Hoffnung für Israels Norden – Mit dem Cello in Metulla

Hoffnung für Israels Norden – Mit dem Cello in Metulla

Eine Holocaust-Überlebende in Metulla erhält blumige Grüße aus Deutschland – hier mit CSI-Mitarbeiterin Livia. Alle Fotos: CSI

In mehr als zwei Jahren Krieg in Israel haben zwei Regionen am schlimmsten gelitten – die Kibbutzim entlang des Gazastreifens und die Ortschaften entlang der libanesischen Grenze im Norden des Landes. Gerade hier sind CSI-Mitarbeiter unterwegs, um Hoffnung zu bringen – besonders den Überlebenden der Schoah.

Von Anemone Rüger

„Für unsere Helferreise im vergangenen Sommer hatte ich besonders den Norden auf dem Herzen“, erzählt Claudia Schall, seit Anfang des Jahres per Minijob bei CSI Deutschland angestellt. „Die Grenzregion war durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen. So trafen wir Irit, die mit ihrer Mutter Miriam ein Hotel in Metulla betreibt.“

„Wir sind gleich am 8. Oktober weg, wir haben gar nicht auf die offizielle Evakuierung gewartet“, erinnert sich Irit an den Tag nach dem Hamas-Massaker im Süden, als die Hisbollah-Miliz im Libanon begann, den Norden Israels mit Raketen anzugreifen. „Ich hatte so ein Gefühl, dass das länger dauern wird.“

In einem Gürtel von fünf Kilometern mussten mehr als 60.000 Bewohner ihr Zuhause verlassen. Zwei Jahre später fanden sie jedes zweite Haus schwer beschädigt vor. Noch immer sind viele Familien nicht zurückgekehrt, doch es geht wieder aufwärts – auch für das Hotel Beit Shalom.

Neuanfang und eine besondere Idee

„Durch die Raketeneinschläge waren alle Fensterscheiben zerschlagen“, sagt Irit. „Tiere hatten sich eingenistet, das Gelände war verwildert. Als Claudia im August mit ihrem Team kam, haben wir uns gefühlt wie bei Schneewittchen. Diese Christen aus Deutschland haben so hart gearbeitet! Sie haben morgens um sieben angefangen und am Nachmittag sah alles schön aus! Sie haben uns geholfen, wieder auf die Füße zu kommen. Wenige Wochen später konnten wir unsere ersten Gäste in Empfang nehmen.“

Nun hat die Geschichte eine bewegende Fortsetzung gefunden. Denn das familiengeführte Hotel hat nicht nur dramatische Kriegsjahre hinter sich; es macht auch die Geschichte von Irits Großeltern sichtbar – beide Holocaust-Überlebende aus Krakau.

„Als ich den Raum mit der Dokumentation sah, kam mir der Gedanke, wie es wäre, eine Gruppe Holocaust-Überlebende hierher einzuladen“, so Claudia. Pläne wurden gemacht, Blumen wurden bestellt, sogar ein Cello konnte Claudia auftreiben, um es am Nachmittag zu spielen. Die betagten Gäste brachte Eti, Mitarbeiterin der israelischen Behörde für Holocaust-Überlebende. Auch zwei russischsprachige Überlebende aus dem Netzwerk von Gita Koifman, einer mit CSI befreundeten Holocaust-Überlebenden, machten sich auf den Weg.

Klavdia – 200 Kilometer zu Fuß deportiert

„Ich war zehn, als die Deutschen damals bei uns in der Ukraine einmarschierten“, erinnert sich Klavdia. „Opa hat uns mit dem Pferdewagen zu sich auf den Hof gebracht. ‚Die Deutschen sind gute Menschen‘, hat er gesagt. Deshalb sind wir nicht weg. Nachdem die Ernte eingebracht war, wurden wir deportiert. Richtung Odessa, 200 Kilometer zu Fuß. Ein Viertel der Menschen ist nicht angekommen und unterwegs gestorben.“

Klavdias Mutter hörte, wie einige Gefangene unterwegs Fluchtpläne schmiedeten, und schloss sich ihnen an. „Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir entkommen in den Wald. Plötzlich fing mein kleiner Bruder an zu weinen. Er hatte Hunger und Mama hatte keine Milch mehr. Da haben die anderen gedroht, meinen kleinen Bruder zu ersticken, damit er uns nicht verrät!“ Klavdia kommen die Tränen, als sie sich an diesen Moment erinnert.

„Opa und Oma haben unterwegs einen Bekannten wiedergetroffen, der hat sie mitgenommen. Chaim und Menja hießen sie. Wir haben sie nie wiedergesehen. Oma ist unterwegs gestorben. Opa ist den ganzen Weg bis Bogdanowka gelaufen. Als sie ankamen, wurden die Männer an einem Graben aufgestellt und erschossen.“

Klavdia und ihre Familie fanden Unterschlupf im rumänisch besetzten Ghetto Schabokrytsch, doch auch das wurde für viele zur Todesfalle. Klavdia überlebte mit ihrer Familie den Krieg, die Hungerjahre danach, den sowjetischen Antisemitismus. 1990 war sie mit ihrer Familie an Bord eines der ersten Flüge nach Israel.

CSI-Mitarbeiterin Claudia mit Leon, einem Überlebenden der Schoah aus Polen.

Wiedersehen in Nordisrael

In Kirjat Schmonah traf sie Roman, der in Schabokrytsch aufgewachsen war, als es noch ein jüdisches Schtetl war, und der fast seine ganze Familie an einem Tag bei einer Massenerschießung verlor. Nur zwei der Lebensgeschichten, die bei dem Treffen zu hören sind.

Claudia und Livia Tiersch, ebenfalls neu bei CSI, machen mit einem kleinen, feinen Team Musik für die Überlebenden; sie überbringen ihnen die Botschaft, dass sie auch an der Nordgrenze Israels nicht allein sind, sie teilen Umarmungen und Blumen aus. „Es hat den Überlebenden so gutgetan, mal rauszukommen“, sagt Irit. „Diese Wertschätzung zu erleben, die Lieder zu hören. Es war ein wunderbares Treffen.“

Die Musik zog auch Zaungäste an. „Hinterher kam ein Mann auf mich zu“, erzählt Livia. „Er war so bewegt von unserer Veranstaltung. Seine Eltern haben den Holocaust in Ungarn überlebt. Es hat ihn so berührt, uns zu erleben.“

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 144. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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