Im Oktober fand die erste Israelreise statt, die der junge Arbeitsbereich CSI Business von Christen an der Seite Israels (CSI) unter der Leitung von Dr. Ansgar Niehoff organisiert hatte. Acht Teilnehmer dieser Pionierreise wollten einen tieferen Einblick in die Besonderheiten der „Startup-Nation” Israel gewinnen. Sie erlebten ein dichtes, inspirierendes Programm.
Von Dr. Ansgar Niehoff
Wo fängt man an zu erzählen, wenn man innerhalb von fünf Tagen in Israel um die 30 Begegnungen mit Vertretern unterschiedlichster Branchen hatte? Ich versuche es einmal in chronologischer Reihenfolge und werde dann wohl sehen, dass der Platz hier nicht ausreicht.
Nachdem alle Reiseteilnehmer am Sonntag angereist waren, trafen wir uns zu einem typisch israelischen Abendessen in einem belebten Stadtviertel von Tel Aviv. So gelang ein perfekter Einstieg mit gegenseitigem Kennenlernen in entspannter Atmosphäre.
Am nächsten Tag sollte es dann richtig losgehen. Unser Hotel am Rothschild-Boulevard hatten wir bewusst gewählt; so befanden wir uns bereits im Herzen von Tel Avivs Startup- und Innovationsszene. Ein kurzer Spaziergang am Montagmorgen und wir fanden uns wieder bei Startup Nation Central (SNC). Das ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die es sich nach der Veröffentlichung des Bestsellers „Start-up Nation“ von Dan Senor und Saul Singer zur Aufgabe gemacht hat, Israel als Startup-Nation weltweit bekannt zu machen. So sollen Brücken sogar zu solchen Ländern geschlagen werden, die mit Israel zwar noch keine diplomatischen Beziehungen pflegen, aber an den Innovationen und Erfindungen Israels Interesse zeigen.
Bei SNC wurden wir herzlich von Alon Turkaspa empfangen, der uns sehr persönlich und lebensnah vermittelte, wie Israel sich zu einem globalen Zentrum für Hightech-Startups entwickelt hat, und wie es sich trotz des zweijährigen Krieges an der weltweiten Spitze halten konnte – und teilweise sogar die größten Erfolge seiner Geschichte verbuchen konnte.
Nach diesen faszinierenden Einblicken war es an der Zeit, einzelne Startups direkt kennenzulernen. Dafür hatten wir Vertreter zweier Startups sowie eine Gründerin der größten Facebook-Community für Freiwilligenarbeit nach dem 7. Oktober eingeladen.
Inspirierende Begegnungen mit Startups und Gründern in Serie
Zunächst präsentierten Jonathan und Bat-Chen, wie sie ohne CO2-Emissionen grünen Stahl herstellen können. Die ursprüngliche Idee war sogar, mit Hilfe des speziellen Verfahrens aus Mondgestein Sauerstoff auf dem Mond zu gewinnen. Größer kann man sich eine Vision kaum vorstellen – die Gruppe war tief beeindruckt.
Das Konzept des Startups von Matan erwies sich als nicht weniger visionär, wenn auch noch in einer Frühphase seiner Entwicklung. Es geht dabei um eine sehr nachhaltige Methode zur Herstellung der wichtigsten Chemikalien. An diesem Beispiel wurde deutlich, was viele Startups in Israel ausmacht: Es geht nicht nur um Innovationen und das große Geld, sondern häufig auch darum, die Welt ein bisschen besser zu machen („Tikkun Olam”).

Als dritte Begegnung hatten wir die Ehre, Yocheved Ruttenberg kennenzulernen, die kurz nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 nach Israel reiste: im Gepäck einige Seesäcke mit Hilfsausrüstung für die israelische Armee IDF. Sie gründete außerdem eine Facebook-Community mit über 40.000 Mitgliedern, um überall im Land zu helfen. Im Süden, im Norden und dort, wo während des Multifronten-Krieges in Israel Hilfe benötigt wurde. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit bewirkten in unserer Gruppe größten Respekt und Bewunderung. Mir persönlich kam es wieder einmal so vor, als wenn die Geschichten biblischer Helden im heutigen Israel weitergeschrieben werden.
Diese inspirierenden Begegnungen wurden mit einer Besichtigung der Dachterrasse von SNC buchstäblich gekrönt. Hier wachsen Kräuter und Gemüse, welche wir zum Mittagessen im Erdgeschoss im Asif Culinary Institute genießen konnten.
Recht spontan stießen hier noch zwei Israelis aus meinem Netzwerk zu uns. Zum einen Chaya, die Aliyah aus Südafrika gemacht hatte und gerade ihren Dienst in der israelischen Verteidigungsarmee (IDF) in der Sprecher-Einheit beendet hat. Sie hilft nun ehrenamtlich Startups für Verteidigung und Rüstung dabei, genau das zu entwickeln, was die IDF auch wirklich benötigt. Zum anderen erzählte Inbal von ihrer Arbeit an einem Business-Guide für deutsch-israelische Geschäftsbeziehungen. So viel geballte Inspiration – und das war nur der erste halbe Tag!
Berührende Begegnungen
Am Nachmittag fuhren wir mit der neuen U-Bahn zum Platz der Geiseln. Hier gab uns der CSI-Vorsitzende Luca Hezel eine bewegende Einführung in die Geschichte und Bedeutung dieses Platzes. Im Anschluss war Gelegenheit, sich selbst ein Bild von dem Ort und seinen Exponaten zu machen und in das Leid der Geiselangehörigen hineinzufühlen.
Zur Rush Hour in Tel Aviv ging es dann mit dem Taxi zum Peres Center for Peace & Innovation, wo eine faszinierende Reise in die Geschichte von Shimon Peres und seine Vision von großen Träumen und Innovation auf uns wartete. Gekrönt wurde der Tag noch durch ein Abendesse direkt am Strand von Jaffa neben dem Peres Center. Dieses Essen war ein Fest mit israelischen und deutschen Gästen, die nach Israel eingewandert waren. Was für eine Atmosphäre am Strand – und Herz und Kopf gefüllt mit Eindrücken eines sehr besonderen Tages.
Auf Tel Aviv folgen Jerusalem und der Süden Israels: Ein Highlight nach dem anderen
Die folgenden Tage der ersten CSI Business-Reise gingen genauso ereignisreich und inspirierend weiter. Gleich am nächsten Tag stand Jerusalem auf dem Programm. Wir besuchten am Vormittag die drei wichtigsten Organisationen, die sich schon vor der Staatsgründung für das Land Israel und das jüdische Volk weltweit einsetzten: die Jewish Agency, Keren Hayesod und KKL (Jüdischer Nationalfonds).
Dann ging es weiter zur weltweit größten Plattform für Startup-Investments namens „OurCrowd“, an der sich kleine private Anleger beteiligen können. OurCrowd hat seinen Hauptsitz im Herzen Jerusalems. Dort konnten wir aus erster Hand erleben, wie von Jerusalem geistlicher Segen wie auch Segen durch neue Erfindungen und Startups ausgeht. Nicht fehlen durfte natürlich eine inspirierende Führung durch die Jerusalemer Altstadt und ein ganz besonderes Abendessen praktisch über den Dächern Jerusalems, wieder mit einzigartigen israelischen Gästen. So viel gäbe es noch zu erzählen!

Der letzte volle Tag unserer Reise führte uns dann in den Süden – eine Region Israels, wo unfassbares Leid und Hoffnung so nah zusammenliegen. Wir durften als kleines Zeichen der Hoffnung junge Bäume einsetzen und hörten im Kibbutz Kfar Aza sowohl erschütternde Berichte vom 7. Oktober als auch die Geschichte eines dort ansässigen Startups, das aus Naturfasern nachhaltige Dämmstoffe herstellt. Was für eine Resilienz und was für ein Lebensmut!
Was bleibt von der Reise?
Die Teilnehmer kehrten erfüllt mit vielen spannenden Begegnungen, faszinierenden Einblicken und vielfältigen Gedankenanregungen nach Deutschland zurück. Wir konnten erleben, wie neue Brücken geschlagen wurden. Als CSI Business freuen wir uns über diese Stärkung deutsch-israelischer (Geschäfts-) Beziehungen und planen mit großer Vorfreude die nächste Reise nach Israel für Unternehmer, Führungskräfte und Young Professionals. Es gibt noch so viel zu entdecken und zu teilen!
Ich bin fest davon überzeugt, dass keine Reise so lebensverändernd sein kann wie eine Israelreise – in diesen Zeiten mehr denn je. Das gilt auch auf geschäftlicher und professioneller Ebene. Wie ein Vizepräsident der Philips Medizinsparte einmal treffend zusammenfasste: „In zwei Tagen in Israel habe ich mehr Möglichkeiten gesehen als in einem Jahr im Rest der Welt.“
Auch unsere Reiseteilnehmer zeigen sich nachhaltig beeindruckt:
Die Basis von Business ist Vertrauen:
„Die CSI-Businessreise war eine ganz außergewöhnliche Erfahrung. Wir sind eingetaucht in ein ‚Ecosystem‘ von besonderer Qualität. Ich bin mit der Frage angereist zu verstehen, was diese Besonderheiten sind und wie man daran anknüpfen kann. Wir haben gesehen, wie dicht gepackt die Szene in Tel Aviv ist. Man trifft sich persönlich und baut ein Vertrauensverhältnis auf. Brian Wallace sagte, dass er Menschen in der richtigen Konstellation zusammenbringt, so dass diese sofort in das Business einsteigen können – Ideengeber, Geldgeber, Menschen mit Wissen über regulatorische Randbedingungen und Leute aus der Regierung. Der Grund ist eine Vertrauensbasis, die offensichtlich in der Verbindung zu Israel besteht. Wir haben erlebt, dass unsere Gäste uns hineingenommen haben in dieses Vertrauen. Vielen Dank an Ansgar, Luca und Roger, die vorausgegangen sind.“
(Dr. Heinrich Spiecker, Leiter der Vorentwicklung eines Biotech-Unternehmens)
Gründergeist überall:
„Die erste CSI Business Reise war für mich ein voller und inspirierender Erfolg. Die vielen von uns schon bekannte Vielschichtigkeit und der Gründergeist Israels war überall spürbar und hat mich nachhaltig geprägt. Die Begegnungen mit israelischen Unternehmern aller Bereiche ermöglichten uns einen tiefen Einblick in die Visionen und Ansätze einer Nation, die auch nach dem Einschnitt des 7. Oktober 2023 ihre Fähigkeiten zu Innovation und Gründung bewundernswerterweise nicht verloren hat. Besonders bewegend war der Besuch im Süden des Landes, z.B. im Kibbuzz Kfar Aza oder an der Gedenkstätte des Nova-Festivals.“
(Barbara Müller, Führungskraft bei der Deutschen Bahn)
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Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 143. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.