„Mein Lächeln ist meine Waffe” – Im Einsatz jenseits der Grenzen des Vorstellbaren

„Mein Lächeln ist meine Waffe” – Im Einsatz jenseits der Grenzen des Vorstellbaren

Zwei Frauen mit Blumenstrauß
Blumen als Zeichen der Anerkennung und des Zuspruchs: CSI-Mitarbeiterin Anemone und ZAKA-Helferin Valerie. Alle Fotos: CSI

Es gibt Menschen, die nötigen mit dem, was sie tun und ihrer Haltung dazu größten Respekt ab. So ein Mensch ist Valerie. Sie arbeitet mit ihrem Mann Nachman für ZAKA, die israelische Such- und Bergungsorganisation für Katastropheneinsätze. Valerie war nach dem Terror-Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 im Einsatz. Christen an der Seite Israels (CSI) hat sie in Jerusalem getroffen.

Von Anemone Rüger

Wir sind in einem Jerusalemer Café verabredet. Vor Markus Neumann und mir steht eine zierliche junge Frau. Nachman, ihr Ehemann, stellt sie stolz als fünffache Großmutter vor. Valerie kommt aus Kiew, Nachman ist in Strasbourg geboren. Die beiden pendeln zwischen Jerusalem und Kiew hin und her, wo sie aufgrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine eine Bergungsorganisation aufgebaut haben. Anfang Oktober 2023 waren sie in Israel, um mit der Familie Sukkot zu feiern, das jüdische Laubhüttenfest.

Nachdem die Hamas in den frühen Morgenstunden des 7. Oktober 2023 ihren unfassbar brutalen Angriff auf israelische Ortschaften rund um den Gazastreifen und das Nova-Musikfestival verübt hatte, war Valerie als eine der wenigen Frauen für ZAKA im Einsatz, um Opfer zu identifizieren und zu bergen. Dabei sah sie schier unvorstellbar Grausames und Unmenschliches.

„Meine Frau hat alles dokumentiert, gleich am zweiten Tag nach dem Massaker“, erklärt Nachman. „Jede verstümmelte Leiche, jedes Detail. Viele waren ja bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Jede Kleinigkeit – ein Ring, ein Tattoo – konnte helfen, die Leichen aufgrund der Beschreibung ihrer Angehörigen zu identifizieren.“ Darüber hinaus dienten Valeries Aufnahmen auch als Beweismittel, den großen Menschenrechtsorganisationen der Welt die grausamen Verbrechen der Hamas vor Augen zu führen. Valerie hatte mit ihrem Mann zusammen Termine beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, bei der UNO in New York und unzählige Pressetermine.

Gruppe von Menschen um einen Tisch
Treffen im Café: Valerie, ihr Mann Nachman, die CSI-Mitarbeiter Markus Neumann und Anemone Rüger und Marnix van Ede, Direktor für Internationale Beziehungen bei ZAKA in Israel (v. l. n. r.).

„Was ich da erlebt habe, war nochmal genauso schlimm wie der 7. Oktober“, sagt Valerie. „So eine Ignoranz, so eine Gleichgültigkeit, so eine Ablehnung, das war kaum auszuhalten. Mit einem Foto habe ich beispielsweise dokumentiert, wie ein Kleinkind von einem Terroristen mit einem Hammer ermordet worden war, den er in den Kopf des Kindes geschlagen hatte. Da haben sie gefragt, woher ich denn wüsste, dass das Kind kein erwachsener Liliputaner war. Ich habe meine Arbeit gemacht, aber ich habe gemerkt, dass alle Beweismittel der Welt nichts bedeuten für diese Institutionen.“

Wie kommt sie zurecht mit den Bildern im Kopf? „Wir dürfen nicht aufgeben. Das können wir uns nicht leisten. Das ist genau das, was sie erreichen wollen. Das gönne ich ihnen nicht. Mein Lächeln ist meine Waffe. Und Menschen wie ihr geben uns Kraft – zu wissen, dass wir nicht alleinstehen.“

Als Nachman und Valerie sich anschicken zu gehen, hole ich den Blumenstrauß unter dem Tisch hervor. Und das Tuch, das eine Frau im Erzgebirge für sie gestrickt hat. Und das Waffelherz, das meine Mutter als Zeichen der Liebe für Menschen wie Valerie gebacken hat. Und unsere CSI-Grußkarte „Israel, du bist nicht allein!“. Valerie ist überwältigt. Nachman dreht sich weg, weil ihm die Tränen kommen. „Menschen wie euch zu begegnen, bedeutet mir mehr, als Worte sagen können“, sagt Nachman. „Das Einzige, was ich bedauere, ist, dass ich 48 Jahre meines Lebens verbracht habe, ohne von der großen Liebe der Christen zu uns Juden zu wissen.“

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