Nach Auszählung von knapp 90 Prozent der Stimmen zeichnet sich bei den 24. Knessetwahlen keine klare Regierungsmehrheit ab. Weder das Kernlager um Benjamin Netanjahu noch die Gegner des Regierungschefs erreichen mehr als 60 Knessetsitze.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) mit seiner Ehefrau Sara und Mitgliedern seiner Partei in der Nacht nach den Knessetwahlen am 23. März 2021 in Jerusalem. Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

 

Zwar lag das Netanjahu-Lager inklusive Jamina am frühen Wahlabend knapp vorne. Doch entgegen erster Prognosen scheint die arabische Ra’am-Partei doch noch den Einzug in die Knesset zu schaffen. Die daraus resultierende Verschiebung der Verhältnisse bringt beide politische Lager auf 52 Sitze. Jamina (7) und Blau-Weiß (8) sind hier jeweils nicht einberechnet.

Erste Körbe

Angesichts dieser Entwicklung rief Netanjahu seine Rivalen dazu auf, sich an einer möglichen Regierung mit ihm zu beteiligen. Andernfalls drohe eine fünfte Wahl binnen kurzer Zeit, mahnte er.

Diesbezügliche Absagen kamen am 24. März 2021 von Meretz und der „Neuen Hoffnung“. Für die letztere erklärte der frühere „Likudnik“ Se’ev Elkin, seine Partei werde auch nicht mit dem arabischen Parteienbündnis „Vereinigte Liste“ zusammengehen.

Überraschende Ergebnisse

Der Wahlabend bescherte indes einige Überraschungen: Die Partei „Neue Hoffnung“ fuhr mit 6 Stimmen ein schwaches Ergebnis ein. Dabei hatte sich Parteichef Gideon Sa’ar im Wahlkampf als Alternative zu Netanjahu aus den Reihen des Likud präsentiert. Im Dezember lag die „Neue Hoffnung“ noch bei rund 20 Sitzen.

Mehr erhofft haben dürfte sich auch Naftali Bennett mit seiner Jamina. Umfragen sahen sie bei 10 Sitzen, nun sind es 7 geworden. Die Partei Religiöser Zionismus (6 Sitze) kann mit seinem Ergebnis zufrieden sein: Umfragen sahen sie bei um die 5 Sitzen, in der vorigen Knesset hatte sie 2 Sitze.

Stärker als erwartet schnitten hingegen die linken Parteien ab: Sowohl Avoda als auch Meretz verpassten in einigen Umfragen sogar den Knesseteinzug. Bei der Avoda verbesserten sich die Umfragewerte, nachdem Merav Michaeli Ende Januar Parteichefin geworden war. Nun ist sie im Vergleich mit der vorigen Knesset die Partei mit den stärksten Zugewinnen, von 2 auf 7 Sitze.

Ebenfalls stark im Vergleich zu den Umfragen ist Blau-Weiß mit 8 Sitzen, auch wenn gegenüber der bisherigen Knesset ein Verlust von 4 Sitzen zu Buche steht. In den Vorhersagen stand sie bei 4 bis 5 Sitzen, mitunter war sie auch aus der Knesset draußen. Keine Veränderungen im Vergleich zur 23. Knesset gibt es bei „Israel Beiteinu“ sowie den ultra-orthodoxen Parteien Schass und Vereinigtes Tora-Judentum. (Israelnetz)