Kommentar: Krieg in Nahost – Eine Neuauflage des jüdischen Purimfestes?

Kommentar: Krieg in Nahost – Eine Neuauflage des jüdischen Purimfestes?

Die Flagge Israels und des Iran
Erklärtes Ziel des iranischen Regimes ist die Auslöschung Israels – nun hat der jüdische Staat gemeinsam mit den USA einen Präventivschlag unternommen. Foto: Canva

Am Morgen des 28. Februar setzten Israel und die USA gemeinsam zum erfolgreichen Schlag gegen das iranische Regime an. Damit nimmt nur zwei Tage vor dem jüdischen Purim-Fest eine moderne Neuauflage der biblischen Geschichte ihren Lauf.

Von Josias Terschüren

Im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gab es in Persien den Plan, das jüdische Volk zu vernichten. Beschrieben werden die Ereignisse im biblischen Buch Esther. Die damalige Rettung der Juden wird bis heute an Purim gefeiert. In diesem Jahr beginnt das jüdische Fest am Abend des 2. März. Nun scheint sich die Geschichte von damals zu wiederholen: Irans oberster politischer und geistlicher Führer Khamenei, der Haman-gleich über Jahrzehnte die Auslöschung des jüdischen Volkes und Staates als Staatsdoktrin verfolgt hatte, ging am eigenen Plan zugrunde und ist tot. Weitere Ähnlichkeiten bestehen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump als ein den Juden wohlwollender persischer Herrscher Ahasveros und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu als jüdische Schlüsselperson wie dereinst Mordechai. An einem Tag kamen damals der Hofbedienstete und Intrigant Haman und seine Söhne um, so wie am vergangenen Wochenende Khamenei und seine engsten Berater sowie Angehörige. Das sind doch etwas viele Parallelen auf einmal, um als purim- äh purer Zufall abgetan werden zu können.

Erstmalig haben die israelische und amerikanische Armee bis ins kleinste Detail von Beginn an abgestimmt gemeinsam losgeschlagen. Sie verteidigen eine zahnlose westliche Welt, die keine Kraft und Mut mehr zeigt, ihre eigenen Interessen und die Sicherheit ihrer Bürger zu wahren. Das hat Bundeskanzler Friedrich Merz in einer schonungslosen Analyse deutlich gemacht. Die Diplomatie hat versagt, doch der Westen ist nicht fähig, sich gegen die Tyrannen aus dem Iran zu behaupten. Er hielt bis zuletzt verzweifelt an Worthülsen und Verträgen fest, die längst jeglichen Realitätsbezug verloren haben.

Verdrehung des Völkerrechts

Kritiker des amerikanisch-israelischen Vorgehens berufen sich zurecht auf das Völkerrecht. Sie lassen aber außer Acht, dass wir seit dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 eine perfide Verdrehung des Völkerrechts erleben, die selbiges in eine tiefe Krise gestürzt hat. Gerade das Beispiel des iranischen Regimes mit seinem in- und ausländischen Terror und Blutvergießen zeigt, dass das moderne Völkerrecht zuweilen die Hände der friedliebenden und freien Staaten in der Verteidigung demokratischer Werte bindet und deren Unterdrücker schützt.

Dennoch: das Gros der deutschen Parteienlandschaft hat – bis auf wenige Einzelstimmen – den Schuss noch nicht gehört, von den Linken, über die Grünen und die SPD bis hin zur AfD ist man sich in der Verurteilung der Verteidiger unserer Sicherheit einig. Lediglich die FDP und Teile der CDU sind hier noch zurechnungsfähig.

Regimewechsel: Ein hoch gestecktes Ziel

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz Anfang Februar 2026 waren sich Bundeskanzler Merz (CDU) und US-Außenminister Marco Rubio einig: Die alte Welt und ihre regelbasierte internationale Ordnung sind vorbei. Das US-israelische strategische Ziel des Regimewechsels ist hoch gesteckt: Zur Erreichung ist nicht nur die Eliminierung der Führung, sondern ein Aufstand der iranischen Bevölkerung notwendig. Es ist fraglich, ob das nur aus der Luft zu erreichen ist. Die Iraner haben bereits einen Monat zuvor die Generalmobilmachung erlitten, mit zehntausenden Toten. Ob sie noch einmal die Kraft mobilisieren können, sich gegen ihre Unterdrücker aufzulehnen, wird sich zeigen.

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