Haifa: Nachbarschaftshilfe auf Arabisch

Haifa: Nachbarschaftshilfe auf Arabisch

Männer in Werkstatt
Die Arbeit in der Kreativwerkstatt hilft kriegstraumatisierten Israelis dabei, wieder ins Leben zurückzufinden. Alle Fotos: CSI

Hilfe und Hoffnung in ein vom Krieg zerrissenes Land zu bringen, ist uns als Christen an der Seite Israels gerade ein besonderes Anliegen. Ein wichtiger Weg dazu führt auch über unsere arabisch-christlichen Partner. Menschen wie Simon und Umm-Saleem helfen dabei, dass Hilfe genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird. CSI-Mitarbeiterin Anemone Rüger hat die beiden kennengelernt.

Von Anemone Rüger

Es wäre unhöflich, Rada bei ihrem Vornamen zu nennen, erklärt mir Simon. In der arabischen Kultur wird eine Mutter bei der Ansprache in Bezug gesetzt zu ihrem ältesten Sohn. Und so lautet die richtige Anrede: Umm-Saleem, Mutter von Saleem. Saleem betreibt den Lebensmittelladen, wo Simon die Essenspakete für die bedürftigen Familien packen lässt. Mama Saleem ist die Seele des Ganzen. Sie kennt alle Familien in der Nachbarschaft und weiß, wer Hilfe braucht.

Morgens gehen die Kinder auf dem Schulweg bei ihr vorbei. Umm-Saleem schaut in ihre Rucksäcke und wenn jemand kein Lunchpaket dabeihat, kümmert sie sich darum. Anfangs war das Stadtviertel fast ausschließlich christlich. Aber mit wachsendem Lebensstandard zogen die Christen weg und muslimische Nachbarn rückten nach. Inzwischen ist das Stadtviertel zu 70 Prozent muslimisch und wer hinzuzieht, kommt meist aus nicht sehr guten Verhältnissen.

Von Haifa nach Magdeburg und zurück

Über Simon und sein Team kann Christen an der Seite Israels hier wertvolle Nachbarschaftshilfe leisten. Simon tauchte eines Tages in meiner Heimatstadt Magdeburg auf und sprach über Israel. Ein arabischer Christ, der seine ersten Glaubensschritte in Haifa zusammen mit Holocaust-Überlebenden getan hat? Der jetzt mitten im Krieg im Zusammenhang mit seinen jüdischen Geschwistern und dem Leid, das sie teilen, von „wir“ spricht? Der sich durch den Ruf der Liebe Gottes verarmten muslimischen Familien genauso zuwendet wie traumatisierten jüdischen Israelis, die in einer Tischlerwerkstatt durch kreative Therapie wieder ins Leben zurückfinden dürfen? Ja, das gibt es. Gott sei Dank.

Simon bei der Reparatur eines Arbeitsgerätes in der Kreativwerkstatt.

Zum Glück habe ich nichts gefrühstückt. Umm-Saleem hat in ihrem Laden einen kleinen Tisch ausgeklappt und reich eingedeckt. Pita mit Za‘atar, Pita mit Käse, Pita mit Paprika überbacken. Als sie meine begeisterte Reaktion auf die Za‘atar-Sesam-Version sieht, erzählt sie, dass sie dieses typisch israelische Gewürz selbst herstellt, und füllt mir eine Tüte ab. Gastfreundschaft wird hier sehr großgeschrieben. Die Stühle in Umm-Saleems kleinem Reich sind alle besetzt.

Umm-Saleem, die aus einer katholischen Familie kommt, dient dem ganzen Viertel als Sorgentelefon. Ständig kommt jemand vorbei und ist dankbar, hier eine offene Tür und ein offenes Herz zu finden. Wenige Wochen später fliegen iranische Raketen über ihre Köpfe. Es gibt einige Einschläge in Haifa, teils mit dramatischen Folgen. Simon bringt Lebensmittel zu den Senioren, die sich nicht aus dem Haus trauen, und Spielzeug zu den Familien, die mit ihren Kindern wegen der nächtlichen Angriffe zum Teil in den rustikalen öffentlichen Schutzbunkern übernachten müssen. Über tausende Kilometer sind wir verbunden, beten um Gottes Eingreifen und helfen gemeinsam.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 142. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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