Jüdische Feste: Purim – das Volk Israel lebt!

Jüdische Feste: Purim – das Volk Israel lebt!

Gebäck auf Teller
Zum Purimfest werden, neben vielen anderen Köstlichkeiten, die typischen mit Mohn gefüllten Hamantaschen gereicht. Foto: SheriSilver | Unsplash

In diesem Jahr fällt das Purim-Fest auf den 14. März. Es gehört nicht zu den großen Festen der Tora, denn es ist erst im 5. Jahrhundert vor Christus entstanden. Die Vorgeschichte aber ist dramatisch – und auf beklemmende Weise aktuell. Sie sei kurz erzählt.

Von Dr. Tobias Krämer

Am königlichen Palast in Persien gibt es einen großen Fürsten. Sein Name ist Haman. Der König ist von Haman so begeistert, dass er ihn zum Vize-König macht. Per Gesetz ordnet der König an, dass jeder sich vor Haman verbeugen muss – immer und überall. Und das machen die Leute auch. Auf seinem Weg in den Palast kommt Haman jeden Tag an einem unscheinbaren Juden vorbei. Sein Name: Mordechai. Mordechai ist ein Nobody. Er hat keinen Rang und eigentlich keine Bedeutung. Das Problem ist nur: Mordechai verbeugt sich nicht. Wahrscheinlich will er seine Knie nur vor Gott beugen.

Haman regt sich auf wie ein kleines Kind: „Und als Haman sah, dass Mordechai nicht die Knie beugte, noch vor ihm niederfiel, wurde er von Zorn erfüllt.“ (Esther 3,5) Das muss man sich mal vorstellen! Diesem Mann liegt die ganze Welt zu Füßen, nur einer nicht – und das macht ihn zornig. Haman ist nicht groß. Er ist ein verwöhnter Bengel, bei dem die Minderwertigkeit in Größenwahn umgeschlagen ist. Was nun aber kommt, schlägt dem Fass den Boden heraus: Haman will, dass nicht nur Mordechai, sondern das ganze Volk der Juden im ganzen Perserreich ausgerottet wird. Tausende von Menschen – nur wegen verletztem Stolz.

Die Geschichte geht gut aus, weil Gott vorgesorgt hat. Gott hat Esther, eine Jüdin, kurze Zeit vorher zur Königin des Perserreiches werden lassen. Mit viel Weisheit, Geschick und Mut findet sie einen Weg, die bedrohliche Situation beim König anzusprechen. Der König ist total sauer und geht nun seinerseits gegen Haman vor. Am Schluss hängt Haman am Galgen, nicht Mordechai. Die Gefahr ist gebannt. Seither feiern die Juden Purim (zu Deutsch soviel wie Los, Schicksal).

An Purim lesen Juden in den Synagogen die Esther-Rolle. Sie machen „lange Nasen“ und Krach wenn Hamans Name gelesen wird. Foto: Yaakov Lederman/Flash90

Das Leben feiern

Purim ist ein fröhliches Fest. Es erinnert ein wenig an Karneval. Man ist ausgelassen, trinkt zu viel Alkohol (nur an diesem Tag), verkleidet sich, macht sich Geschenke, haut sich den Bauch voller Süßigkeiten und feiert. Man feiert das Leben – oder das Überleben. Man feiert die Befreiung und den Sieg Gottes. In der Synagoge geht es an diesem Tag gesetzter zu, aber nicht wirklich ernst. Das ganze Buch Esther wird vorgelesen. An einem Stück. Das dauert ungefähr 45 Minuten. Die Juden bringen Rasseln mit. Und laute Rätschen, die einen gewaltigen Krach machen. Manche haben auch Pfeifen dabei oder sonstige Instrumente. Alles, was Lärm macht, ist erwünscht. Diese Krachmacher kommen gezielt zum Einsatz. Jedes Mal, wenn beim Vorlesen des Estherbuches der Name Haman fällt, blasen, rasseln, trampeln und rätschen die Leute was das Zeug hält. Auf diese Weise soll der Name Haman ausgelöscht werden. Und das geschieht auch. Haman geht buchstäblich im Lärm der Synagogengemeinde unter.

Gemeint ist aber nicht nur Haman, sondern alle Israelfeinde. Gott wird sie alle besiegen, Israel aber wird leben: Am Israel chai (das Volk Israel lebt)!

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