Die Terror-Organisation Hamas hat Israel erneut mit einem Propaganda-Video geschockt. In einem rund 5-minütigen Clip ist die Geisel Evjatar David zu sehen. Der 24-Jährige ist völlig abgemagert. Zudem muss er in dem Video sein eigenes Grab in einem Tunnel der Hamas schaufeln.
Seine Familie hat am Samstag der Veröffentlichung des Videos zugestimmt. Sie rief die Weltgemeinschaft auf, der Grausamkeit der Hamas entgegenzutreten und dafür zu sorgen, dass David Nahrung erhält. „Unser Sohn hat in seinem derzeitigen Zustand nur noch wenige Tage zu leben.“ Im Februar hatte die Hamas David gezwungen, bei der Propagandaschau anlässlich einer Geiselfreilassung dabei zu sein, ohne selbst freizukommen.
Der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) hat nach der Veröffentlichung seine „tiefste Bestürzung“ zum Ausdruck gebracht. Er habe versichert, dass die Bemühungen um die Freilassung der Geiseln „ohne Unterlass“ weitergehen würden.
Bereits am Freitag veröffentlichte der Islamische Dschihad ein Video. Zu sehen ist die deutsch-israelische Geisel Rom Braslavski. Der 21-Jährige stammt aus Jerusalem und arbeitete als Wächter beim Nova-Festival. Seine Familie hat der Veröffentlichung eines Ausschnittes zugestimmt. Darin ist zu erkennen, dass Braslavski ebenfalls abgemagert und blass aussieht.
Merz und Macron schockiert
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich in Anbetracht der beiden Aufnahmen schockiert gezeigt. „Ich bin entsetzt über die Bilder von Evjatar David und Rom Braslavski“, sagte Merz am Sonntag. Und weiter: „Die Hamas quält die Geiseln, terrorisiert Israel und benutzt die eigene Bevölkerung im Gazastreifen als Schutzschild.“ Merz bezeichnete die Freilassung aller Geiseln als „zwingende Voraussetzung“ für einen möglichen Waffenstillstand und betonte erneut, dass die Hamas in der Zukunft von Gaza keine Rolle spielen dürfe.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Armin Laschet (CDU), verurteilte das „Horror-Video“ in einem Beitrag auf der Plattform X: „Warum sind die Bilder der geschundenen Deutschen nicht täglich in den deutschen Medien? Warum hängen ihre Bilder nicht an unseren Straßen und Flughäfen? Wir Abgeordneten sollten trotz aller Meinungsunterschiede zum Nahost-Konflikt wenigstens diese Barbarei an unseren Landsleuten öffentlich und klar benennen.“
Auch der französische Präsident Emmanuel Macron (Renaissance) verurteilte die Videos. Diese „unerträglichen Bilder“ zeigten die „grenzenlose Unmenschlichkeit“ der Hamas. Die Freilassung aller Geiseln habe für seine Regierung „absolute Priorität“.
Noch immer befinden sich 50 Geiseln in der Gewalt von Terrorgruppen im Gazastreifen. Mindestens 20 von ihnen sollen noch am Leben sein.
Rotes Kreuz soll helfen
Israelischen Medienberichten zufolge drängt Netanjahu auf die Freilassung der Geiseln durch einen „entscheidenden militärischen Sieg“. Das berichtet unter anderem die „Times of Israel“. Hintergrund ist demnach die Einschätzung der Regierung, dass die Hamas nicht an einem Abkommen zur Freilassung der Geiseln oder zur Beendigung des Krieges interessiert sei.
Den Berichten zufolge steht die Regierung mit der amerikanischen Regierung in Kontakt. Deren Sondergesandte Steve Witkoff erklärte erst am Samstag, dass die USA sich ein Ende des Gazakrieges wünschen. Zudem hätte man nicht länger Interesse an teilweisen Geiselfreilassungen, sondern fordert die Freilassung aller Geiseln.
Derweil hat Netanjahu das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) um Hilfe bei der Versorgung der Geiseln gebeten. Wie Netanjahus Büro mitteilte, gab es ein Gespräch mit dem regionalen Leiter des IKRK-Büros, Julien Lerisson. Ziel sei es, die Geiseln mit Lebensmittel und medizinischen Gütern zu versorgen. Die Hamas erklärte jedoch, dass sie dem IKRK nur Zugang gewähre, wenn Israel im Gegenzug eine dauerhafte Versorgung der palästinensischen Zivilbevölkerung garantiere und während der Versorgung der Geiseln durch das IKRK auf Luftangriffe und Luftaufklärung verzichte. Bisher hat die Hamas humanitären Organisationen den Zugang zu den Geiseln verwehrt. (Isralnetz)