Im vergangenen August waren zwanzig junge Christen im Alter von 18 bis 35 Jahren unter der Leitung von Dina Ehrhardt und Lena Düfelsiek mit Junge Christen an der Seite Israels (JCSI) in Israel unterwegs, um Land und Leute kennenzulernen und gleichzeitig eine biblische Sicht auf Gottes Volk zu gewinnen. Fast immer berührt so eine Reise auf besondere Weise. So erging es auch Reiseteilnehmer Friedrich Boroica, der hier seine ganz persönlichen Eindrücke teilt.
Von Friedrich Boroica
„Warum bin ich eigentlich hier?” Diese eine Frage drängte sich mir schon den ganzen Morgen auf. Ich lief gerade im Morgengrauen durch die Jerusalemer Straßen. So wie jeden Tag war ich vor meinen Mitreisenden aufgestanden, um während eines Spaziergangs zu beten. Es war unsere erste Nacht in der Heiligen Stadt gewesen und ich hatte nur mäßig gut geschlafen. Zu viel ging mir durch Kopf und Herz.
So zum Beispiel der eindrückliche erste Abend unserer Reise in Tel Aviv, der mit einer von Sirenenalarm begleiteten Kennenlernrunde und einem Spaziergang durch Old Jaffa ausklang. Ein verheißungsvoller Anfang. Nachdem wir am nächsten Tag einem israelischen Fernsehteam auf dem schön angelegten Dach unseres Hotels ein Interview gegeben hatten, ging es in das pulsierende Zentrum der Stadt. Von Weitem war unser Ziel zu sehen, der Azrieli Sarona Tower. Im höchsten Gebäude der Stadt tauchten wir bei einem Vortrag in die Welt der „Startup Nation Israel” ein und genossen nebenher ausgiebig die grandiose Aussicht. Der Sarona Markt, auf dem wir unsere Mittagspause verbrachten, ist immer einen Abstecher wert.

Derart gestärkt, brachen wir zu unserem nächsten Ziel auf: einer Bootsfahrt auf dem See Genezareth. Im Süden dieses geschichtsträchtigen Ortes befand sich auch unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Die Tage dort habe ich sehr genossen. Da ich äußerst geschichtsaffin bin, faszinierte mich diese Region. Namen und Orte, die ich bis dahin nur gelesen hatte, bekamen ein Gesicht. Die Bibel wurde nahbarer und lebendig. Und auch wenn wir nur an der Oberfläche bleiben konnten, bin ich unendlich dankbar für das dort Erlebte.
Da war zum Beispiel dieses kleine Dorf, wo man einen kleinen Eindruck davon bekam, wie das Leben vor 2000 Jahren ausgesehen hat. Frisch gepresster Traubensaft, selbstgebackenes Fladenbrot und die damalige Kleidung sind ein Erlebnis für sich. Unser Treffen an der syrischen Grenze zur Mittagszeit mit dem ehemaligen Leiter eines sehr spannenden Militärprojekts hat mir eine weitere Perspektive eröffnet. Ein Gefühl, das mir im Verlauf der Reise sehr vertraut wurde. Es ist ein anderes Land, ein anderes Volk mit einer einzigartigen Geschichte in einer spannenden Zeit. Also definitiv nicht wie Deutschland. Was für eine wunderbare Abwechslung! Unsere abendliche Buggytour, die wir mit einem Abstecher nach Hippos verbanden, machte unfassbar viel Spaß.

Ein wenig entspannter ging es am nächsten Morgen weiter, als wir auf dem Weg zur Stadt Schefar’am in einem Wasserpark ein wenig Zeit für uns hatten. Die nächste Perspektive, die mittags auf uns wartete, war ein kompletter Gegensatz zum bisher Erlebten. Wir waren bei einem christlichen Araber eingeladen, der als Arzt in einem jüdisch-orthodoxen Krankenhaus arbeitet und in einer vorwiegend muslimischen Stadt wohnt. Ich hatte 1000 Fragen, von denen ich aber aus Rücksicht auf die Gruppe nur zwei loswurde. Ich habe mit ihm ausgemacht, dass ich die restlichen 998 Fragen bei meinem nächsten Besuch stellen werde … Nach einem Eis ging es zurück in unseren Kibbutz, denn es stand ein Sabbatessen mit der Journalistin und ihrem Freund an, die uns in Tel Aviv interviewt hatte. Zack. Die nächste Perspektive.
Tag fünf begann mit der Abfahrt in Richtung Negev-Wüste. Selbstverständlich machten wir einen Abstecher zum Toten Meer inklusive dem obligatorischen „Souvenirshop-Leerkaufen“. In Nitzana angekommen, war nicht viel Zeit zum Auspacken, denn unsere Wüstenguides warteten voller Motivation, uns die Wunder der Wüste Negev zu zeigen. Das Essen, welches sie für uns zubereiteten, war köstlich und die Gespräche mit ihnen viel zu kurz.

Hier kam mir zum ersten Mal ein Gedanke, der mich die folgenden Tage nicht losließ: „Warum bin ich eigentlich hier?“ So sitze ich am Lagerfeuer in der Wüste, nach der Hälfte der Reise völlig überwältigt von dem Geschehenen, und 1000 Gedanken rasen mir durch Kopf und Herz. Nichtsahnend, was der kommende Tag für uns bereithalten würde. Mit gepackten Koffern und geschmierten Broten bekamen wir noch eine Tour über das Gelände von Nitzana – dieses großartigen Projekts, das es verdient hätte, dass ich darüber mehrere Seiten schreibe. Doch es gibt einen anderen Teil der Reise, den ich für den Rest meines Lebens nicht vergessen werde.
Von Nitzana aus fuhren wir nach Kerem Shalom, ein Kibbutz, der direkt an der Grenze zu Ägypten und Gaza liegt. Unsere Reiseleiterin Dina sagte uns, dass wir ein Ehepaar treffen würden, die Überlebende des Massakers vom 7. Oktober sind, und ihre Geschichte hören. Aber das war mehr als Hören. Viel mehr. Denn die beiden erzählten uns nicht nur, was passiert ist, sondern sie gingen mit uns den Weg, den sie an jenem Morgen gegangen waren. Die Einschusslöcher, die zerstörte Mauer, die gesprengte Bunkertür, vor die sich der sechsfache Familienvater gestellt hatte, um seine Familie zu schützen. Begleitet von den dumpfen Geräuschen der Artillerieschüsse, die in unregelmäßigen Abständen von der israelischen Armee IDF abgefeuert wurden. Das Ganze fühlte sich für mich surreal an. Irgendwie unbeschreiblich.
Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, welchen Eindruck diese Stunden bei mir hinterließen. „Man kann den Nahen Osten nicht verstehen, wenn man nicht vor Ort gewesen ist. Man kann Israel nicht verstehen, wenn man nicht da war. Mit den Menschen geredet hat. Das Land gesehen hat.“ Oft habe ich diese Sätze gehört. In diesem Moment glaube ich, sie verstanden zu haben.

Von Kerem Shalom aus fuhren wir zum Nova-Festival-Memorial und zum Autofriedhof. Dennoch wirkte es für mich nur wie ein Kratzen an der Oberfläche, die Orte zu sehen, von den ich bisher nur gehört hatte. Unsere Fahrt nach Jerusalem, unserer letzten Station der Reise, war sehr still. „Was mache ich eigentlich hier?“ Da war er schon wieder, dieser Gedanke.
Abends stand nach dem Abendessen noch eine sehr spannende Begegnung auf dem Programm: Wir durften die Geschichte eines jungen Ehepaares und ihre Erlebnisse rund um diesen einschneidenden 7.Oktober 2023 hören. Während die beiden erzählten wurde mir klar, dass für mich nichts mehr so bleiben würde, wie es war. Nicht nach diesem Tag.
Womit wir wieder bei dem eingangs erwähnten morgendlichen Spaziergang durch die Heilige Stadt wären und der Frage: „Warum bin ich eigentlich hier?“ Eine Antwort darauf erhielt ich erst zwei Tage später während eines abendlichen Gebetsspaziergangs: „Ich will dir mein Volk zeigen.“ „Na, das ist dir gelungen, Gott. Ich erahne so langsam, warum du es so sehr liebst.“
Ich könnte noch so viel mehr schreiben über all das, was wir während dieser Reise erlebt haben: über den Besuch in Yad Vashem, die Führung bei der Jewish Agency, die Begegnung mit einer Holocaust-Überlebenden, die wunderschöne Stadt Davids, und, und, und. Ich bin Gott von Herzen dankbar, dass er mir diese Erfahrungen ermöglicht hat. Die Reise hat sich gelohnt und wird sich für jeden lohnen, der bereit ist, sein Herz und seine Augen zu öffnen. Denn ich bin überzeugt, dass Gott jedem offenbaren möchte, wer Israel ist, wenn er oder sie ernsthaft fragt. Ich persönlich habe noch so viele Fragen – und ich werde wieder nach Israel reisen, um weitere Antworten zu bekommen.
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