Der Krieg im Nahen Osten hat für unsere Projektpartner und die Menschen, um die sie sich kümmern, ganz praktische Auswirkungen. Lea Ganor leitet das Mashma’ut-Zentrum in Kirjat Motzkin bei Haifa. Dort haben fast 1000 ortsansässige Holocaust-Überlebende einen Ort der Gemeinschaft; dort begehen sie Gedenktage und feiern Feste – zusammen mit der jungen Generation, an die sie ihre Überlebensgeschichten weitergeben und von der sie liebevoll versorgt werden. Diejenigen, die nicht mehr mobil sind, werden von zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt – ein unentbehrlicher Dienst gerade jetzt.
Von Lea Ganor, aufgezeichnet von Anemone Rüger
„Die Situation ist sehr angespannt. Seit Samstag sind wir mit der ganzen Familie ständig im Schutzraum. Wir halten telefonisch Kontakt mit den Holocaust-Überlebenden und helfen ihnen, wo wir können. Unsere Ehrenamtlichen rufen sie an, um sie emotional zu unterstützen. Und auch praktisch bieten wir ihnen Hilfe an: Medikamente, Lebensmittel, Treibstoff für den Generator für die Sauerstoffgeräte … Unsere Helfer sind fast ununterbrochen im Einsatz. Wir schlafen kaum, ständig müssen wir uns in Sicherheit bringen. Zwischendurch haben wir vielleicht mal eine Viertelstunde Pause. Ich hoffe, es ist bald vorbei. Das geht schon so lange. Und jetzt haben die Raketen mit 500 Kilogramm Sprengstoff so eine Schlagkraft, da hilft manchmal nicht einmal der Schutzraum.
Jetzt gerade ist meine ganze Familie hier bei mir im Haus, meine zwei Töchter und ihre Kinder. Die Enkel haben trotzdem ihre Purim-Kostüme angezogen. Wir schlafen kaum, ständig ist Alarm. Jetzt kommen viele Raketen und Drohnen auch von der Hisbollah im Libanon. Da haben wir 60 Sekunden, um uns in Sicherheit zu bringen.
Wir hatten gerade eine richtig volle Woche mit schönen Veranstaltungen. Wir haben schon angefangen, mit den Holocaust-Überlebenden Purim zu feiern. Wir hatten den rumänischen Botschafter zu Gast und 200 Überlebende aus Rumänien von uns hier in Kirjat Motzkin, zusammen mit Studenten von der Bar-Ilan-Universität. Anlass war der zehnte Todestag von Elie Wiesel. Für diese Woche hatten wir auch große Pläne. Und jetzt ist alles anders. Viel zu tun haben wir trotzdem.
– Gerade geht wieder die Sirene, wir müssen rennen! Bis gleich! (60 Sekunden später.) Mein Enkel war gerade unter der Dusche, er hat noch die Seife auf dem Kopf.
Ja, wir haben zurzeit rund um die Uhr zu tun. Die Überlebenden brauchen gerade jetzt unsere Hilfe. Gestern haben wir hunderte Anrufe gemacht. Wir haben hier fast tausend Holocaust-Überlebende im Ort. Einer von ihnen, Moshe Yechiel, brauchte Treibstoff für den Generator für sein Sauerstoffgerät. Das haben wir besorgt. Unser Bürgermeister, Tziki Avisar, hat ihm alles persönlich gebracht.
Ich habe so viele Dankesnachrichten auf meinem Handy: ‚Ich habe so viele schwere Zeiten erlebt, ich habe keine Angst mehr‘, schreibt mir Blanca, eine Überlebende aus Österreich. Sie ist 98 Jahre alt! ‚Ich bete nur für unsere Piloten, dass sie behütet zurückkehren. Dass du bei all dem Stress jetzt Zeit für uns findest! Ich bin so dankbar!‘
Vor kurzem haben wir den Geburtstag von Miriam gefeiert. Sie ist aus Lodz, sie hat Auschwitz überlebt. Der polnische Botschafter war da. Sie schreibt mir: ‚Wenn ich immer vorher wüsste, wann etwas passiert, würde ich mich bei dir in der Nachbarschaft einquartieren. Du tust eine heilige Arbeit. Ich bin ganz ruhig innerlich, weil ich weiß, dass ihr euch um uns kümmert.‘
Wenn ich deprimiert bin, dann rufe ich die Holocaust-Überlebenden an. Sie geben mir so viel Kraft!“
Die Lage ist ernst, die Sorge und Not der Menschen in Israel nimmt zu. Lassen Sie uns gemeinsam an der Seite Israels stehen! Durch Ihre Spende ermöglichen wir es unseren Partnerorganisationen wie dem Mashma’ut-Zentrum, dringend benötigte Hilfe vor Ort zu leisten. Jede Spende macht einen Unterschied!