Israel im Krieg: Auf einmal gemeinsam im Schutzraum

Israel im Krieg: Auf einmal gemeinsam im Schutzraum

„Israel, du bist nicht allein!" Diese Botschaft brachten die Teilnehmenden der Mehrgenerationenreise von CSI mit ins Land. Foto: CSI

Es gibt verschiedene Wege, Israel im Krieg zu unterstützen. Einer davon ist, mit den Füßen auf israelischem Boden zu stehen, Israelis in die Augen zu schauen und persönlich die Botschaft zu überbringen: „Israel, du bist nicht allein!“ Mit diesem Auftrag waren gut 20 Teilnehmer im Juni zehn Tage lang im Rahmen der von Christen an der Seite Israels (CSI) durchgeführten Mehrgenerationenreise im Land unterwegs.

Von Anemone Rüger

Auch wenn touristische Highlights nicht fehlten – von einer Bootsfahrt auf dem See Genezareth bis zum beeindruckenden Blick auf die Altstadt Jerusalems vom Ölberg aus –, CSI-Reisen sind immer auch Reisen zu den Menschen Israels.

Zu Itay, der vor knapp einem Jahr seinen Sohn Eyal begrub – gefallen im Kampf gegen das, so kommt es einem vor, schiere Böse. Ein junger Mann voller Zukunftsträume, der immer auf das Wohl der anderen bedacht war. Jetzt bewirtet Itay die Gruppe aus Deutschland mit Kaffee und Keksen: In der Sitzecke, die Eyals Freunde zu seinem Andenken errichtet haben.

Zu Menschen wie Ester und Aharon und Meir – und insgesamt 30 Holocaust-Überlebenden, die im Jerusalemer Café Europa auf die deutschen Gäste warten, um miteinander die israelischen Volkslieder ihrer Jugendjahre zu singen, Geschichten zu hören und Freundschaften zu schließen. Am Ende geht jeder der Überlebenden mit einem Blumenstrauß und einer liebevoll gestalteten Karte nach Hause.

Es sind Reisen zu Menschen wie Nachman und Marnix, die als gläubiger Jude und als holländischer Christ Seite an Seite an den dramatischsten Brennpunkten in Israel präsent sind, um Verletzte und Opfer zu bergen. Zu den Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern der Bergungsorganisation ZAKA, die längst selbst Therapie benötigen, aber auch nicht davon abzubringen sind, dort einzuspringen, wo sie gebraucht werden.

Es sind Reisen zu Menschen wie Yaakov, die den 7. Oktober 2023 hautnah miterlebt, gekämpft und überlebt haben und davon sprechen, dass wir zusammenhalten müssen – Juden und Christen – im Kampf für die Wahrheit, für das Licht, gegen die Finsternis. Visionäre wie Yaakov, die ganz verschiedene Menschen zusammenbringen, um Weinstöcke für die Opfer zu pflanzen und Beziehungen für eine Zukunft im Frieden zu bauen.

Und überall dieselbe Reaktion: Ein Moment der Verwunderung, ungläubige Rückfragen, dann aufgewühlte Tränen. „Dass es noch Menschen gibt, die uns nicht hassen! Dass ihr jetzt hier seid, dass ihr zu uns steht … Ihr könnt nicht ermessen, was uns das bedeutet!“

Und plötzlich mitten im Krieg

Fast sind wir durch mit unserem Programm. Der nächste Tag steht zur freien Verfügung, um Jerusalem noch einmal auf eigene Faust zu durchstreifen. Doch der 13. Juni beginnt mit einer Gebets- und Krisensitzung: Israel befindet sich in offener Konfrontation mit dem Iran. Die folgenden Nächte erleben die Reiseteilnehmer, was es bedeutet, wenn der Alarm auf dem Handy schrillt und man 90 Sekunden hat, um aus dem siebten Stock des Hotels in den Schutzraum im Keller zu gelangen. Die zerstörerischen Raketen aus dem Iran, die auf die dicht bevölkerten Städte Israels zielen, kommen nachts, bevorzugt in den Stunden des Tiefschlafs. Die meisten werden vom israelischen Abfangsystem Iron Dome abgefangen, doch längst nicht alle. Nach wenigen Tagen gibt es Dutzende Todesopfer, Hunderte Verletzte, Tausende Obdachlose.

Zusammen mit israelischen Gästen, Religiösen und Säkularen sowie einer großen Gruppe von jungen Juden aus den USA sitzen wir als Reisegruppe Nacht um Nacht im Schutzraum und beten. Für uns. Für Jerusalem. Für Israel. Für die Menschen im Iran, die schon so lange um ihre Freiheit kämpfen. Noch nie waren wir Israel in seiner Not so nahe wie im Schutzraum. Bereuen die Teilnehmer, die Reise zu einer so riskanten Zeit gebucht zu haben?

„Ich empfinde es als eine Ehre, gerade jetzt hier in Israel zu sein“, sagt Daniela, eine Ärztin aus Süddeutschland. „Hier können wir plötzlich sehr greifbar an der Seite Israels stehen und mittendrin für dieses Land beten.“

„Die Begegnungen waren das Größte für mich auf der Reise“, sagt Esther, die in Süddeutschland einen Kindergarten leitet und vor wenigen Jahren meinte, nach ihrer zweiten Reise erstmal genug von Israel zu haben. „Aber nach dem 7. Oktober hatte ich so einen starken Wunsch, wieder nach Israel zu kommen und den Menschen zu sagen, dass sie nicht allein sind, sie zu ermutigen. Jetzt hat es geklappt, auf so besondere und von Gott geführte Weise. Wenn ich das alles im Voraus gewusst hätte, was uns bevorsteht – ich hätte es noch einmal ganz genauso gemacht.“

Nachtrag: Für die Dauer der akuten Kriegshandlungen wurden alle Flüge von und nach Israel ausgesetzt. Über unser Partner-Reisebüro Scuba konnten alle Teilnehmer per Land- und Luftweg über die Nachbarländer pünktlich nach Deutschland zurückgebracht werden. Über die Reisegruppe im Krieg berichtete auch BILD.

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