Kommentar: Der Anfang vom Ende des deutschen Nachkriegsjudentums?

Kommentar: Der Anfang vom Ende des deutschen Nachkriegsjudentums?

Schon kurz nach dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel kam es zu pro-palästinensischen Demonstrationen, wie hier am 21.10.2023 auf dem Oranienplatz in Berlin – Völkermordvorwurf gegen Israel inklusive. Foto: Montecruz Foto | Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Jusek Adlersztejn gehört zur jüdischen Gemeinde in Berlin und ist als politisch engagierter Bürger in verschiedenen Initiativen und Vereinen aktiv. Mit großer Besorgnis beobachtet er die Auswirkungen des 7. Oktober 2023 auf Juden in Deutschland – und richtet einen eindringlichen Appell an jede und jeden Einzelnen.

Ein Gastkommentar von Jusek Adlersztejn

Nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 setzte umgehend eine Kampagne aller Parteien links der Mitte sowie von Teilen der arabischen Bevölkerung Deutschlands gegen Israel und diejenigen ein, die sich mit Israel solidarisch erklärten. In Neukölln wurden Süßigkeiten anlässlich der Morde verteilt. Universitäten wurden besetzt und verwüstet, ohne dass die Universitätsleitungen dies sofort unterbanden. Wohnhäuser jüdischer Bürger wurden mit Davidsternen markiert, ein jüdischer Student krankenhausreif geprügelt und ein Berliner Amtsrichter sprach einer polizei-notorischen pro-palästinensischen Aktivistin seine Hochachtung für ihre politische Haltung aus und konnte an dem Ausruf „from the river to the sea“ (vom Fluss bis zum Meer) keinen Vernichtungswillen erkennen.

Aber der Gipfel dieses Feldzugs ist die Völkermord-Lüge. Völkermord beinhaltet die systematische Erfassung aller Jugendlichen, Kinder, Säuglinge und Schwangeren eines Volkes oder einer Gruppe mit der alleinigen Absicht, diese ausnahmslos zu ermorden, sie vollständig zu vernichten und damit dieser Gemeinschaft jede Zukunft zu verweigern.

Nichts hiervon geschah im Gazastreifen. Diese Lüge reiht sich nahtlos in die Ritualmord-Legende und die Brunnenvergiftung ein. Das ist mittelalterlich und soll Juden für moralisch vogelfrei erklären. Es ist ein Prärequisit, um Ärgeres möglich zu machen, so wie dies der Anschlag auf die Synagoge in Manchester bereits gezeigt hat. Mittlerweile gehört es zum „guten Ton“ des politischen Diskurses auf allen Ebenen der Gesellschaft, diese Monstrosität weiterzuverbreiten. Mit jeder Wiederholung wird diese Unwahrheit mehr zur Wahrheit.

Portrait Mann
„Nicht nachgeben und die Wahrheit aussprechen“, ermutigt Jusek Adlersztejn die Gesellschaft. Foto: privat

Entsprechend dieser Terrorisierung hat sich das Leben jüdischer Bürger drastisch zum Schlechten verändert. Jugendliche verzichten darauf, jüdische Symbole zu tragen, sie verkehren nur noch untereinander und igeln sich ein. Eltern analysieren vor der Einschulung nicht nur die Qualität der Schule, sondern auch die Zusammensetzung der Schülerschaft, um eine Drangsalierung ihres Kindes zu vermeiden.

Ganz ähnlich in den Universitäten, denn keiner weiß, ob jüdische Studenten dort unbehelligt bleiben oder Ergebenheitsadressen an Palästina zu rezitieren haben, damit ein linker Kuffiyah-Mob sie in die Hörsäle lässt, die hoffentlich nicht zerstört wurden. Die Berliner Universitäten sind bereits No-go-Areas. Keine Mutter, kein Vater, die noch bei Trost sind, denken auch nur daran, ihr Kind dort zu immatrikulieren.

„Levy, Cohen oder Goldberg haben ausgedient“

Viele kleine Dinge des Lebens müssen angepasst werden. Wer einen erkennbar jüdischen Nachnamen hat, legt sich für den Uber-Fahrdienst, Amazon oder wenn die Küche mal kalt bleiben soll, auch für Essenslieferungen einen Alias zu. Levy, Cohen oder Goldberg haben ausgedient – Müller, Meier und Schmidt haben Hochkonjunktur.

Der Tiefpunkt für das Befinden der deutschen Juden findet sich im Berliner Gemeindeblatt. In jedem Heft werden Jubilare beglückwünscht, allerdings deren Nachnamen mit dem ersten Buchstaben abgekürzt, dies aus Sorge um deren Sicherheit. Einige Seiten später werden dann doch die vollen Vor- und Zunamen von Mitgliedern abgedruckt, denn sie haben nichts zu befürchten – es sind die Verstorbenen. Und so denkt jeder über Emigration nach. Eltern sehen keine Zukunft mehr für ihre Kinder in Deutschland. Dies ist der Beginn des Endes des deutschen Nachkriegsjudentums.

Aber sind wir allein in dieser Drangsal? Wie geht es unseren christlichen Brüdern und Schwestern? Das nahende Weihnachtsfest mit Ruhe, Einkehr und Besinnung ist längst schon Ziel des Terrors geworden. Gibt es noch Weihnachtsmärke, die ohne Sicherheitskonzept und ohne Blockaden gegen Rammattacken auskommen?

Wie viele Märkte öffnen nicht, weil die Kosten für den Schutz und die Zurückhaltung der Besucher sie zur Aufgabe zwingen? Wie weit sind wir gesunken, wenn ein solcher Besuch immer auch ein Abwägen zwischen Tradition und Bedrohung zu sein hat? Eltern gehen mit Kindern, Großeltern mit Enkeln dorthin. Das ist familiäres Leben.

Dieser Terror ist ein Angriff auf die Familie, die der Kern unserer Gesellschaft ist, und will unsere Gesellschaft zerstören. Wir können nicht teilnahmslos dabei zusehen. Der erste Schritt: nicht nachgeben und die Wahrheiten aussprechen.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 143. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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