Israel und die Völker – Wechselvolle Geschichte und ein gutes Ende

Israel und die Völker – Wechselvolle Geschichte und ein gutes Ende

Israel und die Völker – vor dem UN-Gebäude in New York wehen die Flaggen gemeinsam im Wind. Alle Fotos: Dana Nowak

Gott steht im Bund mit Israel. Und Gott hat ein Herz für die Völker. Aus dem Gegenüber von Israel und den Völkern entwickelte sich eine wechselvolle Geschichte, die die ganze Bibel durchzieht und hier nachgezeichnet werden soll. Ein großes, ein beeindruckendes Thema, dem es nachzuspüren lohnt. Auch in den Ereignissen um die Geburt Jesu spiegelt sie sich wider.

Von Dr. Tobias Krämer

Es kommt selten vor, dass jemand vor seinem offiziellen Geburtsdatum geboren wird. Im Fall von Jesus ist das so. Sein Geburtsjahr liegt wahrscheinlich in den Jahren sieben bis vier – vor Christus wohlgemerkt. Natürlich ist Jesus Jude unter Juden, sonst könnte er nicht der Messias sein und auch nicht der Heilsbringer der Welt. Denn „das Heil kommt von den Juden“ – so formuliert es Jesus in Johannes 4,22 –, nirgendwoher sonst. Und gemeint ist: Es kommt von den Juden und geht hinaus in die Welt.

Jesus und die Völker

Als Messias wurde Jesus in Bethlehem geboren. Das musste so sein (Matthäus 2,4–6). Zugleich strahlte sein Licht gleich nach seiner Geburt in die Völkerwelt hinaus, so dass sich die „drei Weisen aus dem Morgenland“ aufmachten, um ihn zu ehren (Matthäus 2,1–12). Innerjüdisch wurde Jesus begeistert willkommen geheißen; man denke an die Hirten oder prophetische Leute wie Hanna und Simeon (Lukas 1–2). Doch stieß Jesus auch auf Feindschaft. Herodes sah ihn als Konkurrenten an und wollte ihn ermorden lassen. Die junge Jesus-Familie musste ausweichen. Nach Ägypten, zu den Heiden. Dort war Jesus sicher (Matthäus 2,13–23). Am Ende waren es jedoch auch Heiden, die Jesus ermordeten: die Weltmacht Rom. Die Heiden spielten also von jeher eine zwiespältige Rolle. Das war immer so und wird auch weiterhin so sein.

Jesus hatte während seiner Erdenzeit wenig Kontakt zu Nichtjuden. Vielsagend ist die Begegnung Jesu mit einer kanaanäischen Frau, die Heilung für ihr Kind will. Davon erzählt Matthäus 15,21–28. Jesus verweigert sich zunächst mit Verweis auf seinen Auftrag: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ (V. 24) Die Frau hakt nach, doch Jesus lässt sie buchstäblich abblitzen: „Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“ (V. 26) Sie erwidert: „Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ (V. 27) Die Frau anerkennt, dass Israel Vorrang hat. Diese Demut bringt sie auf. Sie hat aber auch den Glauben, dass für sie „etwas übrigbleibt“. Diesen Glauben honoriert Jesus: „Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst“, (V. 28) und das Kind wird geheilt. Deutlich ist: Es ist und bleibt der Glaube, der Nichtjuden Zugang zum jüdischen Messias verschafft. Bis zum heutigen Tag.

Israel, erwähltes Gottesvolk

Springen wir zurück an den Anfang. Die Geschichte, die die Bibel erzählt, beginnt mit Abraham (1. Mose 12,1–3: Abraham-Bund). Abraham erhält von Gott die Zusage, ein Volk und ein Land zu bekommen. Die Rede ist von Israel. Hier sieht man bereits, dass Israel eine Sonderstellung hat. Dem entspricht 5. Mose 7,6–8, wo gesagt wird, dass Gott Israel „aus allen Völkern, die auf der Erde sind“, erwählt hat. Gott will also Israel. Gottes „Israel-Projekt“ ist aber kein Selbstzweck. Es dient dazu, die gesamte Menschheit zu segnen. Dieses Konzept können die Heiden begrüßen, dann wird Gott sie segnen, oder sie können es bekämpfen, dann ernten sie Gottes Fluch (1. Mose 12,3).

Israel stellt uns alle vor die Wahl. Und diese Wahl hat Auswirkungen. Der Enkel Abrahams, Jakob, musste mit seinen zwölf Söhnen nach Ägypten ziehen, um dem Hunger zu entkommen. Ägypten war für Israel die Rettung. Später wurde Ägypten zum Sklavenhalter Israels – und scheiterte am Ende selbst daran. Ein Volk, zwei Gesichter. Gott holte Israel aus Ägypten heraus und führte es in das verheißene Land. Die „Landnahme“ ging mit militärischer Gewalt vor sich. Dies ist historisch gesehen die einzige Phase, in der Israel auf Anweisung Gottes hin Völker bekämpfte und Land eroberte. Gott und Israel waren damals bereit dazu, doch passt es nicht zu ihrem Wesen. Weder Gott noch die Juden denken in den Kategorien von Eroberung und Unterwerfung. Damals nicht und auch heute nicht.

Als erwähltes Volk war Israel Gott verpflichtet und hielt meist Distanz zu den Völkern. Nehemia forderte sogar die Auflösung der „Mischehen“ zwischen Juden und nichtjüdischen Frauen (Nehemia 13). Jüdischer Glaube ist durch nichtjüdische Einflüsse bedroht; das weiß Israel.

Doch war die Abgrenzung nicht undurchlässig: Mose war sich nicht zu schade auf den Midianiter Jitro, seinen Schwiegervater, zu hören, der empfahl, in Israel neue Rechtsstrukturen zu schaffen (2. Mose 18). Die Kanaanäerin Rahab, eine Prostituierte, half bei der Einnahme Jerichos und durfte Teil des Volkes Israel werden (Josua 2 und 6). Die Moabiterin Rut begleitetet ihre Schwiegermutter Naomi zurück nach Israel und wurde Jüdin: „Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“ (Rut 1,16) Rahab und Rut wurden in Israel integriert. Sie wurden sogar zu Vorfahren Jesu (Matthäus 1,5). Doch dies sind Einzelfälle und ist auch gar nicht das Ziel.

Manchmal wurden ganze Stämme integriert. So ertricksten sich die Gibeoniter Bleiberecht in Israel mit einer List (Josua 9). Anders lief es mit den Jebusitern, den Bewohnern Jerusalems. Sie wurden in das Volk Israel aufgenommen, als David Jerusalem eroberte, und gehörten fortan dazu (2. Samuel 5,6–10).

Nation unter Nationen

Unter David wurde Israel geeint und zur Blüte geführt. Die Nation Israel hatte Freunde und Feinde. Zu den Dauerfeinden gehörten die Philister, während beispielsweise die Phönizier langjährige Freunde und Handelspartner waren. Israel führte viele Kriege – Verteidigungskriege. Sieg und Niederlage waren jedoch weniger eine Sache militärischer Fähigkeiten als vielmehr eine Frage des Gehorsams gegenüber Gott: Ein gehorsames Israel siegte, ein ungehorsames fiel den Feinden zum Opfer.

Aus diesem Grund konnten die Nationen sogar zum „Gerichtswerkzeug“ Gottes werden. Insbesondere die Babylonier, die Juda ins Exil führten, werden so gesehen (Jeremia/Hesekiel). Doch werden die Völker zugleich gewarnt, nicht über die Stränge zu schlagen. Gewaltexzesse gegen Juden sind keineswegs in Gottes Sinn (Sacharja 1,15). Wer meint, die Schoah (der Holocaust) sei ein Gericht Gottes, hat nicht verstanden: Gott geht es nicht um Vernichtung,
sondern um Erziehung Israels. Jeglichen Judenhass lehnt Gott ab.

Deshalb gibt es auch das Gegenteil in der Bibel: Gott reagiert allergisch, wenn Völker sich an Israel vergehen. Deshalb werden im Endgericht die Völker daran gemessen, wie sie mit Israel umgegangen sind (Joel 4,1–3; vgl. Matthäus 25,31–46). Denn Gott hat gute Pläne für Israel. Am Ende wird er Israel aus den Völkern herausholen, wieder in sein Land bringen und geistlich erneuern (Jeremia 31–33; Hesekiel 36–39). Dann wird Israel wieder Nation unter den Nationen sein (wie es seit 1948 bereits der Fall ist) und für immer Bestand haben.

Eines Tages werden sich die Nationen gemeinsam aufmachen, um nach Zion zu ziehen – nach Jerusalem.

Eines Tages wird Israel die Welt missionieren. Nach Jesaja 55,5 kommt die Zeit, dass Juden die Völker zum Gott Israels rufen werden. Wurde dies durch Völkermissionare wie Paulus bereits erfüllt oder betrifft es das wiederauferstandene Israel am Ende der Tage? Pointiert sagt Sacharja 8,23: „An jenem Tag werden zehn Männer aus allen Sprachen der Nationen den Mantel eines Juden ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.“

Hier kann man fragen, wer gemeint ist: jeder Jude, fromme Juden, messianische Juden oder der Jude Jesus? Blickt man auf die „Völkerwallfahrt“ von Jesaja 2,2–4, dann wird Israel noch in seine Bestimmung kommen. Dort wird gesagt, dass Israel am Ende der Tage wie ein Magnet wirken wird. Durch die Völkerwelt wird plötzlich ein Ruck gehen und die Nationen machen sich gemeinsam auf, um zum Zion zu ziehen. Dort begegnen sie dem Gott Israels, empfangen Gottes Wort und gelangen auf diese Weise in einen weltweiten Frieden, der nie wieder vergehen wird. Ewiger Friede auf der ganzen Welt. Ist das nicht atemberaubend?

Der Messias, Israel und die Völker

Israels Problem besteht darin, dass es Gott selten vollkommen treu war. Das trifft für das alte Israel zu und für das heutige ebenso. Deshalb hat Israel nie vollkommen seine Bestimmung erreicht. Bei allem Guten, was von Israel zu sagen ist, bleibt diese Differenz. Diese Tatsache führte zu einem neuen Konzept: Israel braucht einen Erlöser, den Messias. Nach dem Neuen Testament ist das Jesus.

Paulus sagt in Römer 11,25–27, dass dieser Erlöser eines Tages kommen und Israel von seinen Sünden befreien wird. Die Folge: „Ganz Israel wird gerettet werden.“ (V. 26) Das ganze Volk, nicht nur ein Teil. Was für eine gewaltige Aussage! Der Messias Jesus ist aber nicht nur Erlöser Israels, sondern auch dessen Repräsentant. So repräsentiert Jesus zum Beispiel Israel vor den Völkern.

Indem Jesus der einzige vollkommen gerechte Jude ist, gelingt ihm das, was eigentlich Israels Aufgabe wäre: Licht der Welt zu sein (Jesaja 60,1–3; Johannes 8,12). Wenn Jesus das Licht der Welt ist, dann ist er es stellvertretend für Israel. Er vertritt sein Volk in einer Aufgabe, die Israel nur ansatzweise erfüllt hat, die Gott aber unbedingt erfüllt haben will: Licht in die Welt zu bringen! Der Messias schafft, was Israel nicht schafft. Denn Israel ist selbst erlösungsbedürftig.

Das heißt: Israel braucht den Erlöser und die Welt braucht ihn auch. Beide Dimensionen finden sich bereits in Jesaja 49,5–6: Der Erlöser wird Israel wiederherstellen, doch wird er zugleich zum „Licht der Völker“ werden (vgl. Lukas 2,29–32). Beide, Israel und die Völker, sind auf den Messias angewiesen. Ohne ihn geht nichts.

Israel und die Völkermission

Die Juden sind an sich nicht missionarisch. Geläufig ist allerdings der Gedanke, dass in der messianischen Zeit die Völker zum Gott Israels dazukommen dürfen (Talmud Sanhedrin 98b). Der große Gelehrte Maimonides spricht gar von einem Programm der Welterlösung. Seine Perspektive: Wenn der Messias kommt, wird er das Haus Israel sammeln, die Gebote wiederherstellen, die Könige der Heiden unterwerfen und die ganze Welt unter die Herrschaft Gottes bringen. In seiner Zeit werden die Nationen der Erde in Frieden leben, die Völker werden zu Israel hinzukommen und sie werden erkennen, dass der Gott Israels der Herrscher der Welt ist (Mischne Tora, Hilchot Melachim 11,1–3).

Aus neutestamentlicher Sicht hat die messianische Zeit mit Jesus begonnen. Von daher wundert es nicht, dass Jesus seine Jünger – allesamt Juden – zur Völkermission ausgesandt hat (Matthäus 28; Markus 16). Später war es Gott im Himmel, der Petrus in einer Vision aufforderte, zu den Heiden zu gehen (Apostelgeschichte 10).

Paulus wiederum wurde persönlich von Jesus in die Völkermission gesandt (Apostelgeschichte 9). Am Anfang waren es ausschließlich Juden, die das Evangelium in die Welt brachten. Denn das Heil kommt, wie gesehen, von den Juden. Dort liegt sein Ursprung.

Diesen Auftrag hat Paulus auch in der Schrift (dem Alten Testament) vorgefunden. In Jesaja 66,18–20 sagt Gott: „Ich will […] einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden […], wo man nichts von mir gehört hat.“ Paulus war errettet. Und er hatte das spezielle Ziel, dort zu missionieren, wo man das Evangelium noch nie gehört hat (Römer 15,20). So kann man sagen: Paulus sah seine Völkermission als Erfüllung von Jesaja 66. Für Paulus war es von entscheidender Bedeutung, dass Heidenchristen keine Juden werden mussten (Apostelgeschichte 15). Sie blieben Teil ihrer Völker, glaubten aber an Jesus.

Ebenso wichtig war es ihm, dass sie in den Ölbaum von Römer 11 „eingepfropft“ worden waren. Das heißt: Heidenchristen haben Anteil am Heilshandeln Gottes mit Israel. Dies ist der Kern ihrer Identität. Ist uns Christen das bewusst? Vermutlich war der Horizont des Paulus aber noch weiter. Manche Exegeten sagen, Paulus wollte die Völkerwallfahrt von Jesaja 2 (siehe oben) in Gang setzen. Trifft dies zu, hätte Paulus sich als Initiator dieser weltumspannenden Bewegung gesehen.

Dies ist möglich, war doch Paulus derjenige, der das Evangelium hinaus zu den Völkern tragen sollte (Galater 2,7). Das war seine Berufung. Insofern hat Paulus tatsächlich den Anfang gesetzt. Paulus hat die Völkermission unter einer besonderen Perspektive praktiziert. Durch die Bekehrung der Heiden wollte er seine Judengenossen „eifersüchtig“ machen, so dass diese zum Glauben an Jesus finden würden (Röm 11,13–14). Das war der Plan. Nichts ersehnte Paulus mehr als das, obwohl er von der Rettung ganz Israels am Ende der Zeit wusste (Römer 11,26). Im Hinblick darauf ruft er den Völkern zu: „Freut euch, ihr Völker, mit seinem Volk!“ (Römer 15,10)

Was bringt die Zukunft?

Die Bibel endet nicht mit dem Römerbrief. Eine Fülle großer Verheißungen wartet noch auf uns. Jesaja 2 (die Völkerwallfahrt nach Zion) haben wir schon kennengelernt. Hier einige weitere Texte, die speziell das Verhältnis von Israel und den Völkern thematisieren:

Es kommt die Zeit, in der Menschen aus der Völkerwelt den Juden helfen werden, nach Israel zurückzukehren. Von grandioser Unterstützung ist die Rede, bis tief ins Materielle hinein (Jesaja 60). Im kleinen Stil geschieht dies bereits, im großen wird es kommen.

Es kommt die Zeit, in der Israel nicht mehr für sich allein Gott dienen wird. Auch andere Nationen werden das tun. In Jesaja 19,21–25 kündigt Gott beispielhaft an: „Zu der Zeit wird Israel der Dritte sein mit Ägypten und Assyrien, ein Segen mitten auf Erden.“ (V. 24)

Es kommt die Zeit, in der ein so kleiner Landstrich wie Gaza erneuert wird. In Sacharja 9,7 wird angekündigt, dass Gaza wie ein Verwandter beziehungsweise wie ein Stamm Israels werden wird. Auch diese alte Feindschaft wird enden.

Es kommt die Zeit, in der die Völker gegen Israel in den Krieg ziehen werden (Hesekiel 38–39; Sacharja 12–14). Möglicherweise findet diese Endzeitschlacht erst nach dem tausendjährigen Reich statt (vgl. Offenbarung 20,7–10). Jedenfalls wird sie nur Episode sein und in den Sieg Jesu einmünden.

Es kommt die Zeit, in der die großen, gefährlichen Weltreiche dem Reich Gottes weichen müssen (Daniel 2). Dies gilt nicht zuletzt für die Christen mordende „Hure Babylon“ (Offenbarung 17–19). Gott kommt zum Ziel.

Es kommt die Zeit, in der die Völker nach Israel ziehen, um das Laubhüttenfest zu feiern (Sacharja 14,16–19). Sie stehen also positiv zum jüdischen Volk, seinem Gott und seinem Glauben. Vielleicht ist dieser Text ein Bild für die neue Welt.

Die zeitliche Einordnung dieser Texte fällt schwer und ist auch gar nicht der Punkt. Entscheidend ist, wo Gott die Geschichte hinführt. Er führt sie an den Punkt, wo die Völker im Licht des neuen Jerusalem wandeln und „seine Völker“ sein werden (Offenbarung 21,3+24). Dann ist Friede, dann ist alles gut. Möglicherweise verliert Israel dabei seine Sonderstellung. Denn wenn alle Völker zu Gott gehören, dann hat Israel nicht mehr allein dieses Privileg. Es ist dann Gottes Volk unter Gottes Völkern. Was könnte es Besseres geben? Bis dahin aber – und das ist für uns heute wichtig – behält Israel seine Sonderstellung. Da gibt es nichts zu rütteln.

Schlussgedanken

Das Beziehungsnetz zwischen Israel und den Völkern besteht aus vielen Fäden. Es ist vielschichtig und komplex. Dies liegt nicht zuletzt an Gott selbst. Denn Gott ist in Personalunion beides: Gott Israels und König der Völker (Psalm 47). Auf keines von beidem verzichtet er. Die Erwählung Israels bedeutet somit nicht, dass Gott die Völker abschreiben würde. Im Gegenteil: Er will sie durch Israel segnen. Umgekehrt gilt: Dass Gott (durch Jesus) die Völker erreicht, bedeutet nicht, dass er Israel abgeschrieben hätte. Im Gegenteil: Er will, dass die Völker Israel segnen. Segenskreisläufe sind das Konzept Gottes. Sie beginnen bei jedem Einzelnen.

Jedes Denken in den Kategorien von Ausschließlichkeit oder Feindschaft ist verfehlt. Man kann Gott nicht auf eine Seite ziehen und gegen die andere in Stellung bringen. Da macht er nicht mit. Gott will Israel und die Völker in ein positives Verhältnis zueinander bringen. Die Menschheit wird es jedoch nicht schaffen, an diesen Punkt zu kommen. Zu sehr ist sie in Israelfeindschaft und Judenhass, ja in Sünde befangen. Daraus kann sie sich nicht selbst befreien. Wenn dieses Ziel tatsächlich erreicht werden soll, dann brauchen alle Gottes Erlösung – sie brauchen sein Erbarmen. Und das Große ist: Sie bekommen es auch! Paulus formuliert es so: „Gott hat alle Menschen ihrem Ungehorsam preisgegeben, damit er sich aller erbarme“ (Römer 11,32) – eine außergewöhnliche Perspektive.

Dieses Erbarmen schließt mit ein, dass jegliche Sünde offengelegt und überwunden wird, darunter auch Judenfeindschaft. Dies bedeutet Zerbruch: die Konfrontation mit der eigenen Sündengeschichte, das Entsetzen über sich selbst. Das betrifft nicht nur die Völker, sondern auch die Christenheit. Am Ende aber steht Gottes Erbarmen. „Erbarmen über alle – das ist das Ziel der Wege Gottes mit seinem Volk Israel.“ (Klaus Wengst)

Feiern Sie doch Weihnachten einmal im Hinblick auf diese große Thematik. So bekommt jener hohe Tag einen neuen Glanz. In diesem Sinn: Frohes Fest!

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 143. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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