Das jüdische Fest Purim feiert die Rettung des jüdischen Volkes von den Mordabsichten des bösartigen Haman, der aus persönlicher Abneigung einen Plan ausklügelte, um das gesamte Volk zu vernichten. Die Geschichte wird in der „Esther-Rolle” erzählt, wie der traditionelle hebräische Name für das biblische Buch Esther lautet. Sie spielt im Persischen Reich, etwa fünf Jahrhunderte vor Christus und ist auch heute noch aktuell.
Von Kees de Vreugd, Christians for Israel International, Übersetzung Marie-Louise Weissenböck
Das Buch Esther schildert eine Geschichte, die das Schicksal der Juden unter den Völkern veranschaulicht. Immer wieder wurde das jüdische Volk in seiner Existenz bedroht. Von Ägypten zur Zeit des Pharaos – was dazu führte, dass Israel eine Nation wurde – über den feigen Angriff der Amalekiter in der Wüste bis hin zu den Pogromen in der Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit, die in der Schoah gipfelten, und schließlich dem amalekitischen (Anmerkung der Redaktion: Der Begriff „amalekitisch” bezeichnet einen Geist der Feindschaft gegen Israel, wie er sich in Hamas und anderen Terrorgruppen manifestiert) Terrorangriff am 7. Oktober 2023: Immer hat die bloße Existenz des Volkes Israel Feindseligkeit hervorgerufen.
Dabei spielen alle möglichen Motive eine Rolle; Motive, die bereits im Buch Esther auftauchen und sich durch die Geschichte hindurch bis heute wiederholen. Das Motiv, das Haman dem persischen König Ahasveros für die Vernichtung der Juden vorbringt, ist vielsagend: „Es gibt ein bestimmtes Volk, das unter den Völkern in allen Provinzen deines Reiches verstreut lebt und sich absondert. Seine Gesetze unterscheiden sich von denen aller anderen Völker und es befolgt die Gesetze des Königs nicht; es liegt nicht im Interesse des Königs, es zu dulden.“ (Esther 3,8)
In der Folge wird ein Gesetz erlassen mit dem Befehl, alle Juden zu vernichten, zu töten und auszurotten (Esther 3,13). Etwa zur gleichen Zeit erhält Daniel seine Visionen (Daniel 11), die in verschleierter Sprache unter anderem vom bevorstehenden Angriff Antiochus IV. Epiphanes auf das jüdische Leben und die jüdische Identität sprechen; ein bewusster und gezielter Versuch, Israel vollständig zu hellenisieren oder auszurotten.
Tatsächlich geht es immer um Israels Identität als Gottes Volk, die die Welt verabscheut. Israel dient dem einen, unsichtbaren Gott, der nicht dargestellt werden kann, und befolgt Gesetze und Regeln, die sich völlig von dem unterscheiden, was in der umgebenden Kultur als selbstverständlich gilt: Seine Erwählung und die Tora machen Israel anders. Dies zeigt sich deutlich an Mordechai, der sich weigert, sich vor Haman zu verbeugen. Der Jude verbeugt sich nur vor dem einen Gott. Die Haltung dieses einen Juden ist für Haman Grund genug, das gesamte Volk auszurotten.
„Europa lässt die Juden zum zweiten Mal im Stich“
Dies ist ein weiteres wiederkehrendes Motiv. Auch heute noch werden Juden weltweit nach den Handlungen des Staates Israel beurteilt. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich mit diesem identifizieren oder nicht. Persien, wo das jüdische Volk zur Zeit Esthers von der Vernichtung bedroht war, ist der heutige Iran. Auch heute noch herrscht dort ein Regime, das Israel feindlich gesinnt ist. Das iranische Volk sieht dies jedoch anders.
Die iranische Schriftstellerin Atti Bahadori, die in den Niederlanden lebt, besuchte kürzlich Israel und erzählte einer niederländischen Zeitung (De Telegraaf, 8. Januar 2026), dass sie von dem Empfang, den sie erhielt, überrascht und bewegt war: „Ich bin noch nie so oft umarmt worden.“ Die Juden und das iranische Volk kämpften denselben Kampf, so Bahadori. Es ist der Kampf gegen den Islamismus. „Für mich ist es schrecklich zu sehen, wie Europa die Juden zum zweiten Mal im Stich lässt.“
In der Geschichte von Esther fallen die Masken: Das Böse wird entlarvt und Esthers Identität als Jüdin wird offenbart. Heute scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Israel, das um seine Existenz kämpft, wird auf internationalen Bühnen und in den sozialen Medien als das ultimative Böse dargestellt, während westliche Staaten sich der Macht des radikalen Islam beugen, die nicht nur Israel und Christen weltweit bedroht, sondern auch jede andere abweichende Lebensweise. Wann werden die Staats- und Regierungschefs der Welt endlich die Augen öffnen?
Als sich das Blatt in der Geschichte von Esther wendet, schließen sich viele den Juden an (Esther 8,17). Israel ist ein Segen für die Welt. Trotz Hass und Feindseligkeit segnet Israel die Welt, zum Beispiel durch technologische Entwicklungen und Erste Hilfe bei Katastrophen. Vor allem aber erinnert uns die Existenz Israels an Gott. Damit stellt es die Gemeinschaft der Nationen vor die Wahl Gott zu dienen oder Gottes Segen abzulehnen.
Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 144. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.