Kommentar: Christen in Israel und dem Nahen Osten

Kommentar: Christen in Israel und dem Nahen Osten

Israels Staatspräsident Jitzchak Herzog (M.) bei einem Empfang mit christlichen Würdenträgern in seiner Jerusalemer Residenz. Foto: Maayan Toaf | GPO

Israel ist der einzige Staat im Nahen Osten, in dem die christliche Gemeinschaft wächst und gedeiht. Dies ist kein Zufall. Seit seiner Gründung betrachtet Israel Christen im Nahen Osten und vor allem seine eigene christliche Gemeinschaft als seine natürlichen Verbündeten und Partner.

Von Caroline Glick, Übersetzung Marie-Louise Weissenböck

Christen in Israel sind Kommandeure in der Armee. Sie sind Richter am Obersten Gerichtshof. Sie sind Diplomaten und Reality-TV-Stars. Und ihr Wohlergehen spiegelt sich in ihrer Zahl wider. Im Jahr 1948 lebten 34.000 Christen im Staat Israel. Heute sind es 188.000. Christen sind vollwertige und gleichberechtigte Bürger Israels. Sie haben per Gesetz die gleichen Rechte wie israelische Juden. Ihr Pro-Kopf-Einkommen und ihr Bildungsniveau gehören zu den höchsten in Israel.

Obwohl der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung Israels zurückgegangen ist, ist dies keinesfalls auf Verfolgung von Christen zurückzuführen. Es ist vielmehr das Ergebnis des enormen Anstiegs der jüdischen Bevölkerung in Israel durch aufeinanderfolgende Wellen jüdischer Einwanderung. Im Jahr 1948 lebten 650.000 Juden in Israel. Die erste große Einwanderungswelle von Juden nach der Gründung Israels kam aus der arabischen Welt. Rund 800.000 Juden wurden in einer international weitgehend ignorierten massiven ethnischen Säuberung aus ihren Häusern und Gemeinden in der arabischen Welt vertrieben. Ebenso wanderten mehr als eine Million Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel aus, als sich die Tore der Sowjetunion endlich öffneten.

Heute sind es die christlichen Gemeinschaften, die aus vielen Ländern des Nahen Ostens vertrieben werden. Israels Botschafter für Aserbaidschan, George Deek, ein christlicher Araber, erklärte dazu bereits 2014 bei einer Rede in Oslo: „Die ethnische Säuberung der Christen im Nahen Osten ist das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit des 21. Jahrhunderts. In nur zwei Jahrzehnten ist der Anteil von Christen wie mir an der Bevölkerung des Nahen Ostens von zwanzig Prozent auf heute nur noch vier Prozent gesunken.“

Christliche Gemeinschaften im Nahen Osten werden oft gezwungen, ihren Glauben zu verbergen. Dan Burmawi, ein jordanischer Konvertit zum Christentum, der im Exil lebt, erinnerte in einem kürzlich erschienenen Essay auf X daran, dass Christen in Fuheis, der letzten Stadt Jordaniens mit christlicher Mehrheit, im vergangenen Jahr eine Statue von Jesus auf dem Stadtplatz aufgestellt hatten. „Innerhalb von zwei Stunden wurden sie gezwungen, sie wieder zu entfernen, da sie als Provokation für Muslime angesehen wurde.“

Netanjahu: Werden uns für Christen einsetzen

Vor einigen Monaten hat die israelische Armee auf Anweisung von Premierminister Benjamin Netanjahu in Syrien eingegriffen, um das dortige Massaker an den Drusen zu beenden. Er hat auch wiederholt erklärt, dass Israel sich weiterhin für die Verteidigung bedrohter christlicher Gemeinschaften von Syrien bis Nigeria einsetzen werde.

Diejenigen, die falsche Behauptungen über die Verfolgung von Christen durch den israelischen Staat aufstellen und ein ebenso falsches Bild vom christlichen Leben in der muslimisch-arabischen Welt zeichnen, verdrehen die Realität. Ihnen Glauben zu schenken, heißt dazu beizutragen, dass die Welt für Juden weniger sicher wird. Diejenigen, die durch diese Verzerrungen wirklich Schaden nehmen, sind die Menschen, um die sie sich angeblich kümmern: die Christen im Nahen Osten.

Zur Person

Caroline Glick (*1969) ist eine amerikanisch-israelische Kolumnistin, Journalistin und Autorin. 1991 wanderte sie nach Israel aus, nachdem sie ihren Bachelor in Politikwissenschaft an der Columbia University erworben hatte.

Möchten Sie mehr über die Lage der Christen in Israel erfahren? In diesem englischsprachigen Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender CBN erzählt der aramäische Christ Shadi Khalloul, Gründer der Israeli Christian Aramaic Organisation, was es bedeutet, in Israel Christ zu sein.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 144. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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