„Mission erfüllt” – CSI-Vorsitzender Luca Hezel kündigt Amtsniederlegung an

„Mission erfüllt” – CSI-Vorsitzender Luca Hezel kündigt Amtsniederlegung an

Nach 15 Jahren Mitarbeit bei CSI, zuletzt als geschäftsführender Vorstand, geht Luca Hezel neue Wege. Alle Fotos: CSI

Luca Hezel legt die Leitung von Christen an der Seite Israels (CSI) nieder. Diese Ankündigung traf die meisten Mitarbeiter überraschend. Wie es dazu kam, erläutert der CSI-Vorsitzende in diesem Interview.

Von Dr. Tobias Krämer

Tobias Krämer: Luca, du bist schon viele Jahre bei CSI. Nun beginnt eine neue Etappe. Gib uns doch bitte erst einmal einen Überblick über deinen Werdegang.

Luca Hezel: Mein Einstieg bei CSI war im Jahr 2011 als ehrenamtlicher Teil des Leitungsteams von Israel Connect (heute JCSI). Die jährlichen Israelreisen für junge Christen waren über viele Jahre eine große Leidenschaft und prägend für meinen weiteren Weg. Einige Jahre später durfte ich im Rahmen einer geringfügigen Anstellung als Assistent von Harald Eckert vielfältige und spannende Einblicke in sein Wirken bekommen – auch diese Zeit möchte ich nicht missen. Ab Januar 2018 durfte ich im Rahmen einer 50-Prozent-Anstellung in zentralen Leitungsfunktionen dienen, zuerst als Leiter des damaligen „Innovations- bzw. Steuerungsteams“ und dann als Teil der Geschäftsführung.

Informell wurde ich bereits früh in den „erweiterten Vorstand“ hineingenommen, bevor ich im Juni 2018 dann auch offiziell in den Vorstand gewählt wurde. Im Juli 2020 wurde ich aus einer turbulenten und herausfordernden Phase unseres Vereins zum 1. Vorsitzenden gewählt und arbeite seitdem in Vollzeit als geschäftsführender Vorstand.

Für uns alle kam es überraschend, als du vor kurzem angekündigt hast, dass du deine Aufgabe als Leiter von CSI niederlegen wirst. War das eine spontane Entscheidung? Was waren deine Beweggründe?

Nein, die Entscheidung ist von Herzen überlegt und langfristig im Gebet gereift; trotzdem fiel sie mir ausgesprochen schwer. Sie hat mit zwei dynamischen Entwicklungen zu tun, die ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr vereinen konnte. Die eine Entwicklung betrifft das Wachstum von CSI, nach innen und außen, das mich zunehmend mehr gefordert hat. Die andere Entwicklung ist auf meine persönliche Situation bezogen.

Im Jahr meiner Leitungsübernahme 2020 habe ich Sonja geheiratet. Wir haben in den Folgejahren drei Kinder bekommen, so dass auch hier die Verantwortung zunahm. Meine Entscheidung, die Leitung von CSI abzugeben, gründet auf der Feststellung, dass ich beide Verantwortungsbereiche für mich nicht mehr balanciert und vereint bekomme.

Das kann ich spontan nachvollziehen und doch muss ich nochmals nachhaken. Wenn jemand so erfolgreich ist wie Du und dann plötzlich aufhört, denkt man an Ärger, Konflikte, Frust oder gar Machtkämpfe. Gab es die?

Diese Gedanken sind verständlich, aber ich kann mit Freude und aus ganzem Herzen sagen: „Nein!“. Es gibt keine Zerwürfnisse, keine Streitigkeiten und auch keine Finanzprobleme – im Gegenteil. Das Miteinander bei CSI ist ein Hochgenuss, alle fühlen sich wohl und auch in struktureller, kultureller und finanzieller Hinsicht ist der Verein solide und zukunftsfähig aufgestellt. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein – aber ich kann es nicht anders beschreiben. Die Zeit bei CSI gehört für mich schon jetzt zu den besten meines Lebens.

Seine Funktion als Vorsitzender führte Luca Hezel oft nach Israel. Auch wenn er die Leitung von CSI abgibt, so betont er, die Liebe zu diesem Land und dem jüdischen Volk bleibt.

Deine Leidenschaft für Israel wirkte immer so authentisch. Ist diese Leidenschaft vielleicht abgekühlt, so dass du dich nach etwas Neuem ausstreckst? Schwingt etwas dieser Art im Hintergrund noch mit?

Mein Herz für Israel hängt nicht am Vorsitz von CSI. Es hängt am Herzen des Gottes, an den ich glaube. Daran hat sich nichts geändert. Weder ist die Leidenschaft weniger geworden noch die tiefe Überzeugung für unsere Arbeit. Es gibt kaum ein stärkeres Zeichen der Versöhnung und gelebten Nächstenliebe, als wenn Christen, insbesondere aus Deutschland, den Juden beziehungsweise Israel dienen.

Vor wenigen Wochen durfte ich in Jerusalem einer großen Gruppe von Holocaust-Überlebenden einige Worte aus der Bibel und aus meinem Herzen zusprechen. Wieder einmal konnte ich feststellen, dass es für einen deutschen Christen wohl keine berührenderen Begegnungsmomente gibt, als in dankbare, glückliche und vor Rührung verweinte Augen von Überlebenden der Schoah zu blicken. Die Liebe zu Israel und zum jüdischen Volk begleitet mich bereits mein halbes und sicherlich auch noch mein restliches Leben. Und gleichzeitig bin ich auch gespannt, welche Türen sich für meine nächste Etappe öffnen und an welcher Stelle ich mich von Gott gebraucht fühlen darf.

Deine Anliegen sind verständlich und ehrenwert. Wie waren die ersten Reaktionen im Vorstand und bei den Mitarbeitern, als du deine Entscheidung mitgeteilt hast?

Ich antworte ganz persönlich. Die ersten Reaktionen waren sehr emotional und geschockt. Es war bekannt, dass ich irgendwann weiterziehe, aber der Zeitpunkt hat viele überrascht. Die Reaktionen gehen mir nach wie vor nah. Zugleich sind sie mit einer großen Wertschätzung für mein Wirken und mich als Person verbunden. Diese Wertschätzung findet mit Worten Ausdruck, die man sonst wohl nur auf seiner Beerdigung hören würde, wenn man könnte.

Sowohl das Bedauern als auch das Verständnis und die Wertschätzung erfahre ich momentan in einer Dichte, wie ich es noch nicht erlebt habe. Das berührt mich tief; es lässt mich dankbar und demütig zugleich sein. Ich darf spüren, wie Menschen gesegnet wurden, durch die Führung Gottes in meinem Leben – ein unglaubliches Geschenk! Hier würde ich gerne von Maria lernen, „die Worte in meinem Herzen zu verschließen“ – sie zu verinnerlichen und darüber nachzudenken.

Viele Mitarbeiter betonen, dein Ausscheiden komme zu früh. Du findest den Zeitpunkt günstig. Wie kommst du zu dieser Einschätzung?

Mir ist ein empfundenes „zu früh“ allemal lieber als ein „zu spät“, und ob es im Vorausblick den „richtigen“ Zeitpunkt gibt, bezweifle ich. Man wird das wohl erst in einiger Zeit im Rückblick objektiv bewerten können. Für mich und meine Familie fühlt es sich nach dem richtigen Zeitpunkt an, wir haben Ruhe und Frieden darüber – wenngleich noch offen ist, wie es für mich beruflich weitergeht.

Eine Kollegin fragte mich ungeschminkt, ob es aus meiner Sicht nicht „komplett bescheuert“ sei, zu einem Zeitpunkt zu gehen, an dem alle Mitarbeiter glücklich sind, der Verein gesund aufgestellt ist, wir mehr bewirken können als je zuvor und für CSI ständig neue Türen aufgehen. Meine Antwort war, dass es wohl keinen schöneren Zeitpunkt gibt.

Du hast nebenbei erwähnt, du würdest deine Aufgabe in gewisser Weise sogar für abgeschlossen halten. Erkläre uns doch bitte, was du damit meinst.

Wenn ich mich frage, was mich beim Leiten zutiefst beglückt, dann ist die Antwort klar: Wenn ich erlebe, wie Menschen in ihr volles Potential hineinfinden. Und das ist bei CSI geschehen. Die meisten unserer Mitarbeiter sind voll in ihrem Element und können ihre Gaben entfalten. Gleichzeitig sind sie Teil von etwas Größerem. Der eigene Beitrag macht Sinn, wird gebraucht und auch gesehen. Jeder gibt sein Bestes, Frucht entsteht. Es gibt bei uns keine wichtigen und unwichtigen Mitarbeiter – alle haben ihren Beitrag, alle werden gebraucht. Wir stehen als Team zusammen und als Einzelne am richtigen Platz. Das Team ist super aufgestellt. Das begeistert und motiviert.

Ein starkes CSI-Team, das unter dem Vorsitz von Luca Hezel gewachsen und zusammengewachsen ist. Hier beim Kongress Christlicher Führungskräfte in Berlin 2023.

Mein Vorgänger Harald Eckert prägte mich durch das biblische Bild vom Leib Christi mit seinen vielen Gliedern (1. Korinther 12). Es gibt verschiedene Gaben, aber es ist ein Gott, der alles in allen wirkt. Keiner kann alles allein, nur gemeinsam sind wir vollständig. Wenn einer leidet, leiden alle mit. Wenn einer geehrt wird, freuen sich alle mit. Diesem Bild eifere ich nach. Und ich freue mich über die vielen Momente, in denen ich das in unserem Miteinander bei CSI erleben durfte.

Wenn ich nun darauf schaue, wie CSI sich unter der Führung Jesu und meinem Vorsitz entwickelt hat, erkenne ich einen Zustand, der mich überzeugt sein lässt: Mission erfüllt, Ziel erreicht.

Welche Überlegungen gibt es für deine Nachfolge?

Wir machen uns auf die Suche, und werden finden, wer gefunden werden soll. Ob es am Ende eine oder zwei Personen sind, ob intern oder extern, wird man sehen. Wir haben Vertrauen in den Übergangsprozess, weil wir wissen, dass Gott die Lösung schon bereithält. Wir können nur unseren Teil tun, aber er entscheidet, wann er uns die Nachfolge-Lösung zeigt und zu welchem Zeitpunkt die Stabübergabe richtig ist.

Konkret werden wir nun öffentlich ausschreiben, aber auch Gespräche mit Kandidaten führen, die uns im internen Überlegen bereits gekommen sind. Schon jetzt wünsche ich der künftigen Leitungspersönlichkeit die gleiche Erfüllung, die ich jeden Tag in der Leitung von CSI erleben durfte, und noch mehr Gelingen und Segen: sowohl im Wurzeln schlagen als auch im Früchte tragen!

Luca, vielen Dank für das Gespräch!


Luca Hezel leitet ein Team von mehr als 30 angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Reaktionen aus dem CSI-Team: „Wir werden dich vermissen“

Die Nachricht von Lucas Ausstieg hat das Team überrascht und fast kein Auge blieb trocken. Nachfolgend ein Auszug aus den Reaktionen:

Josias, Politik & Gesellschaft: „Luca hat sich schon vor meiner Wiederansiedlung bei CSI sehr um mich gekümmert. Seither ist er zum besten Chef meines Lebens geworden. Ich bin in Zeiten des „magischen Dreiecks“ beim VFB Stuttgart großgeworden, Krassimir Balakov, Giovane Elber und Fredi Bobic waren zusammen kompetent effizient und unaufhaltsam unterhaltsam. Nun ist CSI weder magisch noch hat es lediglich drei Ecken, aber in unserem himmlischen Vieleck hat mich die Entscheidung von Luca den Vorsitz abzugeben bestürzt und völlig überrascht. Am schlimmsten fand ich, dass sie undemokratisch getroffen wurde, sonst wäre er ja geblieben. Wer wie ich Luca kennt, weiß außerdem: Er hat gute Gründe und ich kann sie nicht ändern. Wir verlieren mit ihm unseren Meistertrainer, unseren Dirigenten. CSI hat eine großartige Zukunft, davon bin ich überzeugt! Unser Zusammenhalt, unser tolles Team und unser Auftrag bleiben. Aber die Zeit mit Luca wird für mich immer Legendenstatus behalten, es hat einfach unglaublich Spaß gemacht! Danke für die gemeinsamen Jahre, ich werde dich und die Zusammenarbeit sehr vermissen, mein Freund! Wohl denjenigen, die du als nächstes bereichern wirst!“

Bithja, Geschäftsstelle: „Die Mitteilung über Lucas Ausstieg hat mich sehr überrascht, auch wenn er bereits immer wieder angedeutet hatte, dass auch seine Zeit bei CSI begrenzt sein wird und ein Leitungswechsel ab und an einem Werk meist dienlich ist. Daher kann ich seine Entscheidung nachvollziehen, auch wenn es mir noch schwerfällt, mir ein CSI ohne ihn vorzustellen. Luca hat unser Werk und unser Team maßgeblich geprägt. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer sehr gut, er ist ein Mann mit vielen Gaben. Besonders hervorheben möchte ich seine strategische Weitsicht und seine zwischenmenschliche Kompetenz.“

Tanja, Operative Geschäftsführung: „Als ich die Nachricht von Lucas Weggang erhielt, musst ich mit den Tränen kämpfen. Ist er mir doch in den letzten Jahren bester Zusammenarbeit nicht nur Kollege und außergewöhnlicher Chef gewesen, sondern auch zu einem richtig guten Freund geworden – jemand, der zuhört, der ermutigt und der einen menschlich wie fachlich wachsen lässt. Ich durfte extrem viel von ihm lernen, habe ihm persönlich viel zu verdanken und werde ihn bei CSI sehr, sehr vermissen. Wohin auch immer Gott ihn als Nächstes führt: Luca wird überall ein Segen sein. Er hat diese besondere Art, Menschen aufzubauen, Räume heller zu machen und sein Umfeld positiv zu prägen. Von Herzen wünsche ich ihm für die kommende Etappe nur das Allerbeste – Kraft, Freude und Menschen, die ihn genauso schätzen, wie wir es tun.“

Markus, Vorstand: „Als Luca seine Gedanken mitteilte, waren wir als Vorstand zunächst konsterniert. Seine Beweggründe konnte ich besser verstehen als sein Timing. Mit Luca fühle ich mich seit bestimmt 20 Jahren in besonderer Weise verbunden – sowohl in privaten als auch beruflichen Kontexten. Seinen geistlichen Werdegang durfte ich über viele Jahre begleiten, seine Berufung, Leitungsgabe und Reife samt Charisma – alles in dieser Altersklasse als einzigartig erleben und nahezu täglich bestaunen. Dafür bin ich von Herzen dankbar. Gott hat CSI immer mit besonderen Leitungspersönlichkeiten gesegnet und ich blicke mit großer Zuversicht und Vorfreude auf seine treue Führung und heiße die zukünftige CSI Leitungspersönlichkeit im Geiste schon einmal herzlich willkommen!“

Paula, Marketing & Design: „Ich war schon oft positiv überrascht von der Leitung bei CSI. Und auch diesmal: Als Luca mir diese große Veränderung persönlich mitteilte, konnte ich nur staunen – über seinen Mut und seinen Fokus. Auch wenn es für uns ein Wegstück Ungewissheit bedeutet, bin ich doch großer Zuversicht, dass es mit CSI gut weitergehen wird.“

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