Bei Raketenalarm im Garten: Hoffnung auf einen „neuen Nahen Osten“

Bei Raketenalarm im Garten: Hoffnung auf einen „neuen Nahen Osten“

Ramzi, ein Druse
Fühlt sich mit den Juden in Israel verbunden: der Druse Ramzi. Foto: Michael Immendörfer

Der Koffer für Israel wandert wieder zurück in den Schrank. Die für Anfang März geplante Israelreise von zwei CSI-Mitarbeiterinnen muss aufgrund des Krieges in Nahost abgesagt werden. Nun gilt es, alle angedachten Treffen rückabzuwickeln. Aus einem Absage-Anruf ergibt sich ein eindrücklicher Lagebericht: Wie geht es unserem drusischen Freund Ramzi im Norden Israels, den wir besuchen wollten? Von der Hoffnung auf einen „neuen Nahen Osten”.

Von Anemone Rüger

Ramzi fragt per WhatsApp, wann wir jetzt kommen. Ich rufe gleich zurück und erwische ihn im Garten. Kaum haben wir das Gespräch eröffnet, da ertönt der Luftalarm. „Kein Problem, wir können weiterreden“, sagt Ramzi. „Ich gehe schon lange nicht mehr rein. Hier oben auf dem Karmel ist es sicher. Sie haben es auf die Raffinerie unten in Haifa abgesehen. Das ist 20 Kilometer entfernt. Die haben sie ja letztes Jahr getroffen, da sind auch drei Arbeiter umgekommen. Aber hier oben passiert nichts.“

Die iranischen Raketen bereiten Ramzi weniger Kopfzerbrechen, doch inzwischen ist ein weiteres Land in den Krieg eingetreten: „Ich mache mir mehr Gedanken über die Hisbollah“, so Ramzi. „Seit gestern greift die Hisbollah Israel aus dem Libanon an, als Vergeltung für den Tod von Khamenei. Unsere 91. Brigade ist jetzt in den Libanon einmarschiert und wird von der Luftwaffe unterstützt. Ich bin sicher, die libanesische Regierung wird sehr dankbar sein. Sie haben Angst vor der Hisbollah.

Eigentlich hätte die Hisbollah letzten Sommer ihre Waffen komplett niederlegen müssen und nur noch eine politische Partei in der Regierung sein dürfen. Aber daran haben sie kein Interesse. Und die libanesische Armee kann nichts gegen sie machen. Sie sind froh, wenn wir die Hisbollah entwaffnen und handlungsunfähig machen. Wenn alles gut geht, können wir in ein paar Monaten Frieden mit dem Libanon haben. Es kann sein, dass wir die nächsten Wochen noch einiges an Raketen von dort abbekommen. Aber die Hisbollah wird es als militärischen Verband nicht mehr geben, höchstens noch als politische Bewegung. Dann haben wir vielleicht zehn Jahre Ruhe. Und möglicherweise bekommen wir dann den ‚Neuen Nahen Osten‘, den sich Schimon Peres erhofft hat. Wer immer am meisten leidet, ist die Zivilbevölkerung – hier in Israel und auch im Libanon.“

Ramzi bietet an, uns in Eilat abzuholen, falls wir über den ägyptischen Sinai einreisen wollen. Aber dann rät er uns doch noch ein bisschen zu warten. Drei von seinen „Jungs“ sind im Krieg. Der jüngste macht seinen regulären Militärdienst, die anderen beiden sind Reservisten, die aktiviert wurden. Einer ist Musiker und unterrichtet Klavier, der andere ist Elektrotechniker bei der Luftwaffe.

„Wir fühlen uns mit den Juden zusammengehörig.“

Hat er sich als Druse schon immer so stark als Teil der israelischen Gesellschaft gefühlt oder gab es irgendwann eine bewusste Entscheidung?

„Die Entscheidung – die wurde vor gut 3500 Jahren getroffen, als der Mose die Zipporah geheiratet hat!“, erklärt Ramzi lachend. „Zipporah hat ihren Sohn Gerschon beschnitten, da gab es noch nicht einmal die Tora vom Sinai. Gerschon hat sich dann mit seinen Nachkommen in Nordisrael niedergelassen, im Stammesgebiet von Dan. Praktisch einer der zwölf Stämme. Wir fühlen uns mit den Juden zusammengehörig.“

Ramzis Muttersprache ist Arabisch. Englisch und Hebräisch lernen die Angehörigen der Drusengemeinschaft in der Schule. Die ungefähr 120.000 Drusen in Israel seien über 16 Ortschaften verteilt, die wohl bekannteste davon sei Daliat el Karmel, erklärt Ramzi. Sie seien damals aus dem Libanon und Syrien eingewandert, als das Land noch nach allen Richtungen offen war.

„Das Beste, was ihr im Moment für uns tun könnt, ist beten“, empfiehlt Ramzi.

Versprochen.

Teilen:

Drucken:

Informiert bleiben.

Weitere Artikel

31. März 2026
Simcha bedeutet „Freude“ – das Letzte, was man von Eltern erwarten würde, die ihren Sohn auf tragische ...
30. März 2026
Am 7. Oktober 2023 wurde die deutsche Nichtjüdin Carolin Bohl in Israel von Terroristen ermordet. Während Angehörige ...
22. März 2026
Der Aufenthalt unserer CSI-Mitarbeiterin Raquel Schwaerzler in Israel verläuft ganz anders als geplant. Das dichte Programm an ...
19. März 2026
Im Zuge des aktuell andauernden Krieges zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran ...
18. März 2026
Sie kommen mit der Hoffnung auf Frieden und Sicherheit in einer neuen Heimat: Juden aus aller Welt, ...

Informiert bleiben

Name*
Datenschutz*

Suche

Gemeinsam schnelle Nothilfe leisten!