Chanukka: Licht, Hoffnung, Jesus

Chanukka: Licht, Hoffnung, Jesus

Ein Mann zündet Kerzen im Leuchter an
An Chanukka, dem Lichterfest, wird acht Tage lang jeden Abend eine Kerze angezündet, so scheint das Licht von Tag zu Tag heller. Foto: Dana Nowak

Chanukka – das Fest der Lichter. Acht Tage lang leuchten in jüdischen Häusern die Flammen der Chanukkia. Jeden Abend wird ein Licht mehr entzündet, bis am Ende die ganze Lichterreihe brennt. Es ist ein Fest der Hoffnung, entstanden in dunkler Zeit. In diesem Jahr beginnt es am kommenden Sonntagabend.

Von Dr. Tobias Krämer

Um 165 vor Christus erlebte Israel eine Zeit der Unterdrückung. Der syrisch-griechische König Antiochus IV. Epiphanes hatte Jerusalem besetzt, den Tempel entweiht und das Opferwesen verboten. Er wollte Israel vernichtend treffen: Israels Glauben, seine Identität, seine Zukunft. Doch eine kleine Gruppe von Gläubigen, angeführt von Judas Makkabäus, wagte den Aufstand. Sie siegten – gegen alle Wahrscheinlichkeit. Von daher lohnt es, einmal die Makkabäerbücher zu lesen, die in einigen Bibelausgaben enthalten sind.

Als die Makkabäer den Tempel zurückeroberten, war er in schlechtem Zustand. Der Altar war entheiligt, das Licht des goldenen Leuchters war erloschen. Inmitten dieser Katastrophe suchten die Juden nach geweihtem Öl, um das Licht wieder zu entzünden. Sie fanden einen kleinen Krug, in dem aber lediglich das Öl für einen Tag war. Viel zu wenig, gemessen an den Tempelvorschriften. Doch das Wunder geschah: Der Leuchter brannte acht Tage lang – bis neues Öl zubereitet werden konnte – und der Tempel konnte neu geweiht werden. So berichtet es der Talmud (Traktat Schabbat 21b).

Kleine Anfänge

Chanukka erinnert daran, dass vieles im Kleinen beginnt. Nicht mit Macht oder großem Tamtam. In diesem Fall mit einer einzigen Flamme und mit der Entscheidung, sie zu entzünden, obwohl dies eigentlich sinnlos erschien. Solche Schritte können ein Ausdruck von Glauben sein: etwas zu tun, was menschlich gesehen keine Perspektive hat. Wenn Gott sich dann aber „einschaltet“, werden die Grenzen des Natürlichen gesprengt und Erstaunliches kann geschehen. Gott schätzt so eine Glaubenshaltung und nicht selten bestätigt er sie. Aus der Chanukkia-Flamme wurden acht Tage Licht, aus fünf Broten und zwei Fischen wurde eine Mahlzeit für Tausende (Markus 6). Ein kleiner Anfangsschritt, im Glauben getan, kann zu Großem führen.

Auch Gott selbst braucht nicht viel, um einen Durchbruch zu erzielen. Oft beginnt sein eigenes Wirken im Kleinen. Man denke nur an Elia, der eine Mini-Wolke von der Größe einer Hand sah, um sich am Ende vor Regengüssen kaum mehr retten zu können (1. Könige 18). Oder an Jesus, ein einzelner Mann, aus dem eine weltweite Bewegung von über zwei Milliarden Menschen hervorkam, weil Gott in ihm gegenwärtig war. An Chanukka genügte das kleine Ölkrüglein, um acht Tage Licht zu haben. Ebenso genügt Glaube von der Größe eines Senfkorns, um Berge zu versetzen (Matthäus 17,20). Es geht nicht um die Voraussetzungen, die man hat. Es geht darum, was wir mit Gottes Hilfe daraus machen. Oder umgekehrt: was Gott mit uns zusammen daraus macht. Gott wirkt – das macht den Unterschied.

Gottes Geist

Die Präsenz und Wirksamkeit Gottes auf Erden hat einen Namen: Heiliger Geist. In der Bibel ist Öl ein Bild für ihn. Könige, Priester und Propheten wurden mit Öl gesalbt und empfingen so den Heiligen Geist (zum Beispiel 1. Samuel 16,13). Im Neuen Testament ist der Heilige Geist für alle da, die an Jesus glauben. Der Geist ist sozusagen das Anfangsgeschenk, das jeder empfängt, der zum Glauben an Jesus Christus kommt. Dieses Geschenk eröffnet die fantastische Möglichkeit, das Leben nicht aus eigener Kraft führen zu müssen: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.” (Sacharja 4,6) Wenn man Chanukka prophetisch-typologisch deutet, kann man darin einen Hinweis auf den Heiligen Geist sehen, der an Pfingsten kam. Wie das Öl in der Menora nicht ausging, so erlischt auch der Geist Gottes in seinem Volk nicht.

Jesus

Der Prophet Jesaja verkündigt: „Das Volk, das im Finstern wandelt, hat ein großes Licht gesehen; über denen, die im Land des Todesschattens wohnen, ist Licht aufgeleuchtet.“ (Jesaja 9,1) Dies ist – messianisch interpretiert – eine Prophetie auf Jesus. Jesus sagt über sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12) Das Lichterfest kann man zwar feiern, aber das dazugehörige Ereignis (die Tempelweihe) liegt weit in der Vergangenheit. Jesus aber ist da. Jetzt. Er ist gegenwärtig. Wer ihm nachfolgt, ist im Licht und keine Finsternis der Welt kann das verhindern.

In Johannes 10 wird berichtet, dass Jesus während Chanukka in Jerusalem war: „Es war das Fest der Tempelweihe in Jerusalem; es war Winter, und Jesus ging im Tempel in der Säulenhalle Salomos umher.“ (V. 22+23) Jesus wird gedrängt, sich zu offenbaren: „Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus.“ (V. 24) Jesus verweist darauf, dass die Antwort doch offensichtlich sei, denn sein Wirken weise ja darauf hin, dass er von Gott gesandt sei. Er führt den Gedanken bis zu der Spitzenaussage: „Ich und der Vater sind eins“ (V. 30) – und kritisiert: „Aber ihr glaubt nicht.“ (V. 25+26) Die Reaktion: „Da hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen.“ (V. 31) Nicht jeder will Jesus, nicht jeder will das Licht. Es gibt einen Kampf zwischen Licht und Finsternis (Johannes 1,4-5). In diesen Kampf wird man unweigerlich verwickelt, wenn man auf der Seite des Lichts steht.

Von Chanukka zu Weihnachten

Chanukka fällt meist in die Advents- beziehungsweise Weihnachtszeit. In beiden Festen geht es um Licht in der Dunkelheit, um Gottes Eingreifen in hoffnungslosen Situationen. An Chanukka wird gefeiert, dass der Tempel neu geweiht wurde; an Weihnachten, dass Gott seinen Sohn in die Finsternis der Welt sandte, um Gottes Licht auf die Erde zu bringen. So wundert es nicht, dass Licht im Leben Jesu schon ganz zu Beginn eine Rolle spielt. Die Weisen aus dem Morgenland werden von einem leuchtenden Stern zur Krippe geführt (Matthäus 2), den Hirten auf den Feldern vor Bethlehem erscheint ein großes Licht (Lukas 2). Schon hier durchbricht das Licht die Finsternis, obwohl Jesus zu diesem Zeitpunkt nichts weiter als die ersten Atemzüge getan hat.

Chanukka verheißt, was sich an Weihnachten erfüllt: Gottes Licht wohnt unter den Menschen. Für immer. Dies ist auch der Grund, warum Jesus seinen Jüngern eine so große Bestimmung geben kann: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Matthäus 5,14) Das gilt natürlich nur, weil Jesus das Licht ist und es seinen Jüngern schenkt. Wir Christen reflektieren also sein Licht. Deshalb gilt: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5,16) Eine schönere Aufgabe kann es gar nicht geben. Das Licht brennt überall, wo Glaube bekannt, Liebe gelebt, Gehorsam praktiziert, Gutes getan, Hoffnung gesät, Trost gespendet und Frieden gestiftet wird.

Der Sieg

Jesus hat die Wende eingeläutet: Das Reich der Finsternis ist besiegt, Gottes Reich ist da. Nicht in Vollendung, gewiss, aber es ist da – und die Vollendung wird Jesus bringen, wenn er wiederkommt. Deshalb steht am Ende das Licht, das nie verlischt: „… und sie bedürfen nicht des Lichtes einer Lampe und nicht des Lichtes der Sonne; denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten.“ (Offenbarung 22,5) Das Licht wird vollständig über alle Finsternis siegen. Diese Zuversicht macht schon heute unser Leben hell.

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