zu. Auf Twitter schrieb Gesundheitsminister Juli Edelstein, dass er in dieser schwierigen Stunde an die Getöteten und Verletzten denke. Er dankte allen Rettungskräften für deren Einsatz.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borell sagte: „Die Europäische Union spricht den Familien und Freunden der Opfer sowie dem israelischen Volk ihr tiefstes Beileid aus und wünscht den Verletzten eine rasche Genesung.“ Auch der deutsche Außenminister Heiko Mass (SPD) kondolierte auf Twitter.

Auseinandersetzungen am Unglücksort

Ein Sprecher der Rettungsorganisation ZAKA sagte dem israelischen Fernsehen: „Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen”. Vor Ort habe viel Chaos geherrscht. Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. Darüber hinaus gab es Probleme mit dem Handyempfang, weil viele versuchten, ihre Angehörigen zu erreichen.

Wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet, wurde der Einsatz der Rettungskräfte zusätzlich durch Hunderte Orthodoxe behindert, die sich geweigert haben sollen, den Unglücksort zu verlassen. Deswegen sei es auch unweit des eigentlichen Einsatzortes zu Auseinandersetzungen gekommen.

Kritik wurde auch an der Polizei geübt. Den Beamten wird vorgeworfen, weiterhin Personen in das abgesperrte Areal gelassen zu haben, obwohl die behördlich festgelegte Teilnehmerzahl längst überschritten war. Außerdem sollen sie nach Ausbruch der Panik nicht schnell genug weitere Ausgänge geöffnet haben. Insgesamt waren 5.000 Polizisten im Einsatz, um das Fest abzusichern.

Bei dem Unglück handelt es sich um eine der schlimmsten Katastrophen in der israelischen Geschichte. (Israelnetz)