Dass es in dem aktuellen Krieg zwischen Israel und dem Iran nicht schlechthin um einen Konflikt zwischen Israelis und Iranern geht, zeigt dieser Kommentar von Danielle Mor, der Verbindungsbeauftragten der israelischen Einwanderungsbehörde Jewish Agency mit christlichen Freunden weltweit. Danielles Familie väterlicherseits war über Jahrhunderte Teil der jüdischen Gemeinschaft im Iran und wanderte dann in den neu gegründeten Staat Israel ein. Nun betet „Safta“, die Großmutter, für die Menschen in beiden Ländern.
Ein Kommentar von Danielle Mor (Jewish Agency for Israel), Übersetzung von Anemone Rüger
Meine Safta (deutsch: Großmutter), eine großartige Mutter von zwölf Kindern, Großmutter von 60 Enkelkindern und Urgroßmutter einer Anzahl von Enkelkindern, die sie nicht preisgeben möchte, weint seit fast zwei Jahren um Israel.
Seit 1952 lebt sie in einem historischen Haus in Jerusalem. Das Haus hat keinen Schutzraum. Seit zwei Wochen versteckt sich meine Großmutter in einem Raum im Inneren des Hauses, der keine Fenster hat, um etwas geschützter zu sein – zusammen mit ihrer Pflegerin, einer liebevollen Muslimin aus Usbekistan, die Farsi spricht. Wenn die Sirenen heulen, umarmen sie sich, weinen und beten zusammen.
Meine Safta weint um die Zerstörung in Israel, um die 28 Menschenleben, die bereits ausgelöscht wurden, darunter eine 94-jährige Frau, die aus den Trümmern geborgen wurde, und zwei Brüder im Alter von nur acht und zehn Jahren.
Meine Safta weint um die vielen tausend zerstörten Häuser, um die rund 1400 Verletzten in den Krankenhäusern, um die mehr als 15.000 Binnenflüchtlinge, die die Angriffe aus dem Iran zwar überlebt, aber ihr Zuhause verloren haben und ihr Leben neu aufbauen müssen.
Meine Safta weint um die über 300.000 Reservisten, die schon das vierte oder fünfte Mal in diesem Krieg weg von zu Hause im Einsatz sind.

Gleichzeitig betet sie dafür, dass der Iran, das Land ihrer Jugend, und Teheran, ihre wunderschöne Heimatstadt mit den nahegelegenen schneebedeckten Bergen, auf denen sie mit ihren Freundinnen einst Picknick machte, von dem mörderischen, hasserfüllten Regime der Ayatollahs befreit wird und wieder in die Hände der Menschen gelangt, denen sie sich immer noch verbunden fühlt.
Meine Arbeit bei der israelischen Einwanderungsbehörde Jewish Agency, derselben Organisation, durch die meine Safta einst aus dem Iran einwanderte und von der sie ihr Zuhause bekam, erinnert mich immer daran, wie stark wir als Volk sind.
Während meine Safta weint, können wir uns erheben, vielleicht sogar wie Löwen, um Trost und Kraft zu spenden und die Tränen zu trocknen.