Kommentar: Sophie von der Tann – Gesicht des neu-deutschen Juden- und Israelhasses?

Kommentar: Sophie von der Tann – Gesicht des neu-deutschen Juden- und Israelhasses?

Sophie von der Tann
Sophie von der Tanns Nahost-Berichterstattung ist höchst umstritten - dennoch wurde die ARD-Journalistin mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis geehrt. Foto: Superbass | Wikipedia | CC BY-SA 4.0

Aktuell tobt eine Debatte um die umstrittene ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann, die für ihre Israelberichterstattung vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) mit dem renommierten Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet wurde. Die Journalistin polarisiert mit ihren Berichten und erreicht ein Millionenpublikum mit ihrer stetigen Kritik an Israel. Haltung sagen die einen, Voreingenommenheit die anderen. Doch auf sachliche Kritik gehen von der Tann, Kollegen und Chefs nicht ein und zeigen damit die Existenz einer gegen äußere Kritik immunen Medien-Kaste auf.

Ein Kommentar von Josias Terschüren

Das deutsche Gesicht der öffentlichen Berichterstattung zum Nahostkonflikt ist Sophie von der Tann. Die junge BR-Reporterin berichtet seit 2021 für die ARD aus Israel. Auf Ihrer Autorenseite bei der Tagesschau stellt sie ihre Aufgabe mit folgenden Worten vor: „Häufig habe ich gehört: Wer nach Israel und in die Palästinensischen Gebiete als Journalistin kommt, ist danach verwirrter als vorher. So vielschichtig ist das Leben, sind die Perspektiven, die Probleme. Mich reizt genau das. Ich möchte mich verwirren lassen, entdecken, hinterfragen, lernen. Und unsere Zuschauerinnen und Zuschauer in Deutschland auf diese Reise mitnehmen – sei es vor den Fernsehbildschirmen, in den sozialen Netzwerken oder über andere Medien.“

Ausgezeichnete Verwirrungsbilanz

Ihre Verwirrungsbilanz seither kann sich sehen lassen. Noch am Tag des Schwarzen Schabbats (dem 7.10.2023) selbst spricht sie von „militanten Palästinensern“, nicht von Terroristen, die in Israel einfallen. Im weiteren Kriegsverlauf tritt ein Muster zutage, nach dem Narrative zulasten Israels, etwa Hamas-kolportierte Opferzahlen oder Fake News der Vereinten Nationen wie die vermeintliche 70-Prozent-Quote von Frauen und Kindern unter den Toten in Gaza oder der Genozid-Vorwurf des jüdischen Forschers Omer Bartov ungefiltert übernommen werden. Aussagen, Daten und Berichte aus Israel hingegen werden mit einschränkenden Kommentaren versehen und in die dubiose Ecke gerückt. Auf diese Weise wird das böswillig angegriffene, befreundete Land, die einzige Demokratie des Nahen Ostens, diskreditiert und eine künstlich herbeikonstruierte Scheinrealität vermittelt, in der die Hamas und die ihr zugeneigte radikalisierte Zivilbevölkerung zum Opfer stilisiert werden.

Täter-Opfer-Umkehr in Reinform

Drei Negativ-Ausreißer seien kurz erwähnt. Anlässlich der Feierlichkeiten zu 60 Jahren deutsch-israelischer Beziehungen am 12. Mai 2025 veröffentlichte von der Tann einen Tagesschau-Kommentar, in dem sie zwei Verantwortungen Deutschlands als Lehren aus der Schoah gegeneinander ausspielte: Die Verantwortung für das jüdische Volk sowie die Sicherheit Israels gegenüber der internationalen Nachkriegsordnung, der UNO und dem Völkerrecht. Von der Tann brachte das Kunststück fertig, ausgerechnet zum Jahrestag einer doppelten Täter-Opfer-Umkehr das Wort zu reden.

Sie instrumentalisiert den von Deutschen betriebenen industriellen Massenmord an Juden in der Schoah dafür, die deutsche Staatsräson zu hintertreiben. Von der Tanns Erzählung gemäß gilt die deutsche Verpflichtung dem jüdischen Volk gegenüber nicht etwa darin, zu sühnen, wiedergutzumachen und fortan für jüdisches Leben und Israels Sicherheit einzustehen. Nein, all das ist ihr keine Erwähnung wert. Ihrer Logik gemäß sollten die Deutschen wieder Sittenwächter der Juden werden. Schließlich begehe Israel den Vereinten Nationen zufolge Völkermord. Und hier kommt die zweite Täter-Opfer-Umkehr: Die Geiseln sind nur noch eine Randnotiz im letzten Satz. Ihre Geiselhaft wird der israelischen Regierung, nicht etwa der Hamas zur Last gelegt, die nicht ein einziges Mal Erwähnung findet. Der 7. Oktober 2023 wurde überhaupt nur kurz gestreift. Die ehemalige HR-Journalistin Esther Schapira kritisiert von der Tanns Wortwahl scharf: „Nassforsch und kalt wie Hundeschnauze las von der Tann den Nachkommen der Opfer ihrer Großelterngeneration die Leviten.“

Holocaust-Relativierung von einer ARD-Korrespondentin?

Eine verbale Entgleisung der besonderen Art leistete sich von der Tann in einem Beitrag für den Deutschlandfunk. Nicht nur, dass sie Israel gezielte Verstöße gegen das Völkerrecht unterstellte, nein, in diesem Beitrag, hier als Instagram-Post vom 10.07.2025, geht sie noch einen Schritt weiter. O-Ton: „Dass Menschen konzentriert werden sollen, das ist letztlich alles nicht neu.“

Menschen sollen konzentriert werden, da zwingt sich einem förmlich die Gedankenkette Konzentrationslager – Auschwitz – Holocaust auf. Es ist angesichts dieses Wordings nicht weit hergeholt, von Holocaust-Relativierung zu sprechen. Dieser Post erfüllt alle 3Ds von Natan Scharanskis 3D-Test zur Erkennung von Antisemitismus: Dämonisierung, Delegitimierung und Doppelte Standards.

Breite Kritik an von der Tann

Entsprechend intensiv fällt die Kritik an von der Tanns Berichterstattung aus. Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, wirft ihr die „Dämonisierung Israels“ und „Aktivismus“ vor, die Holocaust-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch spricht von einer „problematischen Berichterstattung“, die ihr die Sprache verschlage und die Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel attestiert, sie falle durch „ihre extrem antiisraelischen Perspektivierungen“ auf. Am weitesten geht in seiner Kritik der ehemalige Sprecher der israelischen Armee, Arye Sharuz Shalicar, der sie kurzerhand zum „Gesicht des neudeutschen Juden- und Israelhasses“ erklärt.

Die Jüdische Allgemeine berichtet von einem Treffen des ehemaligen BR-Journalisten Ludwig Spaenle, der in seiner jetzigen Funktion als Antisemitismusbeauftragter Bayerns im Tel Aviver BR-Studio unter anderem mit Sophie von der Tann diskutierte: „Die ARD-Journalistin soll in einem Hintergrundgespräch gesagt haben, dass das Massaker vom 7. Oktober eine ,Vorgeschichte’ habe, die bis zum Zerfall des Osmanischen Reiches zurückreiche.“ Mit dieser Aussage relativiert sie die Gräuel der Hamas und schafft eine rhetorische Grundlage für deren Rechtfertigung. Und sie tut ein Zweites: Sie stellt die Gründung und damit die Existenz Israels als das eigentliche Problem dar, natürlich ohne das expressis verbis zu sagen.

Karriere-Sprungbrett Israelkritik

In der Welt der Öffentlich-rechtlichen hat Sophie von der Tann damit offensichtlich genau ins Schwarze getroffen und die absolute Solidarität ihrer Kollegen gewonnen. Hier wird sachlichen Vorwürfen damit begegnet, eine Diffamierungskampagne zu insinuieren. Der Chefredakteur des BR Christian Nitsche verstieg sich gar zu der Aussage, gegen sie laufe ein Vernichtungsfeldzug, auch wenn er dieses Wording im Kleingedruckten unter einem Post des israelischen Botschafters zurückgenommen hat.

Die mit ÖRR-Größen wie Sandra Maischberger oder Claus Kleber besetzte Jury des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises hat Sophie von der Tann „für ihre Haltung“ mit dem renommiertesten Journalistenpreis ausgezeichnet, der höchsten Ehrung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Keine Konsequenzen für voreingenommene Berichterstattung in Deutschland

Auch beim ZDF läuft einiges schief. So hatten die Mainzer sogar einen Hamas-Terroristen als Angestellten der Partnerfirma Palestine Media Production (PMP) engagiert, Ahmed As‘ad Muhammad Abu Matar. Ob bewusst oder aus Fahrlässigkeit, macht in der Sache keinen Unterschied. Dessen gezielte Tötung durch die Israelische Verteidigungsarmee (IDF) kritisierte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten als „Angriff auf Medienschaffende“. Heute Journal-Moderator Christian Sievers twitterte dazu: „Unsere Augen in Gaza. Wir arbeiten seit Jahrzehnten schon mit den Kollegen zusammen. Heute trauern wir mit ihnen.“ Nachdem die IDF dem Sender Beweise für die Hamas-Mitgliedschaft Abu Matars vorgelegt hatte, stellte der Sender die Zusammenarbeit ein. Das Mindeste. Personelle Konsequenzen? Fehlanzeige!

Anders sieht das in Großbritannien aus, wo in Reaktion auf die Veröffentlichung eines internen Memos von Michael Prescott, der als externer Prüfer die BBC-Berichterstattung auf Parteilichkeit untersuchte, der BBC-Generaldirektor Tim Davie sowie Nachrichten-Chefin Deborah Turness zurücktraten. Die BBC musste seit dem 7. Oktober 2023 im Durchschnitt zwei Beiträge zum Nahostkonflikt pro Woche aufgrund journalistischer Voreingenommenheit und Mängel nachträglich korrigieren. Doch hierzulande gibt es derzeit keinerlei Anzeichen für eine Rechenschaftspflicht der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Trotz Schelte führender Politiker.

Gegen sachliche Kritik von außen immun

Der Fall Sophie von der Tann und ihre Auszeichnung machen deutlich: Gerade hier in Deutschland brauchen wir dringend unabhängige, externe Prüfer nach dem Vorbild Michael Prescotts zur Überprüfung der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien. Wo bleibt die Verantwortungsübernahme des ÖRR für die stete Saat der einseitigen Israelkritik? Die Antisemitismusstatistiken zeigen bereits mehr als deutlich, dass diese Saat aufgeht und vor unseren Augen in dumpfen Judenhass umschlägt. Israel hat nicht nur an den politischen Rändern Unterstützung verloren, sondern gerade auch in der Mitte der Gesellschaft. In dem Teil, der Kernklientel des ÖRR ist.

Sophie von der Tann hat es geschafft. Sie hat sich verwirren lassen. Sie hat ihre Zuschauerinnen und Zuschauer in Deutschland auf ihre Reise der Verwirrung mitgenommen und ist damit tatsächlich das Gesicht des neudeutschen Juden- und Israelhasses geworden: Einseitig informiert, unterkomplex, vorurteilsbehaftet, verlässlich israelkritisch und mit typisch deutschem Pathos moralinsaurer Besserwisserei. Mit weißer Weste, selbstredend. Im Deutschland 2025 ist das preiswürdig. Dank ihrer öffentlich-rechtlichen Kollegen in der Jury darf sie sich nun angesichts berechtigter und sachlicher Kritik an ihrer journalistischen Arbeit fortan als Opfer einer Verleumdungskampagne inszenieren. Na dann, herzlichen Glückwunsch!

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