Offene Herzen: Bewegende Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden in Hamburg

Offene Herzen: Bewegende Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden in Hamburg

Im Rahmen der Blumenstrauß-Aktion für Holocaust-Überlebende sind Mitarbeiterinnen von CSI nach Hamburg gereist. Alle Fotos: CSI

Überlebende der Schoah gibt es nicht nur in Israel oder der Ukraine. Sie leben auch hier, direkt vor unserer Haustür. Viele haben nach dem Krieg in Deutschland ein neues Leben begonnen. Nach Frankfurt kommt die Blumenstrauß-Aktion von Christen an der Seite Israels (CSI) für Holocaust-Überlebende nun auch in den Norden, nach Hamburg.

Von Raquel Schwärzler

„Wir müssen unsere Geschichten an die junge Generation weitergeben, solange wir noch da sind!“ Marat, geboren 1938 in Nordmoldawien, trägt einen schicken Anzug, geschmückt mit vielen Orden an seiner Brust. Einen davon erhielt er als „Held der Arbeit“, die anderen wurden ihm an den Jahrestagen alle fünf Jahre nach Kriegsende verliehen. Er ist einer von sieben Holocaust-Überlebenden, die mit uns Anfang Dezember einen besonderen Vormittag in der Jüdischen Gemeinde Hamburg verbracht haben.

Ich lebe schon viele Jahre in Hamburg und hatte bisher leider nicht viel Kontakt zur Jüdischen Gemeinde. Durch meine Mitarbeit bei Christen an der Seite Israels (CSI), die eine wachsende Freundschaft mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) pflegen, durfte ich nun zum ersten Mal das jüdische Leben in meiner Stadt näher kennenlernen. Der Treffpunkt im Herzen Hamburgs ist eine von 27 Einrichtungen der ZWST, in denen die jüdischen Senioren einmal im Monat zusammenkommen.

Für diese besondere Premiere habe ich gleich mein lokales Netzwerk eingeladen. Kurzfristig studierten wir noch ein paar jüdische Volkslieder auf der Gitarre ein, um die Überlebenden mit einem musikalischen Beitrag zu beschenken. Es hat den Holocaust-Überlebenden viel bedeutet, persönlich junge Menschen zu erleben, die Solidarität und Wertschätzung zeigen.

CSI-Mitarbeiterin Raquel überreicht dem Schoah-Überlebenden Michail einen Blumenstrauß.

Bei Kaffee und belegten Brötchen teilte anschließend jeder in der intimen Runde seine persönliche Geschichte. So auch Michail, 92. Er und seine Familie flohen aus Krementschug. Er erinnert sich daran, dass ältere Verwandte damals noch sagten, „die Deutschen seien gute Menschen“, vor ihnen müsse man keine Angst haben. Viele seiner Angehörigen wurden später erschossen. 1944 kehrte Michail in seine Heimat zurück – in eine Stadt, die fast vollständig zerstört war. Seine Familie lebte zeitweise mit bis zu zwölf Personen in einem einzigen Zimmer. In den Jahren nach dem Krieg schrieb er Gedichte über den Holocaust und übersetzte deutsche Gedichte ins Russische. Für seine literarische Arbeit erhielt er bereits mehrere Auszeichnungen.

Nach unserem Treffen konnten wir noch einen Hausbesuch organisieren. Besonders bewegend für mich war, dass er in genau dem Stadtteil stattfand, in dem ich seit vielen Jahren lebe. Nur wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt lebt Anatoli, ein Überlebender des Todeslagers Petschora. Petschora war eines der schlimmsten Todeslager im besetzten Transnistrien, in das Tausende Juden deportiert wurden und wo die meisten durch Hunger, Kälte und Krankheiten starben. Nur wenige überlebten. Eine Russlanddeutsche schmuggelte Anatoli und seine Mutter sowie 20 weitere jüdische Frauen aus dem Lager. Danach wurde sie verraten und erschossen.

CSI-Mitarbeiterin Anemone mit einem Blumengruß bei Anatoli.

Ein Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde erzählte uns später, dass er überrascht war: Einige der Überlebenden, die sonst kaum etwas sagen, hätten an diesem Tag ungewöhnlich offen gesprochen. Was für eine Ehre, dass sie uns ihr Herz geöffnet haben.

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