Tischa BeAv – Gedenken an die Zerstörung des Tempels

Tischa BeAv – Gedenken an die Zerstörung des Tempels

An Tischa BeAv fasten Juden und gedenken unter anderem der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels. Gleichzeitig richtet sich der Blick voller Hoffnung nach vorne: auf die Wiederherstellung des Tempels und die Ankunft des Messias. Foto: PxHere

Tischa BeAv ist ein Tag der Trauer, des Fastens und des Gedenkens an die tragischen Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes. Doch in den Schmerz mischt sich auch Hoffnung.

Tischa BeAv ist einer der bedeutendsten Trauer- und Fastentage im jüdischen Kalender. Er fällt auf den neunten Tag des Monats Av (Juli/August), der im jüdischen Kalender der fünfte Monat ist. In diesem Jahr beginnt er am Abend des 12. August. Während des Tischa BeAv wird in den Synagogen eine besondere Atmosphäre geschaffen. Der Schrein, in dem die heiligen Schriftrollen aufbewahrt werden, wird oft mit einem schwarzen Tuch bedeckt, um Trauer auszudrücken. Dabei wird an viele historische Ereignisse gedacht, die für die Juden tragisch waren. Die Mischna, einer der zentralen Texte des Judentums, nennt fünf große Unglücke:

  • Der Beginn der 40-jährigen Wüstenzeit Israels.
  • Die Zerstörung des Ersten Tempels und die Wegführung der Juden ins Exil 586 vor Christus.
  • Die Zerstörung des Zweiten Tempels als Anfang vom Ende Israels 70 nach Christus.
  • Die Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstands 135 nach Christus.
  • Die nochmalige Zerstörung Jerusalems 136 nach Christus.

Weitere Katastrophen, die nach der Tradition an diesem Tag stattfanden, sind die Ausrufung des ersten Kreuzzugs (1099), die gewalttätige Vertreibung der Juden aus England (1290) und Spanien (1492), der Beginn des Ersten Weltkriegs (1914) und der Beginn der Deportation von Juden aus dem Warschauer Ghetto in das Vernichtungslager Treblinka (1942).

Tischa BeAv ist ein Tag der Trauer, des Fastens und des Gedenkens an diese tragischen Ereignisse. Während des Fastens werden strenge Regeln befolgt, ähnlich wie an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag. Der Fastentag wird mit verschiedenen Trauerriten begangen. Viele Menschen sitzen auf niedrigen Stühlen oder auf dem Boden, um ein Gefühl der Bescheidenheit und Demut auszudrücken. Es ist auch üblich, die Klagelieder des Propheten Jeremia zu lesen und in den Synagogen Trauergesängen zuzuhören. Viele Juden nutzen diesen Tag außerdem zur Selbstreflexion, zur Umkehr und Reinigung des Herzens.

Tischa BeAv ist jedoch nicht nur ein Tag des Schmerzes, sondern auch ein Tag der Hoffnung. Denn bei aller Trauer richtet man den Blick auch nach vorne: auf den Wiederaufbau des Tempels und die Ankunft des Messias. So münden auch die schlimmsten Ereignisse der Vergangenheit in die Hoffnung auf eine gute Zukunft ein, die Gott selbst schenken und die voller Freude sein wird.

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