Kommentar: Ein Unwort aus Jerusalem

Kommentar: Ein Unwort aus Jerusalem

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Eine gemeinsame Erklärung der Patriarchen und Kirchenväter aus Jerusalem zum „christlichen Zionismus" hat eine breite Debatte ausgelöst. Foto: Dariusz Kanderz | Unsplash

In einer gemeinsamen Erklärung warnen Patriarchen und Kirchenführer in Jerusalem vor christlichem Zionismus. Dazu ein Kommentar von Josias Terschüren, Leiter des Arbeitsbereiches Politik und Gesellschaft bei Christen an der Seite Israels (CSI).

Eine kryptische Erklärung der Patriarchen der Kirchen aus Jerusalem vom 17. Januar hat vor allem in den USA eine Debatte über Ersatztheologie und christlichen Zionismus ausgelöst. In ihrem vagen Schreiben kritisieren die Kirchenvertreter „Aktivitäten lokaler Personen“, die schädliche Ideologien wie den christlichen Zionismus vertreten, die Öffentlichkeit irreführten, Verwirrung säten und die Einheit der Herde schädigten. Diese fänden Anklang bei politischen Akteuren in Israel und darüber hinaus, die eine Agenda verfolgten, die der christlichen Präsenz im Heiligen Land und Nahen Osten schade.

Dieses unkonkrete „Unwort aus Jerusalem“ ist ein Schmähbrief. Weder Täter noch konkrete Aktivitäten werden benannt – es bleiben zwei unbelegte Vorwürfe: Christlicher Zionismus sei schädlich, und Israel verfolge eine antichristliche Agenda. Beides ist bei näherer Betrachtung absurd.

Während Christen in Syrien kämpfen müssen, im Iran verfolgt und massakriert werden, greift man ausgerechnet Israel an – den einzigen Staat der Region, der Religions- und Meinungsfreiheit garantiert und Christen schützt. Im Libanon, in Syrien und anderen muslimischen Staaten schrumpfen die Gemeinden seit Jahrzehnten, in Israel wachsen sie. Ja, es gibt Spannungen, Spuck-Attacken oder Brandanschläge, doch die Mehrheit der Gesellschaft und der Staat verurteilen und verfolgen das.

Nichts Schädliches

Der christliche Zionismus nimmt Gott beim Wort und beruht auf den biblischen Zusagen an Abraham, Isaak, Jakob und ihre Nachkommen. Er unterstützt lediglich das gottgegebene Recht des jüdischen Volkes, in seiner angestammten Heimat Eretz Israel einen eigenen Staat zu haben und dort zu leben. Daran ist nichts Schädliches.

US-Botschafter Mike Huckabee, ein evangelikaler Christ, schrieb respektvoll auf X: Keine Glaubensgemeinschaft solle weltweit für alle Christen sprechen oder eine einzige Sichtweise für das Heilige Land beanspruchen.

Der evangelikale Satiriker Joel Berry (The Babylon Bee) ergänzte pointiert:

  • Erstens: Ohne den Schutz des Zionismus wären sie (die Patriarchen) tot – Kirchen niedergebrannt, heilige Stätten zerstört, Frauen vergewaltigt, Gemeinden enthauptet.
  • Zweitens: Die Patriarchen kooperierten offen mit Hamas- und PA-Propaganda, um Schutz in Gaza und im Westjordanland zu erhalten. Israels Schutz sei bedingungslos, der der Palästinenser abhängig von anti-israelischen Positionen.

Die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) widersprach ebenfalls: Ihr Zionismus sei rein biblisch fundiert, spiegele aufrichtige Überzeugungen wider und folge keinen politischen Zielen. Sie bedauere, dass die Patriarchen den Medienweg wählten, statt zuvor brüderlich das Gespräch zu suchen.

Keine gute Gesellschaft

Das Statement wirkt wie ein Versuch, einen Keil zwischen evangelikale Christen und Israel zu treiben – und damit die Machtbasis von Donald Trumps MAGA-Bewegung (Make America Great Again) zu schwächen, in der Evangelikale eine Schlüsselrolle spielen. Die Patriarchen reihen sich damit in Stimmen ehemals konservativer Influencer wie Tucker Carlson, Candace Owens oder Nick Fuentes ein, die offen antisemitisch auftreten und den christlichen Zionismus attackieren. Keine gute Gesellschaft.

Dieser Kommentar erschien zuerst in dem evangelischen Wochenmagazin IDEA.

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