Kolumne: Auf ein Wort – Iran

Kolumne: Auf ein Wort – Iran

Dr. Tobias Krämer leitet den Bereich Theologie und Gemeinde bei Christen an der Seite Israels. Foto: CSI

Israel-Wochenende in einer christlichen Gemeinde. Ich predige im Gottesdienst, danach kommen viele Leute zum Gespräch. Ich sehe in der Ferne einen Mann mittleren Alters stehen. Er hat fremdländisches Aussehen und es ist offensichtlich, dass er als Letzter mit mir sprechen möchte, wenn niemand mehr da ist. Was mag er wohl wollen?

Von Dr. Tobias Krämer

Die Kirche leert sich und ich gehe auf ihn zu. Der Mann heißt Ali. Ali ist Iraner. Vor vielen Jahren ist er nach Deutschland gekommen, er, seine Frau und seine Kinder. Im Iran war er zum christlichen Glauben gekommen und wurde verfolgt. Ali musste fliehen und Deutschland war seine Rettung. Hier hat er eine neue Heimat gefunden und dafür ist er unendlich dankbar. Er spricht fließend Deutsch, hat einen festen Job, seine Kinder studieren. Ein Beispiel von gelungener Integration.

Ali ist erschüttert über die Vorgänge im Iran. So viele Menschen wurden vom Mullah-Regime getötet oder verletzt, darunter auch Bekannte von Ali. Ali weint. Er ist verzweifelt und fragt mich, ob ich eine Botschaft an Christen in meinem Umfeld ausrichten kann. „Welche Botschaft?“, frage ich. Ali berichtet, dass die iranische Bevölkerung zum großen Teil ganz anders ist. Eigentlich, so erklärt er, sei das iranische Volk traditionell israel- und judenfreundlich. Aber das Mullah-Regime sei es nicht. Und so sei der Iran gegen den Willen des eigenen Volkes zum Erzfeind Israels geworden.

Mich bewegen Alis Worte. Ich habe mich in all den Jahren mit dem Iran beschäftigt und weiß, dass die Bevölkerung anders denkt als die Mullahs und welche fortschrittliche Geschichte der Iran hinter sich hat. Mein Eindruck war schon immer, dass Gott den Iran in Nahost gebrauchen will, dieser nun aber unterdrückt wird. Ali unterstreicht das. Er kommt auf den alten Perserkönig Kyros zu sprechen. Kyros hat die Rückkehr der Juden aus dem Exil ermöglicht und wird deshalb in Jesaja 45,1 als Gesalbter (Maschiach/Messias) bezeichnet. Das ist das Erbe des Iran. Was für eine Geschichte!

Ich verspreche Ali, seine Botschaft weiterzugeben. Dieses Versprechen löse ich hiermit ein.

Chazak u‘varuch – seien Sie stark und gesegnet!

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 144. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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