Der Expertenrat macht die Ernennung von Modschtaba Chamenei zum Obersten Führer offiziell. Indes beklagt Israel weitere Todesopfer.
Der iranische Expertenrat hat Modschtaba Chamenei am Sonntag zum neuen Obersten Führer ernannt. Der 56-Jährige tritt damit die Nachfolge seines Vaters Ali Chamenei an, der am 28. Februar bei einem Angriff der Israelis getötet wurde. Modschtaba Chamenei fährt nach Ansicht von Beobachtern eine härtere Linie als sein Vater und steht der Revolutionsgarde nah.
Der russische Machthaber Wladimir Putin (parteilos) gratulierte Chamenei am Montag zum neuen Amt. Er sei zuversichtlich, dass Chamenei die Arbeit seines Vaters „mit Ehre“ fortführen werde. Putin sicherte dem Iran seine „felsenfeste Unterstützung und Solidarität“ zu.
Trump: Wir werden sehen, was passiert
Israel hatte zuvor deutlich gemacht, es werde sowohl den Amtsnachfolger Chameneis wie auch die Mitglieder des Wahlgremiums töten. US-Präsident Donald Trump (Republikaner) nahm bereits vor Bekanntgabe eines Nachfolgers für sich in Anspruch, Einfluss auf die Personalie zu nehmen. „Wenn er von uns keine Zustimmung erhält, wird er es nicht lange machen.“
In einem Gespräch mit der israelischen Nachrichtenseite „Times of Israel“ nach Bekanntgabe der Personalie äußerte er sich zunächst nicht zu Chamenei. „Wir werden sehen, was passiert“, sagte er. Zuvor hatte er Chamenei als „Leichtgewicht“ bezeichnet.
Familienmitglieder getötet
Das aktuelle Schicksal des neuen Obersten Führers ist unklar. Nach Einschätzung der Israelis wurde er bei einem gezielten Angriff auf ihn verwundet. Iranischen Staatsmedien zufolge sind bei dem Eröffnungsschlag der Israelis neben seinem Vater weitere Familienmitglieder umgekommen, darunter seine Mutter, seine Frau, ein Sohn und eine Schwester.
Chamenei galt schon vor den aktuellen Kampfhandlungen als wahrscheinlicher Nachfolger im Amt des Obersten Führers. Er wurde bereits als verlängerter Arm seines Vaters angesehen, zog im Hintergrund die Fäden und übernahm Amtsaufgaben von seinem Vater.
Mit Sanktionen belegt
Die USA belegten ihn im Jahr 2019, während Trumps erster Amtszeit, mit Sanktionen. Als einen der Gründe gab das Finanzministerium die enge Zusammenarbeit mit der Revolutionsgarde und den Basidsch-Einheiten an, „um die destabilisierenden regionalen Ambitionen seines Vaters und unterdrückerischen Ziele im Inland zu fördern“.
Die Freiwilligenmiliz „Basidsch“ ist ein wichtiger Arm der Revolutionsgarde. Sie ist unter anderem verantwortlich für die brutale Unterdrückung der Proteste im Iran, bei denen zu Beginn des Jahres nach einigen Schätzungen mehr als 30.000 Menschen getötet wurden.
Weitere Israelis getötet
Unterdessen gehen die Kriegshandlungen weiter. Am Montag wurden zwei Israelis auf einer Baustelle in Jehud bei Tel Aviv durch Trümmerteile einer iranischen Rakete getötet. Beide Männer waren etwa 40 Jahre alt.
Am Montag starb zudem ein Motorradfahrer nach einem Unfall am Sonntag in Kiriat Mozkin bei Haifa. Nach Angaben von Augenzeugen verlor der 22-Jährige bei einem Raketenalarm die Kontrolle über sein Fahrzeug. Ärzte des Rambam-Krankenhauses konnten ihn nicht mehr retten.
Ebenfalls am Sonntag wurden zwei Soldaten im Alter von 38 und 20 Jahren im Südlibanon durch einen Angriff der Terrormiliz Hisbollah getötet. Beide gehörten einer Ingenieureinheit an.
Mehrfache Raketenalarme
Am Wochenende war Israel häufigen Angriffswellen aus dem Iran und aus dem Libanon ausgesetzt. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt. So wurde eine Frau, die sich auf dem Weg in den Bunker befand, am Kopf durch Gestein getroffen, das infolge des Einschlags eines Trümmerteils durch die Luft flog.
Hinzu kommen Beschädigungen an der Infrastruktur wie Stromleitungen. Am Montag kam es zu Stromausfällen an mehreren Orten. In Cholon stürzte ein Wohnhaus infolge eines Treffers ein, dabei gab es jedoch keine Verletzten.
Die israelische Armee flog nach eigenen Angaben in der Nacht zum Montag mehrere Angriffe auf Ziele des Regimes in Teheran, Isfahan und im Südiran. Am Wochenende machten Angriffe auf Erdöllagerstättten im Iran Schlagzeilen. Zu sehen waren gewaltige Explosionen, am Folgetag zeigte sich über Teheran ein von Öl und Rauch verdunkelter Himmel.
Im Libanon nahmen die israelischen Streitkräfte weitere Ziele der Hisbollah und der Revolutionsgarde ins Visier. In der Nacht zum Sonntag tötete die Marine nach eigenen Angaben fünf hochrangige iranische Kommandeure in einem Hotel in Beirut. Sie gehörten demnach der Quds-Einheit an, der für Auslandseinsätze zuständigen Eliteeinheit der Revolutionsgarde. (Israelnetz)