Taten sagen mehr als Worte – Wie Israel Tausenden Syrern medizinische Hilfe gewährte

Taten sagen mehr als Worte – Wie Israel Tausenden Syrern medizinische Hilfe gewährte

Malendes Kind
Aus Feinden werden Freunde – ein syrisches Mädchen zeichnet die Flagge ihres Landes und die von Israel. Foto: IDF

Während des syrischen Bürgerkrieges startete Israel die Operation „Gute Nachbarschaft“. Durch die Hilfsaktion wurden Tausende syrische Patienten in Israel behandelt und Hunderte Babys dort geboren – in dem Land, das Syrien nie anerkannt hat und mit dem es sich deshalb offiziell im Kriegszustand befindet. Kommandeur der Militärinitiative war Eyal Dror. Christen an der Seite Israels (CSI) hat mit ihm über diesen außergewöhnlichen Einsatz gesprochen.

Von Dana Nowak

Israels stille Hilfe für seine syrischen Nachbarn begann im Jahr 2013, im dritten Jahr des syrischen Bürgerkrieges. Initiiert wurde sie von einem israelischen Kommando, das vom Leid auf der anderen Seite der Grenze schockiert war. „Unsere Soldaten haben gesehen, was dort vor sich geht, wie die Bevölkerung litt. Da waren kleine Kinder, verletzt, in Lumpen, barfuß im Schnee. Das war herzzerreißend. Natürlich gab es für Israel große Sicherheitsrisiken, denn das Gebiet wurde vom IS, von Al-Qaida und anderen islamistischen Gruppen kontrolliert. Dennoch wollte die israelische Armee etwas für die Zivilbevölkerung tun, ohne sich in den Krieg einzumischen“, erzählt Eyal Dror, Lt. Col. (Res.). Und so kam es, dass Israel zwischen 2013 und 2016 rund 3500 verletzte Syrer in seinen Krankenhäusern versorgte.

Irgendwann hätten die Soldaten erkannt, dass die Hilfsaktion eine strategische Möglichkeit bietet: „Wir sahen die Chance, das schlechte Bild, das Syrern über Israel von klein auf eingetrichtert wird, zu ändern, den Hass zu durchbrechen. Wir wussten, dass diese 3500 Menschen in Syrien erzählen würden, wie Israel ihnen geholfen hat. Also wollten wir die Hilfsaktion ausweiten.“ Doch diese gewagte Idee habe die Armee vor viele Herausforderungen gestellt. Die Militärbehörde COGAT, die sonst Hilfsaktionen in den Palästinensergebieten kontrolliert und bei der Eyal Verbindungsoffizier war, suchte für die Operation die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen.

Eyal Dror hatte das Kommando über die Operation „Gute Nachbarschaft.“ Foto: privat

Zudem musste eine neue Militäreinheit gegründet werden, welche die Operation koordiniert. Eyal wurde aufgrund seiner Erfahrungen in den palästinensischen Autonomiegebieten sowie im Libanon und weil er fließend Arabisch sprach, Kommandeur der neuen Einheit. „Die Einheit musste von Grund auf aufgebaut werden. Ich bin 2016 im Norden angekommen, habe ein Arbeitszimmer bekommen und dann ging es los. Personal suchen, Pläne machen. Wie können wir am besten helfen? Wie vermeiden wir Sicherheitsrisiken? Die Ideen mussten dann von der Regierung genehmigt werden“, erzählt Eyal.

Kontakt zum Feind

Die größte Herausforderung sei es gewesen, die Menschen in Syrien zu erreichen und ihr Vertrauen zu gewinnen. „Jeder Syrer, der sich ohne Absprache der israelischen Grenze nähert, gilt zunächst als potenzieller Feind. Ebenso können auch Israelis nicht einfach nach Syrien reisen. Aber wir haben Kontaktpersonen auf der anderen Seite, in jeder Region. Diese Menschen riskieren ihr Leben. Oft reicht in einem arabischen Land oder im Iran schon der Verdacht, dass du ein israelischer Spion bist, und du wirst ohne Verfahren gehängt. Diese Kontaktpersonen hatten den Auftrag, den Syrern davon zu erzählen, dass Israel ihnen helfen möchte.“ Dann galt es, die Syrer zu ermutigen, nach Israel zu kommen – in das Land und zu den Menschen, die sie seit ihrer Kindheit zu hassen gelernt haben.

Zunächst startete Eyals Einheit mit einem Projekt für chronisch erkrankte Kinder. Jede Woche nahm Israel 25 Kinder mit ihren Müttern zur Behandlung in ein Krankenhaus auf, 72 Wochen lang. „Diese Kinder zu sehen, brach einem das Herz. Sie waren hungrig, schmutzig, hatten sich seit Wochen nicht waschen können. Wir haben sie in ein Krankenhaus gebracht. Sie haben Frühstück, Mittag- und Abendessen bekommen. Und wir haben mit ihnen gespielt“, erinnert sich Eyal, der selbst dreifacher Vater ist, mit Tränen in den Augen.

In Israel seien die Kinder nicht nur medizinisch behandelt worden, sondern man habe versucht, auch ihren Seelen Gutes zu tun. „Wir haben mit ihnen gesungen. Haben Medizinclowns und Psychologen in die Krankenhäuser gebracht.“ Mehr als 1400 chronisch erkrankte Kinder aus Syrien wurden auf diese Weise versorgt. Sie und ihre Mütter hatten zum ersten Mal Kontakt mit Israelis und Juden. „Bei ihrer Rückkehr nach Syrien haben wir ihnen Lebensmittel und Kleidung mitgegeben. Sie alle sind sehr gute Botschafter. Denn sie sind in ihre Dörfer zurückgegangen und haben erzählt, was sie in Israel erlebt haben. Und so haben sie andere Menschen ermutigt, unsere Hilfe anzunehmen.“

LKW im Schnee
Die von Israel gespendeten Hilfsgüter waren für viele syrische Flüchtlinge im Grenzgebiet im kalten Winter überlebenswichtig. Foto: IDF

Einmal habe er mit einem syrischen Jungen Fußball gespielt. Er habe seine Armeeuniform getragen und den Jungen gefragt, ob er Angst vor ihm habe. „Warum sollte ich? Du bist kein syrischer Offizier, du bist ein israelischer“, habe der Junge geantwortet. „Da wurde mir klar, wie wichtig es ist, zu handeln, Taten sprechen zu lassen, nicht Worte. Wir haben keinen Vertrag mit diesen Menschen, nach dem Motto, wir bringen euch zu einem Arzt und danach unterstützt ihr Israel. Allein unsere Taten sprechen für sich und geben diesen Menschen die Möglichkeit uns zu sehen, wie wir wirklich sind.“

Es sei nicht leicht gewesen, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. „Auch wenn unsere Kontaktpersonen in Syrien den Menschen versichert haben, dass sie keine Angst haben müssten, waren viele gerade am Anfang verunsichert. Aber sie haben sehr schnell gesehen, dass wir ihnen wirklich helfen wollen.“ Später seien die Menschen dann mit einem Lächeln an die Grenze gekommen, denn sie hatten von den Rückkehrern gehört, dass sie ein paar wirklich gute Tage in Israel haben würden. Eyal erinnert sich an eine Syrerin, die zu ihm sagte: „Diese Stunden sind so wertvoll für mich. Ich muss nicht darüber nachdenken, ob ich gleich abgeschlachtet, vergewaltigt oder entführt werde. Hier bin ich sicher.“

Die verwundeten Syrer seien in den Krankenhäusern wie israelische Staatsbürger behandelt worden, erzählt Eyal weiter. Das habe sich herumgesprochen. Und so hätten sich viele Syrer, die die Wahl zwischen einer Behandlung in Israel und Jordanien hatten, am Ende für Israel entschieden. „Es ging uns nicht nur darum, Leben zu retten. Die Menschen sollten die bestmögliche Behandlung bekommen. Das hat alles die israelische Regierung bezahlt. Wir haben dafür keine Spenden erhalten.“

Israelis spenden für Syrien

Unterstützt wurde die Einheit „Gute Nachbarschaft“ von christlichen und muslimischen Organisationen. Sie halfen dabei, ein Feldkrankenhaus an der Grenze zu errichten und Hilfsgüter aus Israel nach Syrien zu bringen. „Tonnen an Lebensmitteln, Kleidung und anderen Hilfsgütern gelangten so nach Syrien. Gespendet von Israelis. Wir haben die Sachen an die Grenze gebracht, dort wurden sie auf Lastwagen von Hilfsorganisationen verladen und verteilt. In mehreren Dörfern haben wir den Aufbau von Bäckereien ermöglicht. Tausende Menschen konnten so wieder mit frischem Brot versorgt werden. Wir haben allein 350 Tonnen an gespendeter Kleidung nach Syrien gebracht.“

Unter den verschiedenen Projekten der Operation „Gute Nachbarschaft“ habe sich eines auf Babys mit Herzproblemen fokussiert. Mehr als zehn Babys seien in israelischen Krankenhäusern im ganzen Land behandelt worden. Trotz aller Bemühungen sei eines davon gestorben, so Eyal. „Als ich diese Information erhielt, war ich sehr besorgt über die Reaktionen auf der arabischen Seite. Ich fürchtete, dass Israel vorgeworfen wird, den Jungen ermordet zu haben.“

Doch es sei anders gekommen. Die Mutter des Jungen, die die ganze Woche in Israel bei ihrem Baby gewesen sei, habe sich bei Eyal gemeldet und ihm erzählt, wie sie in ihr Dorf zurückgekehrt sei. Es habe dort große Trauer gegeben und sie habe Angst vor der Reaktion ihres Mannes gehabt. Doch dieser habe sie umarmt und gesagt „Ob er lebt oder stirbt, liegt in Allahs Händen.“ An die Israelis habe er ausrichten lassen: „Was ihr getan habt, findet man an keinem anderen Ort der Welt. Wir danken euch. Auch wenn die Sache nicht gut ausgegangen ist, wir sind sehr dankbar für eure Freundlichkeit und die gute Behandlung.“

Tue Gutes – und sprich erst einmal nicht drüber …

Das erste Jahr haben die Israelis nicht über die Hilfsaktion in den Medien berichtet. „Der Sprecher unserer Einheit kam immer wieder zu mir und wollte die Erlaubnis, die Geschichten und Bilder auf Social Media zu teilen, weil es gut für Israel wäre. Aber ich habe es untersagt. Ich wollte nicht, dass die Syrer denken, ich mache hier Öffentlichkeitsarbeit auf ihrem Rücken.“ Erst ab 2017 genehmigte Eyal die Berichterstattung über die Operation – nicht, ohne sich zuvor mit verantwortlichen Syrern abzustimmen. „Ich habe gefragt, ob das für sie in Ordnung ist. Es ging ja um Vertrauen. Sie waren sfort einverstanden. ,Sei unsere Stimme und erzähle der Welt, was hier wirklich passiert‘, sagten sie zu mir. Aber als wir damit an die Öffentlichkeit gingen, waren das letztlich alte Nachrichten und es hat niemanden mehr so richtig interessiert. Deshalb habe ich ein Buch über die Operation geschrieben, deshalb spreche ich jetzt darüber.“

Rund 1400 chronisch erkrankte Kinder kamen mit ihren Müttern zur Behandlung nach Israel. Hier wurden sie unter anderem von Eyal Dror (l.) in Empfang genommen. Foto: Israelische Armee (IDF

Das Buch ist während Eyals Ruhestand entstanden. Es trägt den Titel „Embracing the Enemy“ (Den Feind umarmen). „Diese Hilfsaktion war das Größte, was ich in meinem Leben gemacht habe. Ich sollte nach dieser Operation den Rang eines Obersts erhalten. Aber ich bin in den Ruhestand getreten, weil ich wusste, dass es nichts Besseres mehr geben kann als diese Operation. Mein Buch erzählt von den Herausforderungen, den Beziehungen, die mit Syrern entstanden sind, vom Scheitern und wieder Aufstehen, von all den Entscheidungen, die schnell und unter Druck getroffen werden mussten. Ich denke, das war einzigartig.“

Mit einigen der in Israel behandelten Syrier hat Eyal bis heute noch Kontakt. „Da ich immer noch Offizier der Reserve bin, ist es für jeden Syrer, den ich in Syrien kontaktiere, lebensgefährlich. Daher habe ich nur mit Syrern im Ausland Kontakt. Ab und zu treffen wir uns.“

Eyal lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Kibbutz Dafna, anderthalb Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt. Trotz der angespannten Sicherheitslage ist er zuversichtlich. Hoffnung geben ihm seine Kinder und die israelische Flagge. „Ich weiß, dass Israel das Richtige tut. Ja, wir machen Fehler und wir sind nicht perfekt. Aber wir sind trotz allem ein Licht für die Nationen, Israel und seine Verteidigungsarmee sind gut für die Welt. Auch wenn die Welt das nicht sieht. Ich denke, Europa wird irgendwann aufwachen und erkennen, dass wir auch für sie gekämpft haben.“

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 142. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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