Wie kann es sein, dass sich Politik und Medien des Westens in letzter Zeit auffallend oft von einer raffinierten Hamas-Propaganda hinters Licht führen ließen? Die Neuauflage des erhellenden Buches „Die Palästinenser – Mythen & Märtyrer“ des Journalisten und Theologen Johannes Gerloff kommt zum passenden Zeitpunkt.
Von Rainer Urban
Lange war die erste Auflage dieses lesenswerten Buches vergriffen. Nun ist es wieder erhältlich. Die Neuauflage wurde gründlich von Yarón Lischinsky, einem Freund der Familie Gerloff, durchgearbeitet. Genau jenem Yarón Lischinsky, der mit seiner Freundin Sarah Milgrim am Abend des 21. Mai 2025 vor dem jüdischen Museum in Washington D.C. erschossen wurde. Der Mörder rief bei seiner Festnahme: „Free, free Palestine!“
Wer sind die Palästinenser?
Der Journalist und Theologe Johannes Gerloff hat seinen Lebensmittelpunkt seit 1994 im Nahen Osten. Schon bald ließ ihn ein Fragenkomplex nicht mehr los: Wer sind die Palästinenser und was treibt sie an? Was sind das für Narrative oder Mythen, welche die Palästinenser zu einem „Volk“ werden ließen, für das es sich zu sterben lohnt, wie offenbar nicht wenige von ihnen meinen?
In seinem Buch „Die Palästinenser – Mythen & Märtyrer“ nimmt Gerloff die Leser mit hinein in den vielschichtigen und hochbrisanten Nahostkonflikt, der bis heute die Gemüter weltweit erhitzt. Er beschreibt darin, was er während der nahezu zwei Jahrzehnte Recherchearbeit selbst erlebt hat.

Über die Kapitel hinweg benennt und erklärt der Autor zentrale Begriffe und Ereignisse: angefangen von einer Herleitung der Begriffe „Palästinenser“ und „Palästina“ über die Arafat-Ära, Flüchtlingsschicksale, den Weg des Friedensprozesses, Al-Quds („die Heilige“) und die Al-Aqsa-Intifada bis hin zu Themen wie Suizid als Strategie und die Rolle der Christen in Palästina.
Hochinteressant zu lesen ist das Kapitel „Auf dem Weg nach Hamastan“, welches das Geschehen im September des Jahres 2005 beschreibt: Unter großem Aufwand drängte der damalige israelische Premier Ariel Scharon alle israelischen Bewohner dazu, den Gazastreifen vollständig zu verlassen. Laut Palestine Information Center feierten 94 Prozent aller Palästinenser den israelischen Rückzug als Flucht und Niederlage des Feindes. Der Raketenterror hatte sich für die Palästinenser gelohnt: „Ohne Kassam-Raketen und Selbstmordattentate wäre Israel nie von unserem Boden geflohen“, so ein Fatah-Sympathisant.
Die biblische Perspektive
Erstaunliches und Zukunftweisendes erfahren die Leser im vorletzten Kapitel des Buches mit der Überschrift „Was sagt die Bibel zur Palästinenserfrage?“ Hier beschreibt Gerloff mithilfe einiger Aussagen und Verheißungen im Buch der Bücher, welche gewaltigen Visionen und Pläne Gott für den Nahen Osten hat.
Das letzte Kapitel hat es besonders in sich. Nicht selten waren die persönlichen Begegnungen Gerloffs durchaus abenteuerlich. So auch ein Treffen des Journalisten mit einem Salafisten-Scheich in einem Beiruter Stadtteil. Vor ihm steht nun also dieser bärenhafte Mann und schaut ihn mit durchdringenden Blicken an, während hinter Gerloff die schwere Metalltür ins Schloss fällt. Auch Journalisten wurden schon entführt. Doch die Begegnung verläuft völlig anders: Mit breitem Lachen erklärt der Salafisten-Scheich dem erstaunten Theologen Gerloff: „I love Israel! I love the Jewish people!“ – „Ich liebe Israel! Ich liebe das jüdische Volk!”
„Die Palästinenser“ von Johannes Gerloff ist ein absolut lesenswertes Buch, facettenreich und horizonterweiternd. Es lässt den Leser nachdenklich zurück, denn der Autor stellt auch klar: „Ohne Umkehr gibt es keine Zukunft. Solange der Jahrtausende alte, tief in Denkweise, Volksglauben und Theologie verankerte Judenhass in der arabischen Gesellschaft nicht thematisiert wird, gibt es keine Hoffnung für die arabische Welt.“
Das Buch ist hier in unserem Shop erhältlich.
Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 143. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.